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Ich hatte keine Lust mehr meine Seele für Geld zu verkaufen und mich dann mit Drogen betäuben zu müssen - also schmiss ich hin und wanderte aus

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MAN TRAVELING IN THAILAND
mihtiander via Getty Images
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Ich hatte alles - zumindest in den Augen der Gesellschaft.

In meinen Augen jedoch viel zu wenig, um glücklich zu sein. Ich finde es dann allzu menschlich, mit allen Mitteln nach dem zu streben, was mir noch fehlte.

Ich begann, immer mehr zu hinterfragen und mich immer mehr entgegen der allgemeinen Gesellschaft zu entwickeln.

Ich hatte Angst, mein Leben zu verschwenden

Der penetrante, manipulative Lärm fremder Wünsche und Meinungen hatte meine innere Stimme irgendwann einfach so oft übertönt dass sie beinahe verstummt ist.

Ich hatte Angst, sie gänzlich zu verlieren. Und ich hatte Angst, mein Leben und Potential zu verschwenden.

Indem ich weiterhin für Geld meine Lebenszeit verkaufe und dies rechtfertigte, indem ich meine leergesaugte Seele mit Besitzgütern zu substituieren versuche oder resigniert beginne, meinen aufgestauten Frust an den Wochenenden durch Alkohol und Drogen zu betäuben.

Mein Denken wurde lange genug durch längst obsolete Strukturen, Konzepte und Kulturen begrenzt und auch sonst kein Grund mehr zu bleiben, war für mich genügend Grund zu gehen.

Heute vor genau 9 Monaten bin ich mit einem One-Way-Ticket nach Bangkok aufgebrochen. Ich habe mein altes Leben aufgelöst. Mich in Deutschland abgemeldet und mit meinem letzten verbliebenen Besitz im Rucksack in ein nomadisches Leben auf Weltreise gestartet.

Seit meinem Aufbruch hatte ich mehr glückliche Momente als in all den Jahren davor. Es ist dieser eine vollkommene Moment, in dem ich plötzlich mir selbst, meiner zurückgewonnenen Freiheit und der Unvorstellbarkeit aller meiner Möglichkeiten vollkommen bewusst bin.

Es ist dieses Glücksgefühl, das du hast, wenn du deine Angst überwindest, aus deiner Komfortzone heraus trittst, deine physischen und psychischen Grenzen erfolgreich überschreitest und dein Geist um eine einflussreiche Erkenntnis erweiterst.

Wenn du einmal verstanden hast, dass einzig du dein Schicksal in der Hand hast, kann dein Geist niemals wieder in seine vorherige Größe zurückkehren!

Reisen heißt Antworten bekommen

Das besondere meiner Reisen besteht für mich nicht vorrangig aus Sehenswürdigkeiten, tollen Stränden und atemberaubenden Landschaften, sondern aus dem, was im "Unterwegs-sein" Neues in mir entsteht.

Es ist mein persönliches Bedürfnis, die Vielfältigkeit meiner Welt und ihrer darauf lebenden Kulturen in ihrer tatsächlichen Gesamtheit als meine persönliche zu begreifen und jede Begegnung, jedes neue Abenteuer bewusst mit allen Sinnen zu erleben und in Dankbarkeit zu geniessen.

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Reisen ist für mich auch, Antworten zu bekommen - auf Fragen, die ich mir nie gestellt habe.

Wenn man sich immer nur in der eigenen Komfortzone bewegt, wird das persönliche Wachstum und die Lebendigkeit eingedämmt und verkümmert stetig.

Zu leben definiere ich mittlerweile einzig danach, jedem einzigen, mir geschenkten Tag meines Lebens einen Sinn zu geben, der mindestens mich glücklich macht. Ich bin schließlich niemandem etwas schuldig, außer mir selbst.

Verantwortung hält deine Leine kurz

Du in Deutschland lebst gegenwärtig in einer künstlichen Realität, geschaffen für Naive. Dein größtes Luxusproblem sind zu viele Möglichkeiten, du langweilst dich aber trotzdem zu Tode, weil du es nicht schaffst, deinen Gewohnheiten zu entkommen.

Statt Wohlbefinden jagst du dem Wohlstand hinterher weil er, wie es so schön heißt, Sicherheit bedeutet. Diese vermeintliche Sicherheit gaukelt dir dann Zufriedenheit vor.

Verantwortung hält deine Leine kurz, deine Zeit begrenzt und deine Träume für Utopie.

Das Wort Leben hast du längst durch Abenteuer ersetzt und diese erlebst du einzig durch Dritte - im Fernsehen, beim Lesen von Biografien oder auf Fach-Vorträgen von wirklichen Abenteurern und Weltreisenden.

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Dein Körper und dein Geist wurden während deiner Schulzeit und weiterführenden Ausbildung perfekt und einzig an das aktuell vorherrschende Wirtschafts-System angepasst.

Das perfide System darf dich nicht verlieren, es braucht dich zwingend, um zu bestehen. Dabei verarscht und blendet es dich stetig.

Es ist wie Süßstoff, der zwar wie Zucker schmeckt, doch deinem Körper keinen der lebensnotwendigen Bausteine gibt.

Du bist hoffnungslos abhängig vom System

Du lebst nicht mehr nach biologischen Bedürfnissen. Du lebst einzig nach gesellschaftlichen Bedürfnissen und wunderst dich, warum es dir nicht gut geht, warum du nicht glücklich bist?

Du bist hoffnungslos abhängig vom System. Du kannst gar nicht mehr ohne ihre Gesetze, Regeln und deine daraus abgeleiteten Abläufe und Gewohnheiten.

Eine Abkopplung von deinem gegenwärtigen Mindset und deinen verkümmerten körperlichen wie geistigen Fähigkeiten wäre wohl kaum erfolgreich und würde letzen Endes wahrscheinlich in nur noch größerer Frustration enden.

Veränderung zu Besserem ist mit Aufwand und Risiko verbunden. Der Prozess beginnt mit Entscheidungen.

Er mündet in Verbesserung oder auch Verschlechterung, denn die richtigen Entscheidungen verdankst du deinen Erfahrungen. Und diese verdankst du deinen Fehlern und Fehler kannst du nur machen, wenn du endlich beginnst eigene Entscheidungen für dich zu treffen.

Montage sind nicht Scheiße - dein Leben vielleicht schon

Wie ich mein Leben entwickelt habe, finde ich recht normal.

Es ist nur eben unüblich und ich möchte ausdrücklich nicht, dass du tust, was ich tue und denkst, was ich denke.

Dein Leben ist so wie es ist, eben weil du immer stumpf Anderen gefolgt bist - so wie ich auch viele Jahre meines Lebens.

Ich war auch lange Zeit glücklich in meinem alten Leben, denn mein Wertesystem damals war ein anderes.

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Als deren Belohnungssystem mich aber nicht mehr bei guter Laune halten konnte, begann ich zu hinterfragen und heute sitze ich irgendwo in Thailand in einem Cafe neben einer Tasse Tee und schreibe diesen Text.

Ich möchte mit meinen Zeilen deine Vorstellungskraft dehnen, deine Sinne entstauben und dich anregen, zu hinterfragen, damit du deinen eigenen, persönlichen Weg zum Glück findet.

Ich möchte dich motivieren, eine lebensoptimierende Veränderung herbei zu führen. Hör auf zu jammern. Beginne endlich, zu verändern.

Der Montag ist nicht scheiße. Dein Leben möglicherweise schon.

Ja, ich bin gerade glücklich und zufrieden in meinem sehr einfachen Leben, mir fehlt es an nichts.

Und ja, ich könnte mit meinen Zeilen auch einfach nur nett sein und dich seicht unterhalten, jedoch bringt das niemanden weiter.

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