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Ich war am Tag des Anschlags in Barcelona - vielleicht hat mir nur ein Zufall das Leben gerettet

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BARCELONA ANSCHLAG
dpa
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Es stimmt wirklich. Wenn dein Leben aus den Fugen gerät oder Dinge nicht so laufen wie erwartet, geschieht das alles aus einem bestimmten Grund.

In ein fremdes Land zu gehen, hat mein Leben verändert. Vor allem weil es in diesem Land gerade einen Terroranschlag gab.

Realitäts-Check: In den ersten beiden Tagen in Barcelona war ich genau dort joggen, wo gestern so viele Menschen gestorben sind. An Tag eins bin ich sieben Meilen gelaufen. An Tag zwei sechseinhalb.

Ich habe praktisch meinen ganzen Tag auf „Las Ramblas" verbracht

Geplant hatte ich, auch an meinem dritten Tag im selben Zimmer zu bleiben, in dem ich schon die ganze Zeit geschlafen hatte. Doch der Vermieter sagte mir, das Zimmer sei ausgebucht.

Also habe ich mich dazu entschieden, Barcelona für eine Nacht zu verlassen und in Castelldefels, einer süßen kleinen Stadt direkt am Meer, zu schlafen.

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Ich habe den ganzen Tag am Meer verbracht. Als ich nach Hause kam und die aktuellen Nachrichten sah, war ich geschockt.

Sofort habe ich daran gedacht, was gewesen wäre, wenn mein Zimmer noch einen weitere Nacht frei gewesen wäre. Wenn der Vermieter doch noch Platz für mich gehabt hätte.

Dann wäre ich gestern Nachmittag sicher wieder auf den Ramblas gewesen, anstatt hier, weit weg von den Anschlägen in Barcelona.

Ich bin so dankbar, dass ich in Sicherheit bin

Ich vertraue einmal mehr darauf, dass alles im Leben vorbestimmt ist. Was geschehen ist, ist furchtbar und ich bin in Gedanken bei allen, die gestern einen geliebten Menschen verloren haben.

Danke an alle, die an mich gedacht haben. Ich habe so viele Nachrichten von Leuten bekommen, die sich Sorgen gemacht und gefragt haben, ob es mir gut geht. Dadurch fühle ich mich aufgehoben und geliebt.

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Heute weiß ich: Es ist nicht schlimm, wenn etwas anders läuft, als wir erwarten. Denn in meinem Fall hat mir dieser Zufall sogar das Leben gerettet.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Facebook und wurde aus dem Englischen übersetzt und zur besseren Verständlichkeit angepasst.

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