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Steuern und Bürokratie sind Probleme für Gründer von Startups

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Innovation und Kreativität - das sind die Eigenschaften, die Gründern wie uns zugeschrieben werden. Innovativ und kreativ - das hätten auch die Vorschläge des „Eckpunkte-Papiers Wagniskapital" des Bundeskabinetts sein können. Sind sie aber nicht. Die Politiker haben wenig gewagt in ihrem Papier mit dem Titel „Deutschland braucht eine neue Gründerzeit". Ein Aufbruch in eine neue Zeit ist es nicht

Anti-Angel-Gesetz muss vom Tisch

Die Bundesregierung hat das Thema (innovative) Gründungen zu lange schleifen lassen. Schlimmer noch: Mit Schäubles Plänen zur Besteuerung von Wagniskapital wurde die Gründerszene zuletzt massiv beunruhigt.

Positiv ist zwar, dass das Kabinett mit dem Papier die völlig überflüssige und schädliche Besteuerung bei der Veräußerung von Firmenanteilen im Streubesitz vom Tisch bringen möchte.

Die Finanzierungsbedingungen von Gründern werden aber nicht nachhaltig verbessert, sondern bleiben im Wesentlichen auf dem Status Quo vor Schäubles Investmentsteuergesetzreform. Es fehlt nach wie vor ein wirklich leistungsfähiger Wagniskapitalmarkt.

Private Finanzierung von Startups stärken

Es ist nicht sonderlich innovativ, diese Herausforderung durch noch mehr Förderprogramme und Zuschüsse bewältigen zu wollen. Es ist vor allem auch teuer.

Innovativ wäre es, wenn man den Verlustübertrag bei der Beteiligung von Sekundär-Investoren ermöglicht. Klingt kompliziert, bedeutet aber nichts anderes als Folgendes:

Wenn die erste Gründungsphase (in der Regel mit anlaufenden Verlusten) abgeschlossen ist, müssen Nach-Investoren gewonnen werden. Diese werden aber nur dann investieren, wenn sie die Verluste steuerlich mitübernehmen können.

Aufgrund des beschränkten Verlustabzugs wird aber der Erwerb einer Beteiligung an einem Unternehmen, das Verluste aufweist, massiv behindert. Hier muss nachgesteuert werden, um die private Finanzierung von Startups zu stärken.

Rechtssicherheit für Geschäftsführer schaffen

Kreativ wäre es, Rechtssicherheit für Geschäftsführer bei der Befreiung von Sozialbeiträgen zu schaffen. So sollten jene Geschäftsführer beitragsfrei gestellt werden, die mindestens zehn Prozent der Anteile am Unternehmen halten.

Momentan ist ein Gesellschafter, der als Geschäftsführer agiert, nur dann von den Sozialversicherungsbeiträgen befreit, wenn er die Stimmenmehrheit hält.

Zudem werden aktuell Teamgründungen gegenüber Einzelgründungen benachteiligt. Wenn beispielsweise vier Personen eine GmbH gründen und jeweils 25 Prozent der Anteile halten, dann haben sie im Gegensatz zu einem einzelnen Gründer keinen rechtlichen Anspruch auf eine Befreiung von den Sozialbeiträgen. Das ist Quatsch. Hier muss die gesetzliche Regelung dem Praxisalltag angepasst werden.

Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge abschaffen

Auch taucht das Wort Bürokratieabbau kein einziges Mal im Eckpunktepapier des Bundeskabinetts auf. Dabei ist es gerade die Bürokratie, die viele Menschen bei der Unternehmensgründung belastet.

So hat eine Umfrage unter Gründern von Die jungen Unternehmer aus dem Jahr 2014 ergeben, dass sich 67 Prozent aller Befragten pro Woche mindestens fünf bis 15 Stunden mit aufwendigen bürokratischen Pflichtaufgaben herumschlagen. Bei elf Prozent sind es sogar mehr als 15 Wochenstunden.

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Ein Beispiel für unsinnige Bürokratie ist die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge. Nach aktuell gültigem Recht müssen Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge ihrer Beschäftigten zweimal im Monat abrechnen: Einmal vorab auf Basis einer Schätzung und dann ein zweites Mal auf Basis der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden.

Diese Regelung führt vor allem für kleine und mittlere Unternehmen zu einem enormen und unnötigen bürokratischen Aufwand, der auch Unternehmensgründer in besonderem Maße trifft.

Es wäre daher nur sinnvoll, dass Unternehmer nach ihrer Gründung in den ersten drei Jahren die Sozialversicherungsbeiträge nur einmal im Monat abführen müssen. Ihnen würde damit erkennbar mehr Zeit für produktive Tätigkeiten geschenkt werden. Gründer brauchen jede Minute und jeden Euro, um innovativ und kreativ zu sein.

Bildungssystem unternehmensnah ausrichten

Wer junge Menschen aber tatsächlich zum Gründen motivieren möchte, der sollte das auch bereits im Bildungssystem verankern. Unternehmertum braucht wieder ein besseres Ansehen, statt immer neue bürokratischen Hürden und Verordnungen und immer stärkere Eingrenzung von unternehmerischer Flexibilität.

Unternehmer zu sein, ist eine Chance auf Selbstverwirklichung und auf Mitgestaltung unserer Gesellschaft. Für mich ist es ein Traumjob. Das muss auch bei jungen Menschen wieder ankommen, damit Gründen wieder angesagt ist.

Der Gründergeist muss bereits in den Schulen geweckt werden. Unser Verband setzt sich daher für ein flächendeckendes Schulfach Wirtschaft ein.

Das wäre ein guter Beginn. Zur Stärkung der Digitalkompetenz ist allerdings auch das Fach Informatik als verpflichtend anzusehen. Die Schüler von heute müssen fit gemacht werden für die Arbeit von morgen.

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