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Ich war Metzger - heute kann ich kaum glauben, was ich damals getan habe

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Frisch zerlegt, sauber getrennt. Auf dem weißen Tisch liegen unterschiedliche Fleischhaufen, sortiert nach Fettgehalt, Magerfleisch- und Sehnenanteil. Mit der Zeit wird der Schlachtkörper zum Werkstück. Man vergisst sehr schnell, dass der leblose Leib einst laufen, leben und fühlen konnte.

Woher dieser Impuls kam, weiß ich nicht mehr so genau. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich mich im Lebensmitteleinzelhandel nicht wohl fühlte. Ich holte das Abitur nach und studierte Wirtschaftskommunikation. Die gewonnene Zeit nutze ich, um meinen Kopf anzuschalten und über das Leben nachzudenken.

Im Video oben: Ausgerechnet zwei Veganer verraten, wie ungesund vegane Ernährung wirklich ist

Nach dieser Erfahrung weiß ich, wir bemerken erst, wie sehr der Alltag uns vom Denken abhält, wenn wir uns trauen, unseren Alltag zu verändern. Plötzlich ergeben sich Räume, in denen wir nicht nur funktionieren, sondern uns den Fragen widmen, für die wir sonst keine Zeit hatten.

Als Vegetarier in der Fleischerei arbeiten

Von der Frage, Tiere essen oder nicht hingen nicht nur meine Gewohnheiten, sondern auch mein Job ab. Als Vegetarier in der Fleischerei zu arbeiten, das konnte ich mir wirklich nicht vorstellen.

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Nachdem ich aber bewusst diesen Beruf an den Nagel gehängt habe, drängte sich mir diese Frage förmlich auf. Ich fing an zu lesen, Karen Duve - „Anständig essen". Ich machte ein wenig mit bei ihrem Selbstversuch. Vegetarisch, vegan, frutarisch. Das war eine interessante Erfahrung.

Kaum etwas hat so weitreichende Folgen wie unsere tägliche Auswahl an Lebensmitteln. Wir importieren tonnenweise Soja, um es an unsere sogenannten Nutztiere zu verfüttern. Das passiert mit 90 % der Weltsojaernte und 50% der Weltgetreideernte. Direkt verzehrt könnten wir den Hunger der gesamten Menschheit damit stillen.

Wir produzieren tonnenwiese klimaschädliche Gase beim Transport der Futtermittel. Die Futtermittel produzieren dann weiter tonnenwiese klimaschädliche Gase in den Rindern, an die wir es verfüttern. Ein Rind ist kein Problem für unsere Atmosphäre, 1,5 Milliarden Rinder schon. Unsere Tierhaltung ist insgesamt klimaschädlicher als alle Autos weltweit.

Warum ernähren wir uns nicht alle vegan

Mittlerweile arbeite ich bei der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz. Einer unserer Schwerpunkte ist die Tierschutzbildung. Für eine tierfreundlichere Generation von morgen.

Gerade führen wir ein Mitmachtheater zum Thema Tierbedürfnisse an Berliner Schulen auf. Noch bis Weihnachten läuft das Projekt. Daneben beschäftigen wir uns mit dem Tierschutzrecht und Alternativen zu Tierversuchen.

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Leben heißt Wandel und Wandel tut gut. Seitdem ich mich bewusst tierleidfrei ernähre, fühle ich mich besser. Diese Ernährung ist nicht nur gut für mein Gewissen, sondern spürbar auch für meinen Körper.

Darüber hinaus bin ich mir ziemlich sicher, dass kein Tier sterben möchte. Erst recht nicht, wenn es ein glückliches Leben lebt. Wenn uns also eine vegane Ernährung nachweislich gut tut und wir Tiere und Tierprodukte nicht zwingend zu uns nehmen müssen, solche Lebensmittel also nachweislich nicht essentiell sind, warum ernähren wir uns dann nicht alle vegan?

Wir töten weiter, weil es uns gut schmeckt. Woher nehmen wir uns dieses Recht zum Töten? Der Löwe tötet, weil er muss. Wir töten aus Lust an der Jagd oder aus Lust am Geschmack. Wir sollten uns nur das nehmen, was wir wirklich zum Leben brauchen. Tiere gehören für mich nicht mehr dazu.

Weiterführende Links:
Seite der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz
Facebookseite des Autors
Mehr Infos zur veganen Ernährung inkl. wissenschaftlicher Studien

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