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„P2P-Kredit-Plattformen stehen in der Pflicht, Risiken aufzufangen" - Davide Richetta im Gespräch

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BANKING
Hemera Technologies via Getty Images
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Das nachfolgende Interview erschien zuerst auf P2P Investment.

Davide Richetta ist seit 15 Jahren auf dem Feld des E-Banking unterwegs. Seit 2009 ist er für den US-amerikanischen Kreditkarten-Dienstleister Total System Services (TSYS) tätig, der im Mai 2016 die Ergebnisse seiner jüngsten Studie zum Zahlungsverhalten deutscher Verbraucher und zur Bedeutung der P2P-Kredite als Geldanlage präsentierte. Im Gespräch mit P2P Investement konkretisiert Richetta die neuen Erkenntnisse.

Lieber Herr Richetta, Ihre Studie hat gezeigt, dass P2P-Kredite noch recht selten genutzt werden. Kennen Sie die Gründe dafür?

Abgesehen davon, dass in unserem Befragungsgruppe Unwissenheit und Unverständnis nicht die Hauptgründe für das noch ausbaufähige Volumen der P2P-Kredite waren, denken wir dennoch, dass beide Faktoren das Wachstum der Plattformen zukünftig maßgeblich beeinflussen können. Es stimmt, dass die von uns befragten Menschen noch wenig Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Plattformen haben und einen Mangel an Regulierung als die wichtigste Ursache für ihre Nichtengagement angegeben haben. In jedem Fall aber sollte den Anlegern bewusst sein, dass nach dem Kreditwesengesetz nur Banken zur Kreditvergabe berechtigt sind. Daher ist es unbedingte Voraussetzung für jede P2P Investment-Plattform, die Kooperation mit einer Bank einzugehen, von der der Kredit ursprünglich ausgeht und im zweiten Schritt an die P2P-Anleger als Gläubiger aufgeteilt wird. Ganz allgemein besteht aktuell noch eine große Unsicherheit hinsichtlich der Verlässlichkeit der Anbieter. Viele potentielle Anleger vermissen noch den gesetzlichen Rahmen. Ich denke, es wird zukünftig vieles an diesem Punkt vom Ruf und der Akzeptanz der Plattformen abhängen.

Haben Sie auch Erkenntnisse darüber sammeln können, weshalb manche Anleger heute schon P2P Investment-Plattformen nutzen? Was spricht aus Sicht der Early Birds für diesen Weg der Geldanlage?

Die intuitiven User-Interfaces sind deutliche Pluspunkte der Anbieter. Der Zugang für den Anleger ist einfach. Und Anleger, die heute schon investieren, profitieren von Renditen deutlich über dem Marktdurchschnitt.

TSYS sieht ein großes Potential in den P2P-Darlehen. Was muss zukünftig geschehen, damit Kreditgeber und -nehmer die Plattformen noch intensiver nutzen?

Wie es oft bei solchen sozialen Netzwerken ist, exisitiert auch in Sachen P2P-Kredite bereits eine kleine, aber gleichwohl ambitionierte Gemeinschaft, die gewillt ist, die Chancen, der neuen Technologie zu nutzen. Obwohl sich P2P-Kredit bereits für viele Anleger rentiert haben, ist das Investitionsrisiko weiterhin recht hoch. Keinem Anleger kann garantiert werden, dass er seine Geldanlage letztendlich wiedersehen wird. Die „Early Birds" tragen hier natürlicherweise zuerst das Risiko. Sie erkunden Chancen und Risiken. P2P Investment-Plattformen stehen daher in der Pflicht, in dieser frühen Phase zu zeigen, dass sie Risiken auffangen und lindern können. Weiterhin muss natürlich die Benutzeroberfläche einsteigerfreundlich bleiben, um den Start in die Welt der P2P-Kredite für Anleger so einfach wie möglich zu machen.

Wie wird sich die Branche insgesamt enwtickeln? Was können sich P2P-Investoren zukünftig noch erhoffen?

In machen Märkten, wie beispielsweise dem US-amerikanischen, wo die Gesetzgeber solcherlei technologische Innovationen fördern wollen, werden die Einkünfte aus P2P-Krediten noch sehr steuerfreundlich behandelt. Die Steuersätze sind hier niedriger als die bei anderen Kapitaleinkünften. Dieses günstige Steuerumfeld könnte sich auf andere Länder desto stärker ausweiten, je intensiver die Regierungen gemeinsam über Innovationen auf dem Kreditmarkt nachdenken und gewillt sind, den alten Strukturen Konkurrenz zu gönnen. Dann können auch aufstrebende Marktteilnehmer auf ein förderliches regulatorisches Umfeld hoffen.

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