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Warum uns der Vintage-Look nach wie vor fasziniert

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Alte Möbel sind mitunter teurer als neue. Lohnt sich die Ausgabe? Warum - und worauf sollte man achten? Eine Vintage-Expertin klärt auf

Ist es nicht eine wunderbare Vorstellung, dass es mit Möbeln sein kann wie mit gutem Wein: Je älter, desto wertvoller und besser? Die 50er-, 60er- und 70er-Jahre (auch „Mid-Century" genannt) waren die kreativen Höhepunkte von Möbelentwürfen, die den Aufschwung und Aufbruch aus starren Konventionen in dieser Ära widerspiegeln. Heute werden diese Stücke als Vintage-Möbel bezeichnet und teils zu enormen Preisen gehandelt. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Bedeutung dieser Objekte und die Top 3 Gründe für ihre große Beliebtheit zu werfen.

1. Vintage-Möbel sind zeitlos und international
Geschaffen in einer Zeit, in der man Möbel für ein Leben kaufte, viel Geld dafür bezahlte - und Hersteller diese dementsprechend hochwertig produzierten -, bringen die Designentwürfe des Mid-Century auch einen modernen Look mit, der noch immer Zeitgeist und Ästhetik entspricht. Ob Sammlerstück oder Flohmarkt-Schnäppchen mit schöner Formsprache, wer in seinem Zuhause mit Vintage-Möbeln Akzente setzt, erzeugt eine lebendige Wohnlichkeit und schafft Unverwechselbares.

Während Italien, Frankreich und Skandinavien nach wie vor zu den bekanntesten Design-Exporteuren zählen, erfreuen sich auch Vintage-Exoten aus transatlantischen Gefilden wie Brasilien immer größerer Beliebtheit. Wer eine Portion südamerikanische Leichtigkeit in sein Zuhause einziehen lassen möchte, ist etwa mit Entwürfen, wie denen von Joaquim Tenreiro, dessen bester Kunde der brasilianische Stararchitekt Oscar Niemeyer war, gut beraten.

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SE68 Stuhl von Egon Eiermann für Wilde & Spieth
Die Deutschen entdecken jedoch auch ihre eigenen Klassiker wieder, und die Entwürfe von Dieter Rams, Walter Pabst, Egon Eiermann (im Bild sein SE 68) und Co. brauchen sich im internationalen Vergleich wahrlich nicht zu verstecken. Auch das lange eher unbeachtete DDR-Design erlebt derzeit einen großen Aufschwung, allen voran die Ost-Klassiker aus den Deutschen Werkstätten Hellerau, die man mit etwas Glück (noch) zu äußerst erschwinglichen Preisen findet.

2. Vintage-Möbel sind eine gute Investition
Oft jedoch sind gut erhaltene Vintage-Möbel nicht günstiger als Neumöbel. Im Gegenteil: Sieht man sich in internationalen Auktionshäusern oder auch online um, bemerkt man schnell, dass man für frühe Produktionsreihen der Möbel von Charles & Ray Eames, Jean Prouvé und anderer Stars des Möbeldesigns des vergangenen Jahrhunderts tief in die Tasche greifen muss. Je seltener ein Teil zu finden ist, je schöner sich das Alter in seiner Patina widerspiegelt, desto höher der Preis.

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Doch eine Investition kann sich lohnen: Wer heute nach eigener Preisrecherche in Online-Auktionshäusern, beim Vintage-Händler des Vertrauens oder beim Einrichtungsexperten mit entsprechendem Know-how Vintage-Möbel zu einem handelsüblichen Preis kauft, kann sie jederzeit zumindest zu diesem wieder verkaufen. Besser noch: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist in einigen Jahrzehnten mit einer enormen Wertsteigerung zu rechnen - während Neumöbel, auch hochpreisige, zunächst an Wert verlieren.

Vorsicht ist geboten bei Möbeln, die mit den Attributen „Vintage-" oder „Shabby-Look" oder als „Retromöbel" bezeichnet werden. Ihre Formsprache ist an vergangene Zeiten angelehnt, manch ein Produkt wird bewusst mit einer künstlichen Patina oder Gebrauchsspuren versehen. Hier ist genaues Hinsehen wichtig, denn was vorgibt alt zu sein, ist allzu oft billig gefertigte Massenware. Es gilt, sich über Echtheitsmerkmale zu informieren, sich viel umzusehen, um Vergleichswerte zu erhalten - und von fachkundigen Vintage-Experten und seriösen Händlern gut beraten zu lassen.

3. Gute Vintage-Möbel punkten durch Material und Verarbeitung
Selbst bei populären Klassikern, die auch heute noch hergestellt werden oder jüngst wieder aufgelegt wurden, ist neu nicht immer besser. Denn Materialien und Produktionsverfahren haben sich enorm geändert. Ein gutes Beispiel hierfür sind die beliebten Side und Arm Chairs von Charles und Ray Eames. Das amerikanische Designerpaar, das für Experimentierfreude in der Materialforschung stand, setzte auf Sitzschalen aus Fiberglas, einem seinerzeit neuartigen glasfaserverstärkten Kunststoff mit einzigartiger Struktur, der zuvor zur Wärmedämmung von Häusern eingesetzt wurde. Diese revolutionäre Schale ist heute einer im Vergleich unspektakulären Polypropylen-Variante im homogenen Look gewichen - eine Veränderung, die dem Entwurf seine Seele raubt.

Aber auch beliebte Modelle aus Holz von Arne Jacobsen, Hans J. Wegner und vielen weiteren sind in Neuauflagen nicht mehr genau die, die sie einmal waren: Edle Hölzer, wie Teak oder Rio-Palisander, sind für die Möbelindustrie heute unzugänglich oder unerschwinglich geworden, aufgrund von Exportverboten oder strenger Auflagen - die natürlich richtig sind!

Hinzu kommt, dass die Tischlerkunst von einst heute oft zu einem Großteil von Maschinen übernommen, zugunsten des Produktpreises, aber leider zuweilen auf Kosten der Qualität. Genau deswegen ist alt manchmal besser - und es lohnt sich, bei jedem Kauf genau hinzuschauen.

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Dieser Artikel (Autor: Maj van der Linden, Vintagency) wurde bereits veröffentlicht auf Houzz.