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Prostitution: Warum der deutsche Freier demnächst "unfreier" wird!

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Der Begriff "Freier" ist im allgemeinen Sprachgebrauch recht unfreundlich besetzt: Er wird von Sexworkerinnen als eher gering schätzender Begriff für einen Herrn verwendet, der gegen Geld eine sexuelle Dienstleistung erwirbt, also eine Prostituierte für ihre Dienste bezahlt.

Sittenwidrig ist das in Deutschland schon lange nicht mehr und die Bezahlung für die besondere Dienstleistung kann von der Akteurin auch rechtswirksam eingeklagt werden, was aber in der gerichtlichen Praxis eher selten vorkommt, weil man im Gewerbe üblicherweise vor dem Vollzug zahlt und sich dabei das Motto "Ohne Geld keine Liebe!" beidseitig etabliert hat.

Je teurer der Sex, desto angenehmer auch die Begrifflichkeit: In Nobel-Clubs und im Escort-Bereich werden die "Freier" als "Kunden als "Gäste" bezeichnet, was ja schon mal viel angenehmer klingt. Wer will schon zu einer verachteten Kaste gehören und mit "gewöhnlichen" Puff-Besuchern in einen moralisch verwerflichen Topf geworfen werden?

Egal, wie der Delinquent nun heißt und egal, als was man ihn auch betrachtet: durch das neue deutsche Prostitutionsgesetz 2017 hört für die "Freier" die "Freiheit" im Rotlicht-Gewerbe auf, da das neue Prostitutionsgesetz, aber auch die erweiterten Bestimmungen für den "Menschenhandel" umfangreiche Beschränkungen auferlegen, die der ein oder andere schon als "lustfeindlich" betrachten kann.

Gewerblicher Sex ohne Kondom darf, egal in welcher Form und in welcher erotischen Praktik, ab dem 1. Juli 2017 nicht mehr stattfinden!

Selbst orale Freuden, bei denen in Deutschland das Präservativ momentan noch gerne im Körbchen bleibt, sind ohne Schutz eine Ordnungswidrigkeit, die der Gesetzgeber mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro bedroht!

Ein unglaublich hoher Betrag, von dem man sich wohl eine deutliche Signalwirkung verspricht. Bei manch ängstlichen Zeitgenossen dürfte der Betrag jegliche Libido vertreiben, obwohl die Kontroll- und Beweismöglichkeiten eines Verstoßes äußerst gering sein dürften. Beim Akt sind ja in der Regel nur zwei Personen anwesend und im gerichtlichen Verfahren hätte man es vermutlich mit "Aussage gegen Aussage" zu tun.

Da das hohe Bußgeld nur gegen den Freier wirken soll, ja, so hat es der Gesetzgeber festgelegt, sind die Sexworkerinnen erst einmal in einer sehr guten Position: sie können verbotene Praktiken mit dem Hinweis auf das Gesetz wirksam ablehnen oder sich die Einwilligung gegen einen Verstoß teuer bezahlen lassen.

Dass Risiko, dabei durch immense Bußgelder schlagartig zu verarmen, ist für die Dienstleisterinnen nicht gegeben. Das Damokles-Schwert schwebt hier ausschließlich über dem Freier, der sich unter Umständen sogar erpressbar macht, wenn er verbotene Dinge einfordert oder im Extremfall vor Zeugen praktiziert. Selbst eine Vorladung im heimischen Briefkasten, kann für manchen Erotikfreund schon die Scheidung auslösen oder zu schweren Beziehungsproblemen führen!

Sex mit Schwangeren und Zwangsprostitution

Auch gewerblicher Sex mit schwangeren Frauen ist gesetzlich verboten und darf auch nicht mehr beworben werden! Und wenn ich mich als Freier gerne in Graubereichen bewege und dabei beiläufig auch in Kauf nehme, mit Sexworkerinnen zu verkehren, deren freiwillige Tätigkeit stark in Frage steht, darf ich mich nicht wundern, wenn der Staatsanwalt gegen mich ein Ermittlungsverfahren unter dem Aspekt der "Zwangsprostitution" eröffnet, wobei ich mir dann der gesellschaftlichen Ächtung gewiss sein dürfte!

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) stellte hierzu im Gesetzgebungsverfahren fest:

„Wer die Lage von Zwangsprostituierten ausnutzt, indem er sexuelle Handlungen an ihnen vornimmt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen."

Die "2-Affen-Taktik" (nichts hören und nichts sehen) taugt da nicht mehr allzu viel und schon eine vorläufige Festnahme oder eben das Ermittlungsverfahren haben eine besondere Brisanz, die man wohl erst dann richtig begreift, wenn man auf der Wache sitzt und sein häusliches Fernbleiben nicht erklären kann oder wenn Polizeibeamte das persönliche Umfeld im Rahmen eines Hausbesuchs erkunden.

Natürlich gibt es im Milieu Leute, die man als völlig schmerzfrei bezeichnen kann und die weiter obskure Adressen aufsuchen und dabei auch auf "gummifreies Vergnügen" bestehen, aber die überwiegende Mehrheit und hier vor allem die Familienväter, werden sich sicher ihre Gedanken machen, um nicht in eine böse und folgenreiche "Sexfalle" zu tappen.

Sex ohne Gummi wird es natürlich in Deutschland weiter geben, da sich dieser ab Mitte des Jahres recht teuer verkaufen lässt und man Stammkunden, die den "guten Service" gewohnt sind auch nicht verprellen will. Aber die Anzahl der Fälle, die man ja dann eigentlich "Delikte" nennen muss, werden deutlich zurückgehen.

Der Volksgesundheit kann das im Ergebnis nur nutzen und wenn sich alle Sexworkerinnen an diese Vorschriften halten würden, gäbe es einen fairen Wettbewerb, der sich nicht über "tabu-arme Leistungen" definieren würde. Aber, wer spricht denn in diesem Zusammenhang schon über "Fairness"? Geschäft ist Geschäft und darunter kann die Moral schon mal leiden!

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