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Das merkwürdige Verhalten von Lehrern zur Ferienzeit in 10 Schritten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
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PhotoAlto/Laurence Mouton via Getty Images
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Ach, in Kürze ist es wieder so weit: Mich ereilt der Zweite-Ferienhälfte-Blues. Wie jedes Jahr. Vor Nicht-Lehrern mag ich das gar nicht zugeben. Die schauen dann immer so.

Tatsächlich aber läuft die Sache mit den Ferien bei mir nach einem merkwürdigen Schema ab:

  1. Zwei Wochen vor Ferienbeginn: Ich mag nicht glauben, dass bald wieder Ferien sind. So vieles ist noch zu erledigen. Ich fürchte, nicht alles zu schaffen.
  2. Eine Woche vor Ferienbeginn: Aus Befürchtung wird Gewissheit. Ich schaffe tatsächlich nicht alles, aber versöhne mich mit dem Gedanken. Nach den Ferien ist schließlich auch noch Unterricht.
  3. Der letzte Schultag vor den Ferien: Reihum-Verabschieden, ein Hauch von Abschiedsschmerz.
  4. Der erste Ferientag: Leichte Orientierungslosigkeit. Wie geht das eigentlich - Ferienstimmung?
  5. Rest der ersten Ferienhälfte: Zunehmende Hochstimmung. Freunde, das Leben ist lebenswert!
  6. Zweite Ferienhälfte: Zunehmende Panik. Schrecklich, ich muss wieder zur Schule gehen! Ich will das nicht. Ich will Dauerferien.
  7. Letzter Ferientag: Gefasste Katastrophenstimmung. Was muss, das muss.
  8. Erster Schultag nach den Ferien - vor Unterrichtsbeginn: Ach, irgendwie ganz nett wieder hier!
  9. Erster Schultag nach den Ferien - nach Unterrichtsende: Ferien? Was ist das? So viel zu tun!
  10. Erster Schultag nach den Ferien - abends: Was bin ich müde! Wie kann man nur so müde sein?! Gefasste Erkenntnis: Schule ist nicht schrecklich, aber schlaucht.

Ja, so ist das immer wieder!

Gerade aber befinde ich mich noch mitten im wunderbaren Punkt 5: Das Hochgefühl verleiht mir Flügel bis in die höchsten Höhen des Pädagogen-Himmels. Ja, ich gebe es zu: Solange Schule weit weg von mir ist, beschäftige ich mich ausgesprochen gerne mit ihr. Ja, es ist wahr: Schule schwappt in die Ferien. Auch wenn es keiner der Neider und Lauerer glauben mag.

Aus dem erwähnten grandiosen Hochgefühl resultiert, dass ich beseelt von dem Gedanken bin, entspannt und mit Herzblut jetzt schon die Weichen für fulminante Unterrichtserlebnisse im weiteren Lehrerinnenleben zu stellen. All überall begleitet mich der Gedanke: Kann ich das für meinen Unterricht verwenden?

Im Shop des Museums, das ich mit Freundinnen besuche, wühle ich nach Büchern für Jugendliche. Der Film, den ich im Kino gucke, wird sofort daraufhin abgescannt, ob er für die Schule geeignet ist. Die süßen, preiswerten Schmuckdöschen, die ich während meines Berlin-Trips entdeckt habe, ach, die taugen doch wunderbar als Preise!
Ja, die Schule ist immer dabei.

Soviel zum Thema „Das merkwürdige Verhalten gemeiner Lehrkräfte zur Ferienzeit". Das Thema „Der Einfluss dieses Ferienverhaltens auf den Unterricht" möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Nur so viel: Bücher bleiben meist ungelesen, Filme ungeguckt, Döschen ungewürdigt. Die meisten Fantasien scheitern nach den Ferien an der Realität. Wobei sie in den Ferien gutes Doping waren.

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Am andalusischen Strand schlich ich in den Sommerferien mit gebeugtem Rücken durch den quallenübersäten Strandmatsch und sammelte 25 Riesenmuscheln. Mir war plötzlich in den Sinn gekommen, ich könnte jeden Schüler meiner neuen Klasse mit einem persönlichen „Guten Wunsch auf Muschel" im neuen Schuljahr begrüßen. Am ersten Schuljahr übergab ich sie an die Schüler, sie sahen sie erstaunt an und steckten sie weg. Ein paar sagten Danke.

Ich habe nie wieder etwas von den Muscheln gehört und fand mich damit ab, dass sie alle ihr Ende in diversen Abfalleimern oder in den öffentlichen Anlagen rund um die Schule gefunden hatten. Bis Tugba mir etwa zwei Jahre später gestand: „Ich habe Ihre Muschel noch immer." Und sie zum Beweis am nächsten Tag mitbrachte. Worauf einige nickten: „Ja, bei mir liegt die auch noch." Sie lächelten dabei - freundlich, nicht spöttisch. Und mich überkam eine große, große Freude.

Kann übrigens sein, dass ich mich erst nach Punkt 10 an dieser Stelle erneut zu Wort melde. Ganz sicher wird es dann etwas kritischer und weniger freudegetränkt.

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Hildegard Monheim: "MANCHMAL SCHAUEN SIE SO AGGRO, Geschichten aus dem Schulalltag"

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