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Was ist Liebe? Braucht man sie ├╝berhaupt?

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
MAN WOMAN LAUGHING
Tara Moore via Getty Images
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Was ist an Liebe so einzigartig? Warum suchen so viele nach ihr? Warum r├╝hrt nichts so alle V├Âlker, wie wenn Menschen eine ungew├Âhnliche Liebe und Hinwendung zueinander zeigen? Warum handeln so viele Romane, und nicht nur Schmonzetten, auch gro├če Literatur, von Liebe und ihrem Gegenteil, von Hass?

Liebe ist das Einzige im Leben, das alles im Menschen positiv aktiviert und Gutes zum Bl├╝hen bringt (so wie Hass alles im Menschen negativ aktiviert und B├Âses zum Bl├╝hen bringt): Fantasie, Tr├Ąume, Lust am Leben und Mut, Grenzen zu ├╝berwinden.

Liebend will man erfolgreich f├╝r den anderen sein. Liebend erkennt man keinen Unterschied mehr zwischen eigenem Gl├╝ck und dem des anderen. Liebend ist man gro├čz├╝gig. Bei Liebe geht es nicht mehr um Anerkennung, denn man wird ja schon geliebt.

F├╝r deine Liebe bist du bereit zu k├Ąmpfen. F├╝r deine Liebste oder deinen Liebsten strengst du dich an. Gleichzeitig spielt das auch wieder gar keine Rolle. F├╝r deine Liebe tust du (fast) alles, verl├Ąsst alte Freunde und gibst alte Gewohnheiten auf und gleichzeitig willst du alle versammeln und ihnen von deiner Liebe erz├Ąhlen.

Liebe muss gelebt werden

Deshalb sind andere oft neidisch und peinlich ber├╝hrt, weil es ihr Alltagsgleichgewicht und ihre Anpassung im oft Lieblosen, Vern├╝nftigen und Pragmatischen st├Ârt. "Rosarote Brille", warnen sie dann. Der oder die passen doch nicht zusammen. Was hat er oder sie schon zu bieten? Was ist ihre/seine Vergangenheit?

Der Liebste zeigt sich unerwartet auch mit Schattenseiten. Das spielt keine wirklich bedeutende Rolle, denn Liebe "funktioniert" nach ganz anderen Gesetzen, wie Tugend und Vernunft. Sie ist vern├╝nftig und unvern├╝nftig zugleich. Sie ist anspruchsvoll und fordernd und gleichzeitig fast alles verzeihend. Sie gehorcht keinem Plan. Sie ist da, oder nicht.

Man kann Liebe beeinflussen, Kerzen anz├╝nden und so weiter. Aber eigentlich braucht es das nicht wirklich. Liebe l├Ąsst sich zwar gerne verw├Âhnen, aber sie l├Ąsst sich nicht einfach pflegen wie eine Gartenblume. Sie muss gelebt werden.

Ein Wissen, das tief im Inneren ruht. Wie kann man Liebe kaputt machen? Wenn man anf├Ąngt, sie an Voraussetzungen zu kn├╝pfen, an Blumenstrau├č, an die Erf├╝llung von Sehns├╝chten aus eigener Einsamkeit.

Unter allen Bedingungen

All die Berater und Experten, von denen der eine sagt, Liebe entstehe aus gemeinsamen Werten, der andere, Liebe entstehe aus Gegens├Ątzen, der n├Ąchste, die Frau sucht den Erfolgreichen und der Erfolgreiche sucht die, die seinen Erfolg f├╝r ihr Gl├╝ck braucht, werden widerlegt von all denen, die aus genau entgegengesetzten Gr├╝nden lieben.

Liebe kommt unter fast allen Bedingungen vor. Arme lieben sich wie Reiche. R├╝cksichtslose werden geliebt, ebenso wie F├╝rsorgliche, sogar ein Opfer kann seinen Peiniger lieben. Kann man das begreifen?

Liebe ist die ├ťberwindung von dem, was ansonsten unsere Natur ausmacht: ├ťberleben zu wollen, vorw├Ąrts kommen zu wollen, "Deals" einzugehen. Liebe ist die ├ťberwindung des Geworfenseins.

Sie blamiert die anderen, die nur auf Vernunft und Wissen setzen und nicht wissen, welche Chancen es wirklich gibt im Leben, wenn man auf das Millionen Jahre alte gr├Â├čere Wissen der Natur (von mir aus der Gene) vertraut. Liebe ├Âffnet das Tor. Liebe ist, wenn man einfach keine Fragen mehr stellt, weil man wei├č.

In sich ruhen

Gl├╝cksstreben ist oft nur auf sich selbst gerichtet. Erfolgsstreben und Anerkennungsstreben macht von dem Urteil der anderen abh├Ąngig, die selber nach ihrem Erfolg und ihrer Anerkennung suchen.

Tugend sucht danach, ein anderer und besserer, eben ein Tugendhafter, sein zu wollen, sein "unvollkommenes Leben" im Sinne eines Wertes gelungen zu machen. Nicht so Liebe. Sie sieht im So-Sein, im Hier und Jetzt, schon das Gelungene.

Gl├╝ckliche Menschen sind Priestern und weltlichen F├╝hrern suspekt, die Anstrengung und Bem├╝hen wollen f├╝r h├Âheren Sinn und f├╝r Wirtschaftswachstum. Sie vermuten, dass Gl├╝ckliche sich nicht mehr anstrengen wollen, weil sie schon gl├╝cklich sind und in sich ruhen. Liebe vereinigt auch diesen Widerspruch: Man ist schon gl├╝cklich und strengt sich an, wie sonst selten.

Liebe ist ein seltenes Gut, so wie Gold. Deshalb suchen alle so nach ihr. Was das Herausfordernde an ihr ist, was alles Gl├╝cks- und Erfolgsstreben beleidigt: Man kann sie nicht erzwingen. Die Chancen erh├Âhen sich nicht wesentlich, wenn man an Internet-Partner-Portalen teilnimmt, mit Hunderten von Kontaktm├Âglichkeiten, vorher schon nach ├ťbereinstimmungs-Werten selektiert.

Zu viele Voraussetzungen?

Die Chancen f├╝r Liebe erweitern sich nicht wesentlich durch Haus, Bildung, Geld, Erfolg. Es ist wie mit dem Lottospielen: Die Chance auf den Hauptgewinn erh├Âht sich nicht wesentlich, egal, ob man mit einem Einsatz von 10 Euro oder 10.000 Euro spielt.

Wie beim Lottospiel gibt es aber Gott sei Dank so manchen kleinen und mittleren Gewinn. Warum suchen so viele nach Liebe und finden sie so selten? Vielleicht, weil sie ein zu enges Herz haben und Liebe nicht ohne ein gro├čes Herz gedeihen kann? Vielleicht, weil sie sie an zu viele Voraussetzungen kn├╝pfen?

Die alle, die gerade ohne Partner als Single oder zusammen mit einem oder mehreren Partnern leben, die k├Ânnen auch ein gutes Leben f├╝hren, wenn es beispielsweise gemeinsame Werte, gemeinsame Projekte, gleiche Herkunft gibt.

Also bitte, seid nicht ungl├╝cklich, und ihr seid es auch nicht wirklich, wenn ihr die gro├če und alles umfassende Liebe (noch) nicht gefunden habt. Natur hat es so eingerichtet, dass ├ťberleben und Wohlbefinden unter vielen Umst├Ąnden gesichert ist.

Liebe als Chance

Und das bedeutet, dass man kein besonderer Heiliger, kein besonderer Intelligenter und eben auch kein besonders Liebender sein zu braucht, um gut zu leben.

Liebe ist mehr unverdiente Chance als Notwendigkeit. Aber hat sich der Mensch jemals mit ausreichend zufriedenstellendem zufrieden gegeben? Dazu sind seine Tr├Ąume und seine Fantasie zu gro├č. Liebende zeigen, dass diese Tr├Ąume, nicht illusorisch sind, dass sie m├Âglich sind.

Wenn es um eine gewisse Sicherheit und Zufriedenheit geht, dann bilden Geld, Bildung, Fertigkeiten, Freunde, Familie, Gesundheit die besseren Suchwege. Liebe bietet keine Sicherheit. Wei├č ich, ob ich morgen eine andere liebe, wei├č ich, ob sie morgen einen anderen lieben wird?

Wissen wir, wie unsere Liebe sich wandeln wird? Sie ist der gr├Â├čte Friede, gleichzeitig gef├Ąhrliche Energie, bei der man Haus und Hof und sich selbst verlieren kann und die sich in zerst├Ârerischen Hass verwandeln kann.

Vergangenheit und Zukunft spielen keine Rolle. Gleichzeitig unternehmen Liebende alles was heute auch Zukunft hat. Es gibt nichts, was ihr gleicht. Weil sie alle Gesetze kennt und alle Gesetze missachtet. Weil sie die gr├Â├čte Herausforderung von allen Herausforderungen ist: Sie sich leisten zu k├Ânnen und von ihr gefunden zu werden.

Mehr ├╝ber den Autoren Helmut Saiger erfahren Sie auf seiner Homepage.

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