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Unsere Kultur wird angegriffen - wir müssen uns wehren, solange es noch geht

27/02/2017 10:28 CET | Aktualisiert 28/02/2017 08:30 CET
Kai Pfaffenbach / Reuters

Theater stehen für eine offene, interkulturelle Gesellschaft. Hier arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen.

Ich erlebe etwa im Alltag Fremdenfeindlichkeit, die ich unseren internationalen Schauspielern nur schwer erklären kann. Wir zeigen regelmäßig Aufführungen, für die Menschen unterschiedlicher Herkunft nach Heidelberg kommen.

Gerade etwa haben wir das Festival Iberoamerika mit Schauspielern aus zehn Ländern beendet. Als das Regieteam für das Stück „Unterwerfung" mit drei Männern dunklerer Hautfarbe unterwegs war, wurden sie zwei Mal von Bars abgewiesen.

Einmal wurde ihnen gesagt, dass man „solche Dunkelhäutigen" nicht wolle.

Rechtspopulisten wollen weniger Geld für Kultur ausgeben

Ein anderes Beispiel: Mit einem Landtagsabgeordneten der AfD habe ich über deren Forderung diskutiert, mehr Klassiker zu spielen. Da habe ich gefragt, wie er Stücke wie Lessings „Nathan der Weise" einordnet.

Es ist ein klares Plädoyer für das Zusammenbringen der Kulturen. Der Abgeordnete antwortete mir: „Lessing hat mit diesem Stück geirrt."

Mehr zum Thema: "Es gab Morddrohungen" - wie rechte Hetzer mich zum Schweigen bringen wollten

Und die Sorge, dass Rechtspopulisten die Kulturfinanzierung kürzen wollen, ist leider eine Tatsache.

Die AfD Heidelberg hat in einem Facebook-Beitrag die Entlassung von sechs Schauspieler gefordert, indem sie einen Trailer zu unserer Aufführung „Peak White - Wirr sinkt das Volk" geteilt hat.

Das Stück zeigt Pflegeheim-Bewohner, die ihren fremdenfeindlichen Ressentiments nachhängen.

Das sind Grenzüberschreitungen, die wir klar benennen müssen. Unsere Kultur wird angegriffen. Und auf dieser Ebene sollten wir antworten. An Theatern, in den Medien und in Schulen. Denn noch leben wir glücklicherweise in einer Demokratie.

"So hat jede Diktatur angefangen"

Rechte Aktivisten beleidigen zunehmend Theaterschauspieler, bedrohen Intendanten und stürmen Theater. Sie haben es dabei auf eine besonders wertvolle Errungenschaft unserer Gesellschaft abgesehen: die Kunstfreiheit.

Kein Wunder, dass die Theatermacher vieler deutscher Theater tief besorgt sind. In der Huffington Post haben sich einige von ihnen daher zusammengetan, um auf dieses Problem hinzuweisen.

Holger Schultze, Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg

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Joachim Lux, Intendant Thalia Theater

Plötzlich gilt es, tatsächlich etwas zu verteidigen

Falk Richter, Regisseur und Autor

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