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Satire: Martin Schulz wird attackiert: Günter K. greift an

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MARTIN SCHULZ
Michaela Rehle / Reuters
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Der Chef ganz gönnerhaft und Martin Schulz lächelt

Gönnerhaft hatte der Chef Günter K. die Hand auf die Schulter gelegt. Ein Knutschfleck zierte seinen schon leicht welken Hals. Er hatte sich ein Tuch um den Hals gebunden, das die Blicke aber mehr in Richtung Hals lenkte als ablenkte. „Was für ein Wochenende" seufzte der Chef, und grinste in Richtung Güter K., seinen Mitarbeiter.

„Guck mal" ätzte er und warf Günter die BILD-Zeitung auf den Schreibtisch. „Mit dem Lächeln könnte aus Dir auch noch was werden", kicherte er und deutete mit Hand auf ein Martin Schulz-Foto. Gut gelaunt verließ er das Büro.

Martin Schulz und Günter K. im Vergleich

Günter K. schnaubte wütend. „Keine große Kunst, die Sekretärin flach zu legen", zischte er dem Chef nach und er bedauert zutiefst, keine Sekretärin zu haben. Er pinnte die Zeitung mit dem breit grinsend Martin Schulz an die Kork-Wand in seinem Büro und warf ein paar Darts Pfeile in Richtung Martin Schulz.

Was hatte der, was er nicht hatte? „Umgekehrt wird ein Schuh draus", dachte Günter K. laut und lächelte genüsslich. Er legte die Füße auf den Schreibtisch und dachte an die Fotowand in seinem Schlafzimmer, wohl versteckt an der Innentür des großen Schrankes dort.

Dort hingen vertikal und mit Datum versehen Bilder von Frauen, die mit roten Pfeilen durchbohrt waren. Unter jedem Bild stand als der Name, ihr Alter und eine Note von 1 bis 6. Und es gab ein offenes Feld, überschrieben mit „besondere Qualitäten".

Günter K. schmunzelte in sich hinein. Da konnte der Martin noch von ihm lernen, dachte er. Schulz hatte eine Frau und zwei Kinder. Er hatte keine Kinder aber schon sehr viele Frauen gehabt. So jedenfalls sagte seine Statistik und für Zweifler gab es noch eine weitere Fotowand im Inneren des Schrankes an der anderen Innentür. Hier hingen Fotos der Frauen, aufgenommen von einer versteckten Kamera, beim Schmusen und mehr. Die Kamera war hinter einem Fächer versteckt.

Günther träumte davon eines Tages nach der Verrentung mit seinem Chef auf Augenhöhe einen Wettbewerb zu starten, wer wohl die meisten Frauen gehabt hatte. Martin Schulz jedenfalls konnte auf dieser nach oben offenen Glückskala nicht mithalten, da war er sich sicher.

Martin Schulz, Europa und die Ostsee

Günther K. warf noch ein paar Darts Pfeile in Richtung Schulz-Bild und einer im Hintergrund wehenden Europa-Flagge. „Europa" murmelte er verächtlich und freute sich auf seinen Jahresurlaub, den er wie üblich weit weg an der Ostsee verbringen wollte. Im Ossi-Land fühlte er sich einigermaßen sicher vor den Frechheiten der Multi-Kulti-Kids, die er im Stadtbild seiner westfälischen Stadt immer öfter nicht übersehen konnte.

Günter K. war stark kurzsichtig und das half in diesem Falle. Manchmal nahm er mitten in der Stadt, gerne auf dem Marktplatz am Samstagmorgen, die Brille ab, um sich in der westfälischen Metropole wieder heimisch zu fühlen, wie er sagte.

Er war eindeutig für ein Europa der Vaterländer und seine Fotowände waren rein deutsch. Dass der Schulz aus dem Rheinland kam, im Elsass Verwandtschaft hatte und dass er überall in Europa Freunde hatte und mehrere Fremdsprachen erlernt hatte, machte Martin Schulz in den Augen von Günter K. zum vaterlandslosen Gesellen.

Marin Schulz und Gerechtigkeit, Hartz IV und vom Pferd fallen

„Gerechtigkeit", entzifferte Günter unter einem gerade geworfenen Darts Pfeil und schnaubte verächtlich. Was sollte gerecht sein an einer Grundrente für jedermann oder einer Rentenerhöhung für alle.Er war Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und verdiente sich seine Rente sauer. Er sah sich gezwungen, jeden Tag vor dem Chef zu buckeln. Er befand sich im existentiellen Clinch mit den Frauen in seinem Team, denen er jeden Tag Paroli bieten musste in Sachen Heimtücke und übler Nachrede. Wobei ein neckischer Blick einer Sekretärin ausreichte, um seinen Chef um den Verstand zu bringen und ihn um die Früchte seiner Intrigen.

Und der Martin Schulz war auch so ein Frauen-Versteher, so ein Schmuser. Günter K. war mehr ein Fan der klassischen Strategie: Rotwein, Schummerlicht, Volksmusik und dann zack-zack. Und wenn Martin Schulz erklärte hatte, er fände es nicht gut, Frauen zu begrabschen, dann fragte er sich, wie ein Mann denn sonst zu Potte kommen sollte.

Hartz IV find ich gut - Günter hat ein neues T-Shirt

„Hartz IV finde ich gut", hatte sich Günter K. auf ein schwarzes T-Shirt drucken lassen. Besonders gut fand er den Erfinder der Reformen, Peter Hartz. Er hatte sich vor Begeisterung auf die Schenken geschlagen, als er gelesen hatte, das Peter Hartz einst sich und den Betriebsräten von VW zur Förderung des sozialen Friedens Entspannungswochen in Hotels und Bordellen spendiert hatte.

Die Agenda 2010 fand er amüsant. Sekt und Party für die Ingenieure von Hartz IV und dem Volk engere Gürtel verpassen, das gefiel ihm gut. Der lebenslustige Gerhard Schröder hatte ihm bedeutend besser gefallen als der Nicht-Alkohol-Trinker Martin Schulz.

Sein Verständnis von SPD war immer gewesen, auf dem Weg der Parteischiene nach ganz oben zu kommen. Auch er hatte schon abends an der Tür des Chefs gerüttelt und gebrüllt, da wolle er rein. Eine nette Putzfrau, die ihn dabei mal überrascht hatte und ihm aufschließen wollte, hatte er Beiseite geschubst.

„Gerechtigkeit", Günther schnaubte noch mal durch die Nase. Er hatte eindeutig eine bessere Rente verdient als diese Penner in Harmonie-Teams, die glücksduselig vor sich hin schafften.
Er erinnerte sich mit Grauen an das letzte Teamtraining, wo sein Chef alle auf einen Pferde- Hof verfrachtet hatte. Er war gezwungen worden, auf eines dieser Viecher zu steigen und der Chef hatte dem Pferd dann einen Klaps versetzt und das Pferd war los galoppiert. Als er runter gefallen war hatte das Team ihn auffangen sollen, so der pädagogische Plan, vermutete er. Selbstverständliche hatte ihn keiner aufgefangen und sein Hass auf diese Jungs, wie er sagte, war bestätigt worden.

Und nun kam Martin Schulz daher und faselte von ehrlichen Menschen und ehrlicher Arbeit. Günter K. warf hasserfüllt einen weiteren Dart Pfeil in Richtung Schulz-Grinsen.

Martin Schulz und Chancengleichheit - Günter K. schreibt eine Hass Mail

Unter dem gerade geworfenen Pfeil, entdeckte er die Zeile: „Schulz fordert gleiche Bezahlung für Männer und Frauen". Verbittert riss Günter K. die Zeitung von der Wand. Er fühlte sich unterbezahlt und zu wenig beachtet von seinem Chef, der Frauenförderung zu einer Top-Priorität erklärt hatte. „Tussen power", kreischte Güter K. mit verstellter Stimme in den Flur hinein.

Günther riss das Fenster in seinem Büro auf und atmete tief durch. Es war wieder einmal Zeit für eine entlastende Hass Mail, fand er. Sein Therapeut, den Günter gerne einen Scheiß-Seelen-Klempner nannte, hatte ihm zu dieser kostengünstigen Form der Abreaktion geraten. So jedenfalls hatte Günter K. diesen verstanden. Er hatte gemeint, Günter müsse lernen, seine Aggressionen sozial kompatibel abzubauen, er müsse lernen, sich zu entlasten.

Er adressierte seither regelmäßig Mails an seinen Chef. Den ereilten dann anonyme Nachrichten von „einem guten Freund", wie er sich dort nannte. Wüste Beschimpfungen waren verknüpft mit Andeutungen, die dem Chef den Schweiß auf die Stirne trieben.

Jetzt gerade hatte Günter K. seinem Chef geschrieben. Die neueste Mail vom „guten Freund von kurz und knapp". Günter K. hatte geschrieben, er halte nichts von Menschen, die ihre Scharmaare im Gesicht trügen. Als besonderes Bonbon für seinen Chef hatte er hinzugefügt, und das gelte auch für deren korrupte Helfer.

Zufrieden fuhr Güter K. sich mit der Hand durch die schütteren rot-blonden Haare, die eigentlich schon grau waren und lenkte seine Schritte in Richtung Chef-Büro. Er wollte dabei sein, wenn der Chef diese Mail las. Er helfe gerne, pflegte er im Kollegen Kreis zu sagen.

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