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"Ich lass dich jetzt los" - was ich meiner Tochter zur Einschulung sagen möchte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MUTTER TOCHTER
Henriette Zwick
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Es gibt Ereignisse im Leben, über die man sich keine Gedanken macht. Manchmal ist es unbequem darüber nachzudenken. Manches will man vielleicht nicht wahr haben, anderes wird einen schon nicht ereilen. Und manchmal ist einfach alles schön, so wie es ist und das könnte gern so bleiben. Doch das Leben interessiert das nicht und plötzlich steht uns die Einschulung bevor.

Wir haben bald ein Schulkind. Ein Kind, das sich riesig auf die Schule freut. Sie will endlich lesen und schreiben lernen. Sie hat so viele Fragen und will gefordert werden. Sie will Sport machen und malen. Basteln und Aufgaben lösen. In den Hort gehen, Hausaufgaben machen. Sie will endlich einen Wackelzahn haben.

Sie fragt sich, wann sie wohl den Weg zur Schule allein gehen kann und ob sie überhaupt weiß, wie sie laufen muss. Sie sagt ganz oft, dass sie in die Fuchsklasse kommt, weil sie ja auch so schlau wie einer sei. Sie wartet voller Ungeduld auf den ersten Schultag und trägt täglich ihren Schulranzen zur Probe.

Sie ist sowas von bereit für die Einschulung und so sehr ich unsere unbeschwerte Zeit mochte, so sehr freue ich mich auf unseren neuen Familienabschnitt.

Wo ist das Baby in dir geblieben?

Ach mein Kind. Ich weiß nicht so recht, wann diese sechs Jahre an uns vorbei gegangen sind. Du warst doch gestern noch das kleine Baby, das so gerne auf mir einschlief. Dein Papa hat dir doch erst vor kurzem diese wunderschönen roten Schuhe gekauft, in denen du deine ersten Schritte gemacht hast. Und bist du nicht erst letzte Woche in die Kita gekommen?

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Aber in deinem Gesicht ist all dies nicht mehr zu sehen. Kein Baby mehr. Kein Kleinkind. Dein Gesicht ist erwachsener geworden. Ein richtiges Kind mit ganz feinen Gesichtszügen strahlt mir entgegen.

Ich glaube, du wirst mal eine schöne und kluge Frau. Eine, mit der man gern befreundet ist, weil du so umsichtig bist. Du bist eine, die ihren Weg geht. Mit Bedacht. Du denkst erst einmal darüber nach, ob etwas Sinn macht. Und schaust dann, wie die Lösung sein könnte bevor du loslegst.

Ich lass dich jetzt los. Ein bisschen

Du hast so viele schöne Träume. Du willst Ballerina werden, einen Pferdehof haben und Mama sein. Manchmal auch Malerin. Mal sehen, was du dir davon erfüllst. Mal sehen, wie du dich verändern wirst. Ob du weiterhin viel mit dir selbst ausmachst oder doch noch dein Herz auf der Zunge trägst, so wie ich.

Ich bin gespannt, was dir in der Schule am meisten Spaß machen wird und was deinen Ehrgeiz fordert. Ich bin so neugierig darauf, wie du weiter groß wirst, irgendwann allein zur Schule gehst, auf Klassenfahrten fährst und auch tagsüber immer länger weg bleibst.

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Nein, ich hatte keine Ahnung, wie es sein wird, Mama zu sein. Ich hatte auch keine Vorstellung wie es ist, ein Kind aufwachsen zu sehen und ganz ehrlich, ich habe mir nie Gedanken um die Einschulung gemacht.

Schule. Das klang so weit weg. Das betraf uns irgendwie nicht. In den Schulferien reisen? Anwesenheitspflicht? War uns doch egal. Was in eine Schultüte gehört und welcher Ranzen der Beste ist? Hach das ist ja schon wieder eine Wissenschaft für sich.

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Ich werde dich zur Einschulung begleiten

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge werde ich dich zu deiner Einschulung begleiten, in deine neue Klasse mit dir gehen und in deine leuchtenden Augen schauen, wenn du eine Schultüte bekommst.

Ich werde heimlich das kleine Kind in dir suchen und mich zurück erinnern an unsere gemeinsame Zeit. In der du noch so nah warst, so viel Schutz brauchtest. Und dann werde ich dir stolz einen Kuss geben und dich ein bisschen los lassen. Denn das gehört dazu.

Und auch wenn ich dich bald nicht mehr an die Hand nehme, so ist meine Hand immer schützend über dir. Nein, ich hatte keine Ahnung, wie das so wird mit einem Kind, mit einem Schulkind. Das Herz macht schon einiges mit. Familie eben.

Der Beitrag erschien zuerst auf Super Mom.

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