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Wie eine Handvoll Berliner Hacker Amazon und Co. öko machen wollen

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OEKO
Thinkstock
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Grün ist geil.

Die größten deutschen Fleischproduzenten machen jetzt auf vegetarisch und in den Nachrichten wechseln sich Horrormeldungen aus Bangladesch mit inbrünstigen Nachhaltigkeitsversprechen der Konzerne ab.

Auf der Couch sitzt der Verbraucher mit großen Fragezeichen in den Augen und dem unguten Bauchgefühl, dass man eigentlich keinen Durchblick hat und niemandem mehr trauen kann.

Außer dem Preis. Der ist objektiv. Der ist logisch. Also kaufen wir, was billig ist. Dort, wo wir es gewohnt sind.

Wir brauchen betreutes Einkaufen

Allein kriegt ein Verbraucher das nicht mehr hin. Man braucht Monate, um durch den Siegeldschungel durchzusteigen und um zu verstehen, was ernst gemeint ist und bei welchem Ökosiegel es sich nur um einen Marketing-Gag handelt.

Aber was wäre denn, wenn es jemanden gäbe, der einen bei der Hand nimmt?

Dem man vertrauen kann und der einem beim Gang durch den Supermarkt erklärt, welchen Siegeln man trauen kann und welche Hersteller trotz den ganzen grünen Stempeln auf der Verpackung immer noch Dreck am Stecken haben?

Den würde kein Händler mehr in seinen Laden lassen!

Ist nicht gut für's Geschäft.

Der Hack

Online ist das viel einfacher. Da kann man einfach ein Browser-Plugin schreiben. Wenn man dieses kleine Programm in seinem Chrome oder Firefox installiert, dann flüstert das Add-On einem beim Online-Shoppen ins Ohr, wie anständig das ist, was man sich da gerade anschaut.

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Hier wird in Berlin das Programm programmiert, das Transparenz in Online-Shops bringen soll.

Und genau das haben eine Handvoll Programmierer aus Berlin gebaut. Ein kleines Programm, das eine riesige Datenbank im Hintergrund hat. Und wenn man dann auf Amazon surft, erscheint ein kleines Fensterchen neben dem Produkt und erklärt Dir, wie nachhaltig und anständig das ist, was du da gerade anschaust.

Und welche nachhaltigen Alternativen es gibt. Und welche nachhaltigen Shops es noch so gibt.

Vorschau: Das Add-On vor der Veröffentlichung

Wegreen hat das Add-on nun kurzfristig in einer Beta-Version freigegeben.

Ihr könnt es Euch hier herunterladen und testen.

Dazu müsst ihr nur mit Google Chrome auf diesen Link klicken, das Add-On installieren und dann zu Amazon oder Zalando surfen.

Das Add-on setzt eine Box mit Informationen zu den Artikeln mitten in den Shop - wie der Shoppingberater, der einem im Supermarkt erklärt, warum das eine Produkt nun anständig ist und das andere nicht.

Mit vielen Informationen zu Arbeitsbedingungen, ökologischer Sorgfalt und mehr.

So funktioniert das Plugin

Aktuell funktioniert das Plugin nur bei Zalando, Amazon und Alternate. Dort könnt Ihr aber schon sehen, wie es ist, wenn wegreen die Nachhaltigkeitsampel bei Shoppen einblendet.

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Einkaufen auf Zalando.de mit aktiviertem Wegreen-Addon.

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Einkaufen bei Amazon mit aktiviertem Wegreen-Addon

Und das ist (noch?) ganz legal

Bisher wurde wohl noch keine Klage eingereicht von den Händlern, in deren Shops bald die roten Lampen angehen, wenn die Käufer sehen können, was für unnachhaltiger, sozial unverträglicher Müll da teilweise angeboten wird.

Warum, ist unklar. Ich würde mir das Add-On aber schnell sichern an Eurer Stelle.

Der E-Commerce-Aufstand der Anständigen von unten?

Vielleicht hoffen die großen Konzerne, dass das kleine wegreen-Team mit dem Crowdfunding auf die Nase fällt. Denn die Entwicklung und vor allem der Support der Daten (Millionen von Bewertungen, Einschätzungen und Qualitätsmerkmalen sind die Basis der Wegreen-Ampel) kostet natürlich Geld.

12.000€ benötigen die Jungs und Mädels. Ein lächerlicher Betrag aus Sicht eines Handelsriesen. Kein lächerlicher Betrag für eine Handvoll Programmierer, die aus einer kleinen Altbauwohnung in Berlin heraus dei Welt verändern wollen. Die brauchen das Geld dringend.

Und das Geld will sich wegreen mit vielen kleinen Beträgen von vielen Unterstützern auf Startnext holen.

Und wenn das Geld nicht zusammen kommt, kann man es einfach unter den Teppich kehren. Dass es einen Weg gibt, transparent zu zeigen, wie anständig (oder eben nicht) die angebotenen Artikel sind. Auch bei Amazon, Zalando und Co.

Video: Bewegendes Experiment gegen Billigkleidung: Würden Sie dieses T-shirt kaufen?

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