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Generationenbeben: Die junge Generation braucht Schutz eines Beauftragten

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SHIPWRECK ABOVE
Bobbushphoto via Getty Images
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Der Generationenvertrag ist eine enorme Errungenschaft in der deutschen Gesellschaft. Er besagt, dass die jeweils arbeitende Generation für die Renten der älteren Generation aufkommt. Ein wichtiges Solidarprinzip, das aber nur funktioniert, wenn genügend Beitragszahler für die Bezieher einer Rente zahlen. Durch den demographischen Wandel wird dieses Gleichgewicht empfindlich gestört. Kamen 1972 noch 4,2 Beitragszahler auf einen Rentner, sind es heute nur noch 2,1. In den kommenden Jahrzehnten wird sich dieses Verhältnis weiter drehen. Wir werden immer älter, während weniger Junge nachrücken. Schätzungen für das Jahr 2050 gehen von nur noch 65 bis 75 Millionen Einwohnern aus. Selbst dauerhaft hohe Einwanderung von jungen hochqualifizierten Menschen kann diese Entwicklung nur abmildern. Der Generationenvertrag leckt gewaltig und Deutschland steht kurz vor einem demografischen Schiffbruch.

Kinder müssen für immer mehr Ältere einstehen. Sie übernehmen große Lasten aus Staatsverschuldung,sozialen Sicherungssystemen und Pensionslasten.

Das Ergebnis: immer mehr Schulden auf immer weniger Schultern. Die Parteien handeln fahrlässig und ignorieren diesen Zustand. Sie sehen nicht, dass wir längst über den Punkt des Zumutbaren hinaus sind! Der demographische Wandel wird komplett ausgeklammert. Der Handlungsspielraum der Jüngeren ist jetzt schon für ihr gesamtes Leben stark eingeschränkt. Zusätzlich wird von der jungen Generation gleichzeitig immer mehr Wirtschaftsleistung erwartet, um das gleiche Niveau zu erreichen wie die Generation vor ihnen.

Generationengerechtigkeit wiederherstellen

Zu dieser Entwicklung hätte es nicht kommen müssen. Gesellschaft und Politik hätten seit Jahren verantwortlicher mit den Rechten und Belastungen jüngerer Menschen umgehen sollen. Nun befinden wir uns in größter Seenot. Wir sollten schnellst möglich daran arbeiten, die Auswirkungen der alternden Gesellschaft auf den Generationenvertrag wieder ins Lot zu bringen.
Was wir dazu brauchen ist ein Kontrollmechanismus, der überwacht, dass politische Entscheidungen in Zukunft nicht mehr ohne Rücksicht auf die junge Generation getroffen werden. Diese Aufgabe könnte ein Beauftragter für die Rechte der jungen Generation in Angriff nehmen. In seiner Verantwortung läge nichts Geringeres, als wieder Generationengerechtigkeit in Deutschland herzustellen.

Die Aufgaben des Generationenbeauftragten

Der Beauftragte für die Rechte der jungen Generation soll ein Gegenwicht zu der politischen Tendenz bilden, Geschenke in der Gegenwart zu verteilen, während die Kosten dafür in die Zukunft verschoben werden. Der Posten des Beauftragten sollte als parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt angesiedelt werden. Von dort kann er am ehesten auf die Unterstützung der Regierungsverantwortlichen bauen und seine ressortübergreifende Kontroll- und Warnaufgabe wahrnehmen.

Zu seinen Aufgaben würden folgende Dinge gehören: Bund und Länder überwachen, um die Schuldenbremse einzuhalten, bereits aufgelaufene Schulden abbauen, die Nachhaltigkeitslücke in den Sozialversicherungen verringern und die Investitionsausgaben in den öffentlichen Haushalten erhöhen.
Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt: Rentengeschenke sind ein bewährtes Mittel, um Stimmen vor großen Wahlen zu maximieren. Das war schon immer sehr gefährlich. Mit dem demographischen Wandel spitzt sich diese Gefahr zu. Um die Parteien davon abzubringen immer mehr Lasten auf junge Menschen zu verteilen, muss ein Generationenbeauftragter installiert werden. Er kann und muss helfen, das wertvolle Solidarprinzip des Generationenvertrags wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.

Dr. Hubertus Porschen ist ehrenamtlicher Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER, Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln sowie promovierter Volkswirt. . Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl initiiert der Verband die Kampagne "Germany´s next Bundeskanzler/in" . Hier soll die Stimme der jungen Generation gefunden werden, die die Interessen der Erst- und Zweitwähler am besten vertritt. Die Kampagne soll junge Wähler für Politik begeistern.