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Mütterrente, abschlagsfreie Rente mit 63 - viel kostet viel!

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EURONOTES GREECE
Grigorios Moraitis via Getty Images
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„Die Jungen sind die Dummen". Wer diese Worte bei Google sucht, wird auf zahlreichen Seiten fündig. Tenor: Die junge Generation zahlt sich dumm und dämlich für die Geschenke an aktuelle Rentner oder jene, die es demnächst werden wollen.

Und das in nahezu greifbarer Gewissheit, dass sie selbst nicht mehr in den Genuss der Wohlfühl-Renten kommen wird, die die große Koalition wie Kamelle an Karneval unter den Alten verteilt.

Volle Hände, leere Taschen

In Zukunft zahlen immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner. Die Sozialabgaben steigen und die Beschäftigten bangen, nichts von ihren Beiträgen wieder zu sehen, bis zu ihrem Tod zu arbeiten oder wohlmöglich statt frühverrentet, früh-recycelt zu werden.

Das ist natürlich überspitzt, soll aber aufzeigen, wie ungerecht die Politik mit der jungen Generation umgeht, um sich die Stimmen der Alt-Wähler zu sichern.

Rentengeschenke mit Langzeitfolgen

Im Falle der Rentengeschenke aus dem Jahr 2013 von CDU/CSU und SPD hat sich - mal wieder - gezeigt, dass die Präsente letztendlich mehr kosten werden, als anfangs von der Regierung veranschlagt. Dies haben neue Berechnungen des IW Köln ergeben.

Durch die Neuregelung bei der Mütterrente erhalten Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, seit 2014 zwei statt wie bisher einen Entgeltpunkt. 3,3 Milliarden hat das bereits im zweiten Quartal 2014 gekostet. Im Gesamtjahr 2015 sollten es laut Regierung 6,7 Milliarden werden, die dann bis 2030 auf 6,1 Milliarden sinken.

Doch, und das ist besonders ärgerlich: Statt mit Zahlen zu rechnen, die der Realität entsprechen, hat man die regelmäßigen Rentenerhöhungen einfach außer Acht gelassen. Die Wähler werden also über die tatsächlichen Kosten im Dunkeln gelassen.

Das Ergebnis: Die Mehrkosten bei der Mütterrente werden bis Ende 2017 bei geschätzten 24,3 Milliarden Euro liegen - diese Suppe löffeln dann ja die Jungen aus.

Das vergisst die CSU, wo man schon mit dem Gedanken spielt, den Müttern ab 2018 einen weiteren Entgeltpunkt zu spendieren. Käme es dazu, kostet das die Steuer- und Beitragszahler bis 2030 laut der Wissenschaftler bis zu 100 Milliarden. Zusätzlich!

Spendierlaune kostet Fachkräfte

Aber, so scheint es, aufs Geld muss die Regierung nicht schauen. Auf fast 1,2 Milliarden Euro schätzen die Experten vom Institut der deutschen Wirtschaft den Betrag, der der Rentenversicherung durch entgangene Abschlagszahlungen durch die Rente mit 63 im Jahr 2017 entgeht.

Tendenz steigend.

Denn die Rente mit 63, die Versicherten erlaubt, bereits nach 45 Beitragsjahren in den Ruhestand zu gehen, entwickelt sich zum beliebten Ticket in den Vorruhestand: Im ersten Jahr der Neuregelung gingen 151.156 Versicherte früher in Rente. Gegenüber 16.197 im Jahr 2013 ein deutliches Plus. 2015 waren es sogar bereits über 274.000.

Dieses Mehr an Vorruheständlern kostet nicht nur mehr Geld als von der Bundesregierung prognostiziert, sondern entzieht dem Arbeitsmarkt dringend gebrauchte Fachkräfte.
Wenn Deutschland wettbewerbsfähig bleiben will, kann es sich diesen Verlust an Manpower nicht leisten. Außerdem geht die Rente mit 63 absolut an der Realität vorbei.

Das Renteneintrittsalter muss endlich der seit Jahrzehnten steigenden Lebenserwartung angepasst werden. Ich plädiere dafür, dass sich die Regierung dann im Gegenzug intensiver um das Renten-Stiefging Erwerbsminderungsrente kümmern sollte, damit körperlich schwer arbeitende Menschen nicht benachteiligt werden. Das wäre gerecht und solidarisch!

Dr. Hubertus Porschen ist ehrenamtlicher Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER, Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln sowie promovierter Volkswirt. . Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl initiiert der Verband die Kampagne "Germany´s next Bundeskanzler/in" . Hier soll die Stimme der jungen Generation gefunden werden, die die Interessen der Erst- und Zweitwähler am besten vertritt. Die Kampagne soll junge Wähler für Politik begeistern.

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