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Wie Schulz die AfD schwächt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARTIN SCHULZ
Thomas Peter / Reuters
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Schulz hat in kurzer Zeit viel verändert, eigentlich alles. Es war abzusehen, dass der Führungstausch mit Gabriel sich positiv auswirken würde. Aber dass er auf Anhieb die ganze Parteienlandschaft auf den Kopf stellt, das hab ich nicht kommen sehen.

Die Wähler geben ihm den Vertrauensvorschuss, den er selbst gefordert hat. Und das, obwohl er bislang nicht viel machen oder sagen konnte. Letztendlich zeigt das aber wieder, wie Politik funktioniert. Schulz hat es verstanden. Denn die wenigen Sachen, die man von ihm vernommen hat, haben große Wirkung erzielt.

Er hat verstanden, was eigentlich mittlerweile jedem Blinden wie ein grelles Licht erscheinen müsste: In der Politik sind Gefühle enorm wichtig und der wissenschaftlichen Erkenntnis mindestens gleichgestellt. Deshalb verfolgt er einen klaren Plan, Emotionen nutzen.

Eine Alternative zur Alternative

Er wiederholt immer wieder, dass er den kleinen Mann in den Mittelpunkt rücken will. Die Abgehängten der Gesellschaft seien das Ziel seiner Politik. Damit erfüllt er, was sich viele von der SPD erwarten. Immerhin sind das die Ursprünge der SPD, die Partei für die hart arbeitende Mittelschicht.

Es mag populistisch sein, weil diese Begriffe schwer zu definieren sind und sich vermutlich unterschiedlichste Menschen darunter vereint sehen. Aber er setzt damit das richtige Zeichen. Denn er spricht unglaublich viele Menschen an.

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Unter anderem wohl auch ein paar Protestwähler. Jene Protestwähler, die, vielleicht um auch mal ein Zeichen zu setzen, ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben oder machen wollten. Diese hat nämlich verstanden, dass es viele Menschen gibt, die sich vernachlässigt sehen.

Mit Schulz' Art des lässigen Tons und der klaren Sprache erreicht er, so glaube ich, viele Menschen, die sich, wohl auch nicht ohne Grund, weitgehend ignoriert gefühlt haben. Er macht die SPD für diese Leute wieder zur Alternative für die Alternative.

Besonders auch, weil mittlerweile vielen klar geworden ist, dass die AfD eine fast unfassbar unsoziale Politik betreiben will. Anders als eine SPD, die auch programmatisch vermutlich eben das vorhat, was Schulz sagt.

Der Erfolg macht Schulz zur Zielscheibe

Wohl auch deshalb ist er plötzlich die Lichtgestalt der deutschen Politik, von einem Moment auf den anderen. Es bleibt jetzt aber abzuwarten, wie sehr ein idealisierter Schulz Schaden nimmt an den neuesten Erkenntnissen über die Schaffung von Posten in Brüssel.

Allgemein: Weil er vieles richtig macht, wird umso mehr versucht, ihn persönlich zu schwächen. Eine Prognose darüber wage ich nicht zu treffen, denn die politische Wirklichkeit ist einfach nicht prognostizierbar. So ist das halt in der Gesellschaft und der Politik. Sich mit inhaltlichen Positionen auseinandersetzen, ist nur der allerletzte Weg.

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Einfacher ist es Menschen mit anderer Meinung auf persönlicher Ebene zu diskreditieren. Auch wenn dazu natürlich gesagt sei, dass diese Art von Postenschacherei absolut abzulehnen ist. Ich würde es aber als scheinheilig erachten, ihn deswegen exklusiv zu verurteilen.

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Emotionen und Fakten wieder vereinen

Denn so funktioniert Politik, leider. Und letztendlich ist es nun einmal so. Es gibt keine reinen Lichtgestalten, kein Mensch ist nur gut und ehrbar. Einzelne Menschen zu stark zu idealisieren, hat sich meiner Erfahrung nach immer als Fehler erwiesen.

Was aber nicht schlecht ist, denn dann kann es irgendwann wieder dazu kommen, wirklich inhaltliche und realitätsnahe Debatten zu führen. Wenn es dadurch gelingt, Emotionen zurück an Fakten heranzuführen, so wäre viel gewonnen.

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