BLOG

Rollensuche - zu viele Künstler, zu wenig Kunst

28/04/2017 11:31 CEST | Aktualisiert 28/04/2017 11:31 CEST
wundervisuals via Getty Images

Beinahe alle Menschen suchen sich eine Rolle. Meist eine, die sie als gesellschaftlich erstrebenswert erachten. Künstler, Intellektueller, Witzbold oder was auch immer. Doch ich denke mir, dass eine solche Definition nicht viel mehr als eine Idee ist, die dazu dient sich selbst einzuordnen.

Dabei ist der Künstler eine Rolle, die bequem sein kann, wenn man sie nur vorspielt. Man muss sich nicht an die Regeln halten, an die sich andere halten müssen. Man kann sich freuen nicht so „gewöhnlich" zu sein.

Aber was ist eigentlich ein wahrer Künstler? Was macht er und was zeichnet ihn aus? Eigentlich nichts. Denn er ist eine normale Person, die nicht versucht irgendetwas zu sein. Genau das unterscheidet ihn von anderen, genau das macht ihn zu etwas Besonderem, er will nichts Besonderes sein. Wenn der Künstler etwas tut, ob er malt, schreibt oder musiziert, dann geht es ihm um die Sache, um eine Idee oder ein Gefühl. Aber niemals um sich selbst.

Die Kunst als Ventil

Der Künstler definiert sich nicht über seine Kunst, er ordnet sich durch sie nicht in eine bestimmte Rolle ein. Er drückt aus, was er auszudrücken hat, macht daraus aber keine Identität. Ich denke, das ist der Grund, warum die meisten Menschen, die sich Künstler nennen, keine Künstler sein können. Denn sie beherrschen zwar ein künstlerisches Handwerk, aber haben nicht notwendiger Weise etwas zu sagen. Sie üben es nicht aus, um etwas zu sagen, sondern sie üben es aus, um das Handwerk auszuüben. Reiner Selbstzweck. Für den wahren Künstler ist das künstlerische Handwerk nur ein Mittel zum Zweck, es dient ihm als Ventil.

Der Grund für Kunst ist Erkenntnis, ob bewusst oder unbewusst. Das wahrhafte Interesse zu fühlen und zu denken führt zu Erkenntnis, zu Ideen, zu neuartigen Dingen. Diese sind häufig diffus und so komplex, dass vollständiges Verständnis unmöglich ist. Das eigene Ich kann die Fähigkeit des Verstehens hinein in die Eindeutigkeit weit übersteigen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Diffuse und komplexe Dinge lassen sich nicht einfach erklären. Deshalb sucht der Künstler nach Möglichkeiten sich anderweitig auszudrücken. Ein einziges Gedicht kann dabei bereits eine Unendlichkeit an Gedanken ausdrücken. Genauso wie ein Bild oder eine Ansammlung von Noten.

Unsichtbare Künstler

Am besten ist es, wenn ein Künstler dann auch noch Talent darin besitzt, ein künstlerisches Handwerk auszuüben. Das ist jedoch leider selten der Fall. Deswegen treten wahre Künstler nur reichlich wenig als solche in Erscheinung. Die meisten nimmt man gar nicht wahr. Große Ideen, große Gefühle, aber keine Veranlagung. Klingt tragisch, aber für den wahren Künstler ist es das nicht. Denn er würde sich nur selten als Künstler begreifen, er genügt sich selbst und braucht keine gesellschaftsfähigen Titel. Schließlich ist er, was er ist.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino