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Meinungsforschung statt Meinungsmache

04/02/2015 13:23 CET | Aktualisiert 06/04/2015 11:12 CEST
thinkstock

Wer Fragen stellt, kann auch Antworten bekommen, die ihm nicht gefallen. Meinungsforscher leben damit, dass z. B. repräsentative Umfragen auch unerwartete Ergebnisse bringen. Umfragen müssen das Stimmungsbild in der Bevölkerung widerspiegeln, auch dann, wenn man persönlich der Meinung ist, dass die Mehrheit falsch liegt. Bürger und Befragte dann in den Medien als „verbohrt" oder „apathisch" abzustempeln, klingt mehr nach Meinungsmache als nach Meinungsforschung.

Es ist gut zu wissen, wie die Menschen „ticken". Man sollte - frei nach Martin Luther - den Menschen „auf's Maul schauen", aber man muss ihnen nicht „nach dem Munde reden". Und natürlich ist es gut, wenn die Meinungen, die Mehrheiten und Minderheiten ernst genommen werden. Aber der Blick auf die Daten ersetzt nicht die politische Führung.

Wenn die Bundeskanzlerin der Meinung ist, dass der Islam zu Deutschland gehört, darf sie sich nicht davon abschrecken lassen, dass „nur" 37 Prozent der Deutschen dieser Aussage zustimmen. Andererseits merkt sie, dass sie trotz ihrer Popularität und Beliebtheit die Bevölkerung in diesem Punkt (noch) nicht überzeugt hat.

Auch die Medien müssen anerkennen, dass fast jeder Zweite der Meinung ist, sie berichteten im Blick auf die Pegida-Demonstrationen nicht ausgewogen. Und unabhängig davon, ob sich das objektiv belegen lässt oder nicht, muss dieses Empfinden ernst genommen werden. Es geht hier um die Glaubwürdigkeit der Medien, immerhin der so genannten Vierten Gewalt im Staate.

Jeder hat seinen Job zu machen: Der Politiker sollte für seine Überzeugungen werben und eintreten, die Medien sollten informieren und kommentieren. Meinungsforscher sollten nach allen Regeln der Empirie Stimmungen aufspüren, aber sie sollten sich davor hüten, Meinungsmache zu betreiben. Sie spiegeln Wirklichkeit, ob sie einem gefällt oder nicht. Wir haben die Ergebnisse zu analysieren und zu kommentieren, aber es ist nicht unsere Aufgabe, die Befragten zu beschimpfen. Wenn wir nur noch hörten, was wir hören wollen, müssten wir uns fragen, ob man uns noch die Wahrheit sagt.


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