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Die neue Hoffnung, dass Wasser ein Weg zum Frieden im Mittleren Osten sein kann

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GAZA STRIP WATER
Ibraheem Abu Mustafa / Reuters
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Von Gidon Bromberg und Hilik Bar

Wenn es um das wichtige Thema 'Wasser' geht, suchen Israelis und Palästinenser oft den Schuldigen auf der jeweils anderen Seite. Palästinenser rufen "Wasser Apartheid" und Israelis reagieren mit dem Vorwurf einer "Abwasser Intifada."

Kürzlich hat es jedoch in Form eines israelisch-türkischen Abkommens, das im vergangenen Monat unterzeichnet wurde, einen wichtigen Fortschritt zur Normalisierung der diplomatischen Beziehungen gegeben.

Das Abkommen erlaubt der Türkei den Bau einer neuen Meerwasserentsalzungsanlage in Gaza, sowie eines Elektrizitätswerks. Die Entsalzungsanlage könnte dringend benötigtes Trinkwasser liefern, während das Elektrizitätswerks dazu beitragen kann eine von der Weltbank gebaute Abwasserkläranlage zu betreiben, die bisher mangels Strom nicht in Betrieb genommen werden konnte.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bezieht sich auf Gaza's Wasserprobleme als zentrale Begründung für das Abkommen mit der Türkei. Seine Bedenken sind gerechtfertigt. Gaza verfügt über keine modernen Abwasserkläranlagen und ungeklärtes Abwasser verseucht den mit Israel geteilten Aquifer.

Durch schlechte Sanitärversorgung drohen Ausbrüche von Pandemien

"Es ist im eindeutigen Interesse Israels, sich mit dem Wasserproblem im Gazastreifen auseinander zu setzen", sagte Netanjahu. "Wenn das Grundwasser verschmutzt wird, wird sich dies nicht auf den Aquifer auf der Seite Gazas beschränken, sondern betrifft auch das Grundwasser auf unserer Seite."

Durch schlechte Sanitärversorgung drohen Ausbrüche von Pandemien und, wie Netanyahu zu Recht bemerkt, "werden diese nicht an den Zäunen aufhören." Schätzungsweise 90 Millionen Liter ungeklärtes Abwasser fließen jeden Tag aus dem Gazastreifen in das Mittelmeer und verschmutzen nicht nur die gemeinsamen Küste, sondern bedrohen auch Israel's Entsalzungsanlage in Ashkelon. Die Anlage in Ashkelon liefert 20 Prozent des israelischen Trinkwasser.

Der Grundgedanke von dringenden Maßnahmen im Bereich Abwasser gilt nicht nur für Gaza, sondern auch für das Westjordanland, dessen sanitäre Probleme Israelis ebenso wie Palästinenser betreffen. Aus jeder palästinensischen Stadt im Westjordanland, von Jenin im Norden bis nach Hebron im Süden, gelangt Abwasser in Flüsse, die entweder nach Westen nach Israel fließen oder nach Osten in Richtung des Jordan Flusses und des Toten Meeres.

Jährlich verschmutzen rund 50 Milliarden Liter unbehandeltes Abwasser aus dem Westjordanland gemeinsame Aquifere, einschließlich der Berg- und Küsten-Aquifere sowie der israelischen Mittelmeerstrände. Genauso wie Gazas Abwasser Ashkelon bedroht, bedeutet Abwasser aus dem Westjordanland, das durch grenzüberschreitende Ströme fließt, Potenzial für Krankheiten für große israelische Städte wie Tel Aviv, Haifa, Hadera, Netanja und Be'ersheva.

Es gibt kein Trinkwasser mehr in Gaza

Abwasser ist nicht das einzige Problem. 1,8 Millionen Palästinenser im Gazastreifen haben keine Trinkwasserversorgung. Der Küsten-Aquifer, die praktisch einzige Quelle der Wasserversorgung, ist nicht mehr trinkbar.

Zusätzlich zu der Verschmutzung durch ungeklärte Abwässer hat die Übernutzung dazu geführt, dass Meerwasser in den Grundwasserleiter gelangt, mit dem Resultat, dass es zu salzig für die Trinkwassernutzung geworden ist.

Wasserknappheit in vielen palästinensischen Städte und Gemeinden im Westjordanland ist noch gravierender als in Gaza. Im Sommer werden viele palästinensische Häuser nur einmal im Monat mit Wasser versorgt.

Trotz des gegenwärtig festgefahrenen israelisch-palästinensischen Friedensprozesses zeigt die Genehmigung für das Engagement der Türkei in Gaza, dass es immer noch Möglichkeiten für Fortschritte zu Wasserfragen gibt.

Wir haben die Möglichkeit, die aktuellen Ereignisse zu nutzen und diesen Durchbruch auf das Westjordanland zu erweitern, was vor allem im Angesicht des aktuellen Wassermangels im Sommer bedeutend ist.

Weltweit führend in der Abwasseraufbereitung und Wiederverwendung

Israelis sind stolz auf ihren Einfallsreichtum, wenn es darum geht, Wasserprobleme zu lösen. Israel ist weltweit führend in der Abwasseraufbereitung und Wiederverwendung, und bei der Entsalzung von Meerwasser.

Dank dieser technologischen Errungenschaften genießt Israel heute eine erhebliche Wasserüberversorgung, was bedeutet, dass wir die Versorgung der Palästinenser verbessern können ohne die Wasserversorgung in Israel begrenzen zu müssen.

Die politischen Kosten sind niedrig, während beide Seiten enorm profitieren können. Mehr Wasser in jedem palästinensischen Haus bedeutet zudem eine Möglichkeit, die moderate palästinensische Führung zu stärken.

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Vor zwei Jahrzehnten unterzeichneten Palästinenser und Israelis das Oslo-Abkommen, das ein vorläufiges Abkommen zur Aufteilung von Wasserressourcen enthielt, welches gelten sollte bis eine endgültige Einigung in allen Fragen erzielt werden kann.

Wasser darf die Menschen nicht vergiften

Das Oslo Abkommen verknüpfte das Thema Wasser mit anderen entscheidenden Fragen wie Jerusalem und Grenzziehungen, was ein Fehler war. Wasser und Sanitärversorgung wurden seitdem abhängig von einer weitgreifenden politischen Einigung, mit möglicherweise katastrophalen Folgen für die öffentliche Gesundheit.

Wir müssen diese kritische Frage dringend lösen und eine neue Vereinbarung zur Wasser- und Sanitärversorgung im Westjordanland und im Gazastreifen treffen, im Interesse aller Bewohner. Eine solche Vereinbarung könnte verhindern, dass Wasser sowohl die Vorstellungen, als auch das tägliche Leben der Palästinenser und Israelis vergiftet.

Stattdessen könnte es zeigen, dass die beiden Seiten, die von scheinbar unüberbrückbarer Feindschaft getrennt sind, noch konkrete Fortschritte bei wichtigen Fragen erzielen, die sie beide betreffen.

Hilik Bar ist der stellvertretende Sprecher der israelischen Knesset. Gidon Bromberg ist der israelische Co-Direktor der Orgsanisation EcoPeace Middle East.

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