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Eine neue Bedrohung

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CYBER ATTACK
200mm via Getty Images
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Die Attacken aus dem Netz sind zahlreich und machen vor Niemandem halt. Auch nicht vor einer Unternehmerin aus Hamburg, die sich vorbereitet fühlte. Trotz frühzeitiger Digitalisierungsstrategie und digitalem Prozessmanager wurde sie Opfer eines Cyberangriffs von russischen Hackern - kein Einzelfall.

Auch ich war betroffen. Laut einer Umfrage der Verbände DIE FAMILIENUNTERNEHMER und DIE JUNGEN UNTERNEHMER werden Betriebe regelmäßig das Opfer von Cyberangriffen. Im Jahr 2016 waren es schon 39 Prozent.

Fast jedem Zweiten entsteht dabei ein materieller Schaden. Und obwohl Unternehmen bereits mit Schulungen ihre Mitarbeiter für die Gefahren von Cyberangriffen sensibilisieren, fehlt es oft noch an speziellem Personal und Mitteln, um sich ausreichend zu schützen.

Für die schlagkräftigen Kriminellen aus dem Netz stellen einfache Firewalls keine großen Hürden da. Kleinere und mittelständische Unternehmen werden momentan mit der neuen Herausforderung allein gelassen. Sie brauchen Unterstützung.

Auch wenn sich Unternehmen selbst um einen bestmöglichen Schutz bemühen müssen, sind sie auf staatliche Sicherheitsorgane angewiesen. Aber schon beim ersten Schritt, dem Selbstschutz von Politik und Verwaltung, gibt es noch gewaltige Defizite.

Das haben die Angriffe auf das Netz des Bundestages gezeigt. Was kann die Politik tun? Die Polizei muss technisch und personell so gut ausgestattet werden, dass sie Kriminalität im digitalen Raum verfolgen kann.

Im Moment ist auf ihre Unterstützung nicht zu zählen. Deutsche Geheimdienste müssen zur Abwehr verstärkt werden. Da Cyberkriminalität oft grenzüberschreitend ist, müssen internationale Kooperationen intensiviert werden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sollte aus der Zuständigkeit des Innenministeriums herausgelöst und stattdessen dem Kanzleramt unterstellt werden. So kann es unabhängiger agieren und ein glaubwürdigerer Ansprechpartner für Bürger und Unternehmen bei der Abwehr von Cyberkriminalität werden.

Mir scheint, dass die Politik langsam ein Problembewusstsein für Cyberkriminalität entwickelt. Zur effektiven Verfolgung von Cyberkriminalität und ihrer Prävention ist es aber noch ein langer Weg.

Natürlich ist jeder in der Pflicht, seine Haustür selbst abzuschließen, der Staat aber muss vorbeugen, Strukturen zur Strafverfolgung aufbauen und einschreiten können. Deutschland muss für diese modernen Einbrecher sensibilisiert werden.

Mit dem Fokus auf ‚Chancen und Risiken der Digitalisierung' in der deutschen G20-Präsidentschaft ist die Bundesregierung auf dem Weg dahin. Das muss sie auch sein, denn Sicherheit ist eine elementare Aufgabe des Staates, auf den Straßen und im Netz.

Die Schwerpunktsetzung ist ein erster Schritt gegen Verbrechen aus dem digitalen Raum, in dem physische Grenzen keine Rolle spielen. Aber so wichtig eine bessere internationale Koordinierung ist: Kurzfristige Erfolge sind dabei eher nicht zu erwarten.

Die Bundesregierung muss jetzt dringend auch hierzulande an den richtigen Stellschrauben drehen. Wichtig ist, dass bei allen ausstehenden Bemühungen Cybersicherheit gesamtwirtschaftlich und branchenübergreifend gedacht wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Handelsblatt.

Dr. Hubertus Porschen ist ehrenamtlicher Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln sowie promovierter Volkswirt. Hubertus Porschen studierte BWL in Marburg und promovierte hier auch in VWL zum Thema „Der akademische Unternehmer". Während des Studiums arbeitete er bereits in mehreren Start-ups, die er teils mitgegründet hat. http://www.hubertusporschen.com

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