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Eine komplizierte Gratwanderung: Erdogan und die Frage der Toleranz

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
Yagiz Karahan / Reuters
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Meine Gedanken sind tief gespalten. Eine Seite k├Ąmpft gegen die andere und irgendwie f├╝hlt es sich wie ein Unentschieden an. Geht das ├╝berhaupt? Schlie├člich sind beide Seiten kaum miteinander zu vereinbaren. Wie soll es da eine g├╝tliche Einigung geben k├Ânnen? Na danke, Erdogan.

Keine Toleranz der Intoleranz

Sp├Ątestens seit der t├╝rkische Pr├Ąsident mit dem Hang zum Gr├Â├čenwahn Y├╝cel gefangen genommen und und im Anschluss Deutschland auf infantilste und gr├Âbste Art beleidigt hat, wei├č ich nicht so recht, wie man mit Erdogan und seinen Ministern umgehen sollte.

Sie bezichtigen Deutschland der ÔÇ×Nazi-Methoden", sie sprechen unserem Land Demokratieverst├Ąndnis ab und sie bem├Ąngeln fehlende Rechtsstaatlichkeit.

Kurzum: Erdogan und seine Minister werfen Deutschland genau das vor, dessen sie sich selbst gerade schuldig machen. Ein alter aber wirksamer Trick, um den Begriff der Demokratie immer weiter zu entfremden.

Man wird sprachlos bei solch einer Dreistigkeit, beinahe w├╝tend. Immerhin wollen eben jene in Deutschland auftreten, haben das mitunter bereits gemacht. Sie wollen f├╝r das Pr├Ąsidialsystem werben, also f├╝r die Abschaffung der t├╝rkischen Demokratie.

Der Gedanke, das einfach verbieten zu wollen, liegt dabei nicht fern. Keine Toleranz der Intoleranz, so hei├čt es schlie├člich. Gleiches gilt f├╝r die demokratischen Rechte. Wer diese nur nutzt, um sie abzuschaffen, der sollte sie nicht nutzen d├╝rfen. Eigentlich eine klare Sache.

Die Pflicht der Freiheit und Moral

Oder auch nicht. Denn in Deutschland haben wir Presse- und Meinungsfreiheit, wir sind eine wirkliche Demokratie. Im Gegensatz zur T├╝rkei. Das hei├čt aber auch, dass wir den hohen Standards gerecht werden m├╝ssen und uns es nicht so einfach machen d├╝rfen, wie Erdogan und seine Gefolgsleute e tun.

Deswegen muss die H├╝rde, die es braucht eine Kundgebungen zu untersagen, sehr hoch sein. Fehlende Meinungsfreiheit woanders darf kein Argument sein, selbst an diesen Schrauben zu drehen. Rein moralisch.

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Denn die F├Ąhigkeit viel zu dulden, bleibt nun einmal eine demokratische Tugend. Meinungsfreiheit ist nicht nur ein sch├Âner und ehrbarer Grundsatz, sondern auch eine unumg├Ąngliche Pflicht.

Der einfache Mann Erdogan

Soviel zur rein deutschen Sichtweise. Nimmt man Erdogan noch mit in das Gedankenspiel auf, dann stellt sich die Frage, was ein Verbot bzw. ein Nicht-Verbot f├╝r Auswirkungen h├Ątte. Alles wird noch komplizierter.

Soll man Appeasement Politik betreiben oder soll man St├Ąrke zeigen? W├Ąre ein Verbot ├╝berhaupt ein Zeichen der St├Ąrke?

Wir alle wissen, dass Ersteres nicht immer von Erfolg gekr├Ânt war. Bevor ich mich aber in Hitlervergleichen verliere, muss ich sagen, dass ich diese nicht ziehen will.

Man sollte Erdogan jedoch nicht untersch├Ątzen. Gr├Â├čenwahn hat bereits viel Schaden angerichtet auf der Welt. Dass Erdogan reichlich davon besitzt, m├╝sste jedem mittlerweile klar geworden sein.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Nach Einreiseverbot: Erdogan droht Niederlanden mit Vergeltung

Er ist ein sehr simpler und unmoderner Mensch. Er teilt auf in schwach und in stark. Betreibt man Appeasement Politik, dann kann man davon ausgehen, dass er das als Schw├Ąche aufnehmen wird.

Ob er sich diesem Falle m├Ą├čigen w├╝rde, darf bezweifelt werden. Vielmehr ist es m├Âglich, dass seine Entgleisungen immer schlimmer werden und er weiter und weiter versucht, seine ihm gesetzten Grenzen zu verschieben. Eine gef├Ąhrliche Situation.

Merkels Reaktion

Bleibt noch die Frage, wie man Merkels Reaktion bewerten soll. Abgesehen davon, dass sie ein wenig zu sp├Ąt und vielleicht einen Tick zu wenig deutlich war, traf sie den richtigen Ton. Die Stellungnahme war sehr souver├Ąn und gelassen und verk├Ârperte damit unsere Demokratie, wie man es nicht viel besser h├Ątte machen k├Ânnen.

Die Provokationen der t├╝rkischen Spitzenpolitiker zielten darauf ab, uns auf das schwache Niveau Erdogans herunterzuziehen. Darauf hat sich Merkel nicht eingelassen und so vielleicht die Art von St├Ąrke gezeigt, die es momentan braucht.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Die Bundesregierung l├Ąsst sich von Erdogan erpressen - obwohl die T├╝rkei uns mehr braucht denn je

Aber reicht das? Ich wei├č es nicht. Die verschiedenen Ebenen der Sachlage sind sehr widerspr├╝chlich und deshalb nicht einfach zu l├Âsen. Was meint ihr? Wie soll man mit Erdogan umgehen? Schreibt es einfach in die Kommentare.

Wenn euch gef├Ąllt, was ich schreibe, w├╝rde ich mich ├╝ber ein "Gef├Ąllt mir" freuen.

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