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Wie Heidi Hetzer uns den Spiegel vorhält - ohne es zu wollen

18/03/2017 15:44 CET | Aktualisiert 18/03/2017 15:44 CET

Gerade eben erst ist Heidi Hetzer von ihrer mehr als zweijährigen Weltreise mit ihrem Auto „Hudo" nach Deutschland zurückgekehrt. Kaum ist sie wieder da, wird sie zum Spielball von Medien und einem sensationsgeilen und hypersensiblen Publikum. Einige versuchen sie sogar zu instrumentalisieren.

Da saß sie nun, Heidi Hetzer 79, und berichtete sichtlich euphorisiert von ihren Erlebnissen mein ZDF Morgenmagazin. Ein Interview, von denen sie aktuell viele gibt. Schließlich ist sie momentan eine gefragte Frau. Es gibt nicht viele Menschen, die den Mut haben mit einem Auto, das älter ist als sie selbst, einmal um die Welt zu fahren. Schon gar nicht in dem Alter.

So erzählt sie von all den tollen Erlebnissen, von den Unterschieden zu Deutschland und der Natur. Dann sagt sie etwas Dummes: „Aber wie überall gibt es auch dort Nachteile. Die klauen. Die Schwarzen sind ... nur wenn Sie eine olle Jacke im Auto liegen lassen, klauen sie die. Die klauen alles. Also meine Kette haben sie geklaut, die Scheiben von meinem Auto eingeschlagen, das Navi rausgeholt, das ganze Auto ausgeräumt, die Tasche geklaut, also alles. Das ist die Schwierigkeit."

Badabum! Die Moderatorin Jana Pareigis zieht eine Schnute und weist auf die allgemein herrschende Armut hin. Dem Videoclip zufolge hat Heidi Hetzer gar nicht mitbekommen, dass ihr Satz so angekommen ist, wie er aufgenommen wurde.

Fehlende journalistische Sorgfalt

Es war kein kluger Satz, lapidar und unüberlegt dahergesagt und in seiner Aussage natürlich falsch. Doch was dann daraus entstand, war kaum abzusehen. Denn plötzlich wurde aus der mutigen, lebensfrohen und sympathischen älteren Dame eine Rassistin, eine die sich auf eine Stufe mit der AfD steht und sich dieser Partei bitte sofort anschließen solle, so der Wortlaut vieler Kommentatoren.

Einige Zeitschriften sind gleich auf den Zug aufgesprungen. So titelte die „WeLT" unter anderem bezüglich Heidi Hetzers Aussage: „Südafrika ist schön - wenn da nur die Schwarzen nicht wären", zwar nicht als wörtliches Zitat, aber frei hineininterpretiert. Als wäre dies sinngemäß das, was Frau Hetzer gesagt hat. Eine, wie ich finde, sehr böswillige Interpretation von Hetzers Satz.

Eigentlich lese ich die WeLT gerne, aber hierbei ist der Grundsatz der jounalistischen Sorgfalt sträflich missachtet worden. Es geht nur um Klicks und die Empörungswut einiger Menschen. Besonders bei einem so sensiblen Theme wie diesem. Das wiederum befeuert dann die Wut einiger Kommentatoren.

So heißt es unter anderem „Nomen est omen" oder sie sei eine elende Rassistin. Auch Jana Pareigis äußert sich über Facebook. Sie schreibt „[...] Ich hoffe, dass dieses Interview zumindest dazu führt, dass über rassistische Vorurteile diskutiert wird, die vielleicht auch Frau Hetzer dazu bewegt zu haben scheinen, persönliche Erfahrungen zu verallgemeinern." und unterstellt ihr damit rassistische Vorurteile. Ich frage mich, hat Heidi Hetzer das verdient?

Mit ihr redet niemand - nur über sie redet man

Eine Frau, die zwei Jahre Kontakt zu mehr unterschiedlichen Menschen hatte, als viele von uns im gesamten Leben, wird als Rassistin tituliert. Statt mit ihr zu reden, hat man über sie geredet. Diesen Vorwurf muss sich auch Jana Pareigis gefallen lassen.

Ich kann verstehen, dass sie in der Show noch zu perplex war, um direkt konkret nachzufragen, wie genau Frau Hetzer ihre Aussage meinte. Aber anstatt nochmal persönlich in Kontakt zu treten oder auf eine Stellungnahme Hetzers zu warten, wurde sie ohne Umschweife verurteilt. Und das in einem Staat, in dem jemand erst als schuldig gilt, wenn die Schuld erwiesen wurde? Finde ich abstrus.

Rechtspopulisten versuchen sie zu instrumentalisieren

Die mediale Schelte führte leider auch schnell dazu, dass sie von den üblichen Verdächtigen, den wahren Hetzern, fälschlicherweise zur Heldin ausgerufen wurde. Schließlich ist es ein Reflex von ihnen: Wer von den großen Medien (egal von welchen) kritisiert wird, der muss auf ihrer Seite stehen und zu den armen Unterdrückten gehören, die gegen die ach so grausame politische Korrektheit kämpfen.

In Wahrheit sind aber gerade das die Menschen, auf die eine Kritik a la Heidi Hetzer viel besser passt. Diese Leute meinten, sie würde nur aussprechen, was wahr ist, auch wenn es halt nicht der politischen Korrektheit entspräche.

Die rechten Schreihälse unterstellen Frau Hetzer, dass sie tatsächlich meinen würde, alle Schwarzen würden klauen und folgen damit der gleichen Annahme, wie auch die Empörungswütigen das tun. Ob sie das wirklich so gemeint hat, konnte keiner wissen, denn eine Chance sich zu rechtfertigen hat man ihr nicht gegeben, bevor man sie verurteilte. Willkommen im Haifischbecken Deutschland.

Was Heidi Hetzer wirklich meint

In der Tat hat sie sich nun geäußert und sagt, dass es ihr fürchterlich leid tue. „Es war nicht so gemeint. Den Satz ‚die Schwarzen klauen alles' habe ich in Südafrika so oft gehört. Sogar von Schwarzen selber. Das bezog sich darauf, dass ich auf dem Überwachungsvideo gesehen habe, wie in Kapstadt vier Schwarze mein Navi aus dem abgeschlossenen Hudo geklaut haben. In Kapstadt hat mir ein Schwarzer den goldenen Berlinbären vom Hals gerissen und in St. Lucia wurde mein Auto komplett leer geräumt. Immer wieder wurde mir in Südafrika dieser Satz gesagt. In der Sendung habe ich ihn unreflektiert geäußert. Das war ein Fehler. Ich entschuldige mich für diese Äußerung. Wie kann ich das wieder gut machen? Nächstes Jahr plane ich doch auch wieder durch Afrika zu reisen. Einmal quer durch."

Es geht klar hervor, dass Heidi Hetzer völlig bewusst ist, wie sehr Kriminalität mit sozialen Strukturen zu tun hat und wie wenig mit der Hautfarbe. Dort sind farbige Menschen lange massiv unterdrückt worden und haben heute im Großteil Südafrikas sehr viel schlechtere Möglichkeiten und Perspektiven als weiße Menschen. Dass dann die Rate der Verbrechen der farbigen Menschen höher ist, als die der Weißen, ist völlig klar und hat nichts mit verschiedenen Hautfarben zu tun. Vielmehr sind die farbigen Menschen auch heute noch Opfer vom damaligen europäischen Rassismus. Ob Heidi das auch so sieht hätte man fragen können. Man wollte es nicht. Zumindest nicht die, die bereits geurteilt haben. Ich bin mir sicher, sie würde zustimmen.

Wenn man sich zumindest ein bisschen mit ihr auseinander gesetzt hätte, dann wäre man sicher auch auf andere Zitate gestoßen. So sagte sie unter anderem in einem Interview mit dem rbb „Es ist eben überall schön. Darum verteilen sich ja die Menschen auch auf der Welt. Die normale Bevölkerung war überall sowas von nett. Wenn man ihr auch nett entgegentritt natürlich. Also wenn ich die Leute anlache, dann lachen die auch zurück. Aber die lachen auch von alleine. Das ist einfach anders. Da haben sie Zeit. Und hier in Deutschland hat man keine Zeit. Da ist man zwar sehr effektiv, dafür kann man die Deutschen nur loben, aber keiner hat Zeit, freundlich zu sein." Außerdem sagt sie, dass eines der schönen Dinge auf ihrer Reise sei, dass die erfahren konnte, überall auf der Welt gebe es so tolle Menschen. Also, wer diese Frau für eine Rassistin hält, der unterstellt auch einem Blatt, wenn es sich im Herbst braun färbt, einen rassistischen Hintergrund.

Die Verwässerung des Begriffes Rassismus

Da sehe ich ein großes Problem. Denn wenn man Menschen Rassismus unterstellt, auf die dieser Vorwurf keineswegs zutrifft, dann verwässert man den Begriff Rassismus an sich. Und das ist schrecklich. Die Verwässerung der Begriffes Rassismus ist wie eine Mauer, hinter der sich echte Rassisten, von denen es leider reichlich gibt, verstecken können. So wird es irgendwann nicht mehr möglich Rassisten als Rassisten zu bezeichnen, weil sie sich hinter Menschen wie Heidi verstecken können und sie als Schutzschild benutzen. Derlei schwere Vorwürfe dürfen ihre Eindeutigkeit nicht verlieren und schon gar nicht ihren Wert. Benutzt man aber Begriffe wie Rassismus, Faschismus zu inflationär, dann trägt man dazu bei, dass diese Begriffe in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Das kann und darf nicht in unserem Interesse liegen. Besser wäre es, wenn man miteinander redet, statt nur übereinander. Eine einfache Nachfrage hätte dafür gesorgt, dass dieser Skandal, der niemals einer werden hätte dürfen auch niemals einer geworden wäre.

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