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"Europe First" - Das wäre doch ein Anfang!

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DONALD TRUMP
scarletsails via Getty Images
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Trump hat gewonnen. Aber wer hier mit welchen Zielen gewonnen hat, bleibt weitgehend unklar. Ein roter Faden immerhin zeichnet sich ab: Trumps Motto: ‚America First!' Das ist weder ‚wirr' noch ‚unberechenbar'. Trump und seine Wähler vermuten, dass die USA gut beraten sind, wenn sie in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen.

Für ein ‚nation building' wie zuletzt im Irak versucht, ist dann kaum mehr Platz. Für Immigranten auch, denn die gehören nach Trump'scher Manier zunächst nicht zu ‚America'. Und weiter: wer etwas gegen America unternimmt, bekommt dann auch richtig Ärger: Trump hat dem IS schon einiges angekündigt.

Für uns in Deutschland und Europa besagt das: Wir sollen unsere Verteidigung stärker selbst bezahlen, und Freihandel gibt es nur noch, soweit der Nutzen bei den USA gut erkennbar ist. Das Baltikum wird beschützt, wenn das den USA nützt. (Den Nutzen erkennt er hoffentlich.)

Augenhöhe suchen

Wie aber gehen wir nun mit einer solchen neuen Tonlage um? Moralische Entrüstung und Protest dürften die künftige US-Administration kaum erreichen und eine Persönlichkeit wie die des Herrn Donald Trump kaum beeindrucken. Wir, The Rest of The West, sollten für unsere Punkte stehen und zugleich Augenhöhe suchen, in der neuen Welt, die jetzt aufkommt.

Wie geht das? Wir verhalten uns spiegelbildlich. Wir sagen ‚Europe First', ‚Germany First' und ‚Freihandel First'. Das wird dem Neuen zwar nicht unbedingt gefallen. Aber damit kann er vermutlich besser umgehen als mit dem erwarteten Geheul einer - aus seiner Sicht - historisch überlebten sozial-liberalen Elite auf einem vorgestrigen Kontinent. Nein, wir, die Europäer, können auch anders.

Tough sein

Auch wir sollten tough guys sein, nur eben mit anderen Themen. Mit uns soll er dann dealen: Wir wollen weiter Arbeitsteilung und Freihandel, er nicht? Dann mĂĽssen wir das aushandeln. Wir finden Putins Bedrohung der Ost-EU nicht gut, ihm ist das egal? Dann mĂĽssen wir reden. Er findet den Brexit lustig und eine weitere Zersplitterung der EU eigentlich OK - wir nicht? Also sollten wir ihm die Alternativen in Europa aus Sicht der US-Interessen einmal darstellen.

Man kann über alles sprechen, wenn man weiß, dass der andere auch kein Weichei ist. Und was das Andere betrifft, zum Beispiel seine Aversion gegen Frauen- und Minderheitenrechte? Wir haben da noch eine Rechnung offen: Der nächste brain drain fließt uns zu.

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