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Setzen 6! Unser Plan fĂĽr ein besseres Bildungssystem

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SCHULE
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Alle Jahre wieder hält uns ein Bildungsvergleich oder eine Pisa-Studie vor, dass Deutschland Nachholbedarf hat. Ein schwerwiegendes Problem. Die Schüler von heute sind schließlich die Wähler, Arbeitnehmer, Unternehmer, Ehrenämtler und Politiker von morgen. Deutschland ist als ressourcenarmes Land mehr als viele andere auf seine fähigen Köpfe angewiesen. Gute Bildung ist unsere wichtigste Ressource - diese Tatsache wird oft unterschätzt.

Die Politik reagiert träge oder gar nicht auf die schlechten Ergebnisse im internationalen Vergleich. In aller Ruhe testen die Bundesländer ihre eigene Bildungspolitik - mal mit mehr, meistens mit weniger Erfolg. Die Ergebnisse werden gerne schöngerechnet. So kommt die Note Eins im Abitur heutzutage öfter vor als in der Vergangenheit.

Eine fragwĂĽrdige Entwicklung, zeigen doch aktuelle Bildungsvergleiche, dass sich die Kenntnisse der SchĂĽler keineswegs verbessert haben. Die Vermutung liegt nahe, dass geminderte Anforderungen helfen, politisch gesetzte Zielvorgaben zu erreichen. Das hilft wiederum weder den SchĂĽlern, noch der Wirtschaft.

Um zu zeigen, wo die Bundesländer und ganz Deutschland stehen, brauchen wir ehrliche Tests, denen sich Schulen und Behörden stellen müssen. Mit dem folgenden 3-Punkte-Plan sollten wir endlich auf die schlechten Noten des deutschen Bildungssystems reagieren.

Noten fĂĽr die Schulen

Das Zentralabitur und die damit eingeführten Einheitsprüfungen waren ein Anfang, um die Leistung von Schülern vergleichbar zu machen. Das allein ist nicht genug. Eine regelmäßige und individuelle Bewertung der Schulen gibt es noch nicht. PISA ist angelegt, um das Bildungsniveau eines Landes zu messen.

Die Studie kann es nicht leisten, dass jedes Bundesland und jede Schule sieht, wie sie abschneidet und in welchen Bereichen Verbesserungsbedarf besteht. Es braucht unbedingt weitere Institutionen, die außerhalb des Schulsystems stehen und die entsprechende Expertise aufweisen, um regelmäßig unabhängige Bewertung durchzuführen.

Diese Daten müssen erfasst und veröffentlicht werden, sodass sie für jeden leicht zugänglich sind. Zusätzlich müssen diese Ergebnisse auch international verglichen werden. Regelmäßige Veröffentlichungen verhindern dabei, dass Schüler jahrelang unbemerkt schlechte Bildung erhalten. Mit Hilfe eines neuen Vergleichsinstruments können Eltern Verbesserungen einfordern oder eine qualitativ bessere Schule für ihr Kind auswählen. Es entsteht Transparenz und Wettbewerb.

Auch für zukünftige Arbeitgeber wäre es ein wertvolles Instrument, um potenzielle Bewerber auf ihre Grundlagen zu prüfen. Bewerber von einer sehr guten Realschule, die insbesondere in relevanten Bereichen gute Ergebnisse aufweist, könnten so einem Gymnasiasten von einem eher schlechten Gymnasium vorgezogen werden.

Mehr Verantwortung bei Schulleitung und Eltern

Schulen brauchen Freiraum in ihren Entscheidungen, um gemeinsam mit den Eltern Defizite, die durch die Bewertung offenbart wurden, auszuräumen. Nur so können sie ein angemessenes Bildungsniveau erreichen und halten. Schulen sollten so weit wie möglich autonom handeln dürfen. Dann wären für eine langfristige Bildungsstrategie keine politischen Ideologien, die sich alle paar Jahre durch Wahlen ändern, verantwortlich.

Die Eltern gäben mit ihrer Schulwahl das jeweilige Signal, welche schulischen Konzepte erstrebenswert sind und welche nicht. Wie es für die Schüler extra Taschengeld gibt, wenn sie eine Eins nach Hause bringen, gäbe es auch für die Schulen Zuschüsse von Vater Staat für gute Leistungen.

Mehr Akzeptanz fĂĽr Schulwechsler

Oft wird ein Schulwechsel mit schlechten Leistungen, Problemen mit anderen Schülern oder Lehrern assoziiert. Damit muss Schluss sein. Schüler sollten an diversen Abzweigungen des Bildungsweges ohne gesellschaftlichen Gegenwind und hohe bürokratische Hürden, den für sich richtigen Weg einschlagen können. Je nach Leistungen und Interesse kann eine solche individuelle Lösung viel positive Energie freisetzen. Ganz im Gegensatz zu einer „da musst du jetzt durch"-Haltung, mit der sich die Schüler bis zum Abi quälen.

Wenn individuelle Stärken erkannt werden, muss auch darauf reagiert werden können. Daher gilt, eine möglichst große Durchlässigkeit des Bildungssystems zu gewährleisten. Der zu erreichende Schulabschluss ist letztlich für jeden Schüler ein wichtigstes Fundament für einen erfolgreichen und glücklichen Lebensweg. Das deutsche Bildungssystem muss flexibel gestaltet werden und darf niemand auf einen starren Bildungsweg festlegen.

Neben diesem 3-Punkte-Plan gibt es noch weitere Baustellen für mehr digitale Bildung und den Breitbandausbau . So ist es unumgänglich, dass Schüler mit einem umfangreichen Wissen zu Wirtschaft und mit einer hohen digitalen Kompetenz ausgestattet werden.

Nur so sind sie fürs spätere Berufsleben gut gewappnet. Es ist ganz klar: Wir brauchen tiefgreifende Reformen, um kommende Generationen fit für die Zukunft zu machen. Deutschlands wichtigste Ressource ist und bleibt die Bildung - wir sollten verantwortungsvoll mit ihr umgehen.

Dr. Hubertus Porschen ist ehrenamtlicher Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln sowie promovierter Volkswirt. Hubertus Porschen studierte BWL in Marburg und promovierte hier auch in VWL zum Thema „Der akademische Unternehmer". Während des Studiums arbeitete er bereits in mehreren Start-ups, die er teils mitgegründet hat. http://www.hubertusporschen.com

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