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Die Angliederung Europas an die Dollarzone (Teil 1)

05/01/2016 11:03 CET | Aktualisiert 05/01/2017 11:12 CET
dpa

„Innerhalb dieses Systems gibt es keine Hoffnung. Dieses System ist komplett hoffnungslos. Es ist so offensichtlich kaputt, es funktioniert nicht für den Großteil der Menschen", sagt Meghan Remy, US-Sängerin. (1)

Bereits seit etlichen Jahren verschärft sich die Finanzkrise und gleichzeitig die soziale und wirtschaftliche Lage in allen hoch entwickelten westlichen Industrienationen. Die Bevölkerung verhält sich dabei wie der Frosch im Kochtopf, der sich zu Tode kochen lässt, ohne sich zu wehren.

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Die Menschen spüren zwar, dass etwas krass schiefläuft, können die Probleme aber nicht wirklich benennen. Die Medien sind bei der Klärung nicht hilfreich. Es wäre längst Zeit für einen großen Generalstreik, aber es geschieht nichts dergleichen, wir schauen wie das Kaninchen auf die Schlange.

Ist z.B. die Flut der Flüchtlinge Mittel zum Zweck? Einige Aspekte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise werfen Fragen auf: Der Krieg in Syrien ist bereits einige Jahre alt, - warum kommen die Flüchtlinge seit August plötzlich in so hoher Zahl?

Nur wenige Wochen später teilte die UN-Flüchtlingshilfe mit, dass die Lebensmittelhilfe für Flüchtlinge in Jordanien komplett eingestellt wird. Das Welternährungsprogramm hätte kein Geld mehr. Die Flüchtlingsströme sind allem Anschein nach nichts anderes als das Resultat der menschenverachtenden Politik von Regierungen, die sich dem Interesse der Finanzelite verschrieben haben und sich zynischer Weise als Wertegemeinschaft bezeichnen.

Wir exportieren Waffen und erhalten im Gegenzug Kriegsflüchtlinge

Wir exportieren Waffen und erhalten im Gegenzug Kriegsflüchtlinge, wir exportieren unsere Agrarüberschüsse und erhalten im Gegenzug Wirtschaftsflüchtlinge. Die Menschen in ihrem Elend werden nun als Schwarzer Peter und menschlicher Müll zwischen den Ländern hin und her geschoben. Niemand will sie haben. Aber die o.g. Exporte gehen weiter.

Auf einer Konferenz christlicher Intellektueller in Budapest erklärte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, dass Europa das Opfer eines Verrats sei und „uns weggenommen werde, wenn wir es nicht beschützen".

Orbán zufolge laufe Europa Gefahr, von gewissen Kräften „übernommen" zu werden und es könnten sich in der Zukunft möglicherweise „die Träume einiger Aktivisten erfüllen, denen große finanzielle Mittel zur Verfügung stehen; diese seien von niemandem gewählt worden, doch sie denken darüber nach, wie man die Nationalstaaten zum Verschwinden bringen könne ... ja, es gehe dabei um die Soros-Stiftung, präzisierte der Ministerpräsident. (2)

Der französische Soziologe Jean-Claude Paye: „Mit großer Heuchelei behaupten die europäischen Regierungen, der Europäischen Kommission ein Mandat gegeben zu haben, um die transatlantische Partnerschaft mit Washington unter Einhaltung der europäischen Vorschriften zu verhandeln. In Wirklichkeit hat aber (...) die Kommission den Auftrag, die Europäischen Gesetze in den Beziehungen mit den Vereinigten Staaten aufzuheben. Daher bedeutet das, dass in den Freihandelsabkommen jene Bereiche identifiziert werden, in denen die Europäer nicht mehr durch ihre eigenen Staaten geschützt sein werden." (3)

Lange hatte man den Verdacht, der Grund der Masseneinwanderung ist ein anderer, nachdem ein dänischer Parlamentarier und Tony Blairs Redenschreiber erklärt haben, der Grund sei ein politischer Wunsch, die Europäische Kultur zu zerstören, um einer neuen Weltordnung den Weg zu ebnen.

Dieser Verdacht wird nun von Peter Sutherland, ehemaligem EU-Kommissar und Vorsitzendem von BP und der WTO, im Vorstand der Bilderberg-Gruppe und einem Vorsitzenden von David Rockefelles Trilateraler Kommission und Rothschilds Goldman Sachs Bank, bestätigt: "Staaten müssen in Bezug auf die Menschen, die sie bewohnen, offener werden", "die Homogenität" der EU-Mitgliedsstaaten untergraben" und "auf der untersten Ebene sollte der Einzelne die Freiheit der Wahl darüber haben, ob er in ein anderes Land kommen möchte". (6)

Schon vor vielen Jahren war erkennbar, dass die Ressourcenkriege der von den USA geführten NATO und die geradezu kriminellen Wirtschaftsinteressen des Großkapitals Flüchtlingsströme auslösen würden. Systematisch wurden Staaten, die sich der Hegemonie des US-Dollars widersetzten durch Putsch destabilisiert, durch den IWF in die Abhängigkeit und Schuldknechtschaft getrieben oder schlicht ins Mittelalter zurück gebombt.

Dass sich dabei noch gut an den Waffenexporten - an denen Deutschland großen Anteil hat - verdienen ließ, war und ist ein willkommener Nebeneffekt. In vielen anderen Staaten wiederum wurde die Bevölkerung ihrer Lebensgrundlage beraubt, weil sie mit den aus dem Ausland gelieferten Billigwaren nicht mehr konkurrieren konnten.

Das Flüchtlingselend hat monetäre Hintergründe

Die westlichen Industrieländer, allen voran die USA, haben einen unstillbaren Energiehunger. Sie brauchen Öl und Gas für ihren Wachstumszwang. Weil die Geldmenge ohne Ende wächst, muss auch die Wirtschaft zwingend im Gleichschritt mitwachsen, tut sie aber schon lange nicht mehr. Daraus ergeben sich massive Probleme.

In 2010 befanden sich nach Berechnungen des Tax Justice Network zwischen 21 und 32 Billionen Dollar private Geldvermögen in Finanzoasen. Der US Ökonom und Nobelpreisträger Robert Shiller prophezeit einen drastischen Börsencrash. Nach Aussage von Schiller lassen sich die Aktienkurse nicht mehr durch die Unternehmensgewinne rechtfertigen. In der Realwirtschaft fehlt es an rentablen Anlagemöglichkeiten.

Die o.g. Gelder sind ca. ein Drittel der globalen Geldmenge, die im selben Jahr bei 55 Billionen lag - ein unvorstellbarer Skandal. Es ist Geld, dass der Realwirtschaft entzogen ist, es dient nicht mehr der Bevölkerung, diese balgt sich um den ständig schrumpfenden Rest. Es ist schlicht gehortetes Geld. Gleichzeitig haben europäische Banken unglaubliche 826 Milliarden Euro notleidende Kredite in ihren Büchern. (5)

Das System steht vor dem Kollaps, so wie die Sängerin Meghan Remy es oben gesagt hat. Die nächste Rezession wird kommen und wird sehr heftig werden, denn die Zentralbanken haben ihr Pulver längst verschossen und die Staaten haben sich zu planlosen Geisterschiffen entwickelt, die nur noch auf den Untergang warten.

Die EZB pumpt monatlich 60 Milliarden Euro, QE genannt, in die Finanzmärkte um sie über Wasser zu halten. Nach dem Gewerberecht müsste man von Insolvenzverschleppung sprechen. Es werden 50 Milliarden Euro in Griechenland, 70 Milliarden Euro in Irland, 40 Milliarden Euro in Spanien aufgebracht - ein Eurostaat nach dem anderen sieht sich gezwungen, seine Banken mit gigantischen Summen zu stützen, um damit die Verluste auszugleichen, die den Geldhäusern aus faulen Krediten entstanden sind.

Nicht das Flüchtlingselend, sondern die Bankenpleiten werden mit aller Macht verhindert. Nun weiß man, dass diese Geldfluten den Banken letztlich nicht helfen, denn für diese Geldmengen gibt es keine entsprechenden Wirtschaftsleistungen. Und um nur für einen einzigen Euro wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen, müssen inzwischen viele Euros als Kredit aufgewandt werden.

Hohe Wachstumsraten sind in der „entwickelten" Welt vorbei

Hohe Wachstumsraten sind in der „entwickelten" Welt vorbei. Inzwischen schätzen Ökonomen das potentielle Wachstum in der Eurozone auf unter ein Prozent. Bei dem Versuch, durch Zinssenkungen die Wirtschaft wieder anzukurbeln, stößt die Geldpolitik an ihre Grenzen.

Vorteile einer weiteren Leitzinssenkung würden gegenwärtig durch Bargeldhortung konterkariert. Statt aber weiterhin ein Wachstum zu beschwören, das nicht mehr kommen wird und aus ökologischen Gründen auch nicht mehr kommen sollte, könnten wir unser Geldsystem an die Situation anpassen.

Die Banken in Europa sitzen einer Studie zufolge auf einem riesigen Berg von Problemkrediten, laut Berechnungen betragen die notleidende Kredite in den Bilanzen 826 Milliarden Euro. Das QE der EZB habe die Aktienmärkte um 4 Prozent nach oben gebracht. Je höher man steigt, desto tiefer kann der Absturz sein.

Die Probleme wachsen im Gleichschritt mit den wachsenden Geldmengen. Das hektische Gelddrucken beschert den verantwortlichen Finanzpolitiker lediglich einen gewissen Zeitgewinn, es sorgt dafür, dass sich die Finanzmärkte immer weiter von der Realwirtschaft entkoppeln.

Das Geld in den öffentlichen Kassen ist alle, doch die Krise geht weiter. Das Einzige, was rekordverdächtig wächst, ist das Tandem Schuldenberge und Geldvermögen. Die Bevölkerungen verelenden, nicht nur in Griechenland, während die Finanzmärkte nicht wissen, wohin mit dem Geld.

Nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) werden die Staatsschulden in Europa ohne neue Sparpakete bis zum Jahr 2026 auf 150 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Erlaubt sind maximal 60 Prozent. Unglaubliche 25 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung hat die Staatengemeinschaft für die Rettung der Finanzwirtschaft aufs Spiel gesetzt - nicht etwa für die Rettung der Flüchtlinge.

Investmentbanker zocken, als sei nichts geschehen

Trotzdem stehen noch jede Menge Problemkredite in den Bilanzen, während die Investmentbanker schon wieder zocken, als sei nichts geschehen. Könnten die Zentralbanken nicht beliebig Geld drucken, sondern müssten sich bei der Liquiditätsausgabe dem Stabilitätsanker Gold unterwerfen, dann wäre ihr rein auf Kredit und Manipulation gebautes Machtsystem längst kollabiert.

Während die Staatsschulden aus den Steuergeldern der Bürger beglichen werden, müssen wir die Schulden bzw. die Kreditzinsen der Unternehmen indirekt als einkalkulierten Bestandteil der Produktpreise begleichen.

Um die Zinsen für die Staatsschulden zu begleichen muss jeder Staatsbürger umgerechnet jährlich ca. 1.100 Euro aufbringen. Für die Gesamtverschuldung sind es daher ungefähr 4000 - 5000 Euro. Also z.B. für eine 4-köpfige Familie ca. 16.000 - 20.000 Euro jährlich. Daraus ergibt sich, dass wir mindestens ein Drittel unserer täglichen Konsumausgaben für Kreditzinsen zahlen.

Diese versteckt enthaltenen Kreditzinsen stellen eine Art Zins- oder Schuldknechtschaft dar. Auch in den Steuern sind erhebliche Anteile an staatlichen Kreditzinsen enthalten. Klaus Regling, Direktor des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) bestätigte in einem Interview, dass Griechenland nicht auf eine umfassende Neuverhandlung seiner Schulden hoffen dürfe.

"Das von der Troika/Institutionen diktierte Memorandum lässt keinerlei Raum für politische Initiativen und reduziert die Souveränität des griechischen Staates auf ein Nichts. Daher sei das Land dazu verdammt, eine fortwährende Rente an seine Gläubiger zu zahlen und die wachsende Massenverarmung zu erfahren." (3) Die Schuldknechtschaft in Vollendung. Die Buchautoren Matthias Weik und Marc Friedrich nennen das den "größten Raubzug der Geschichte."

Der griechische Ministerpräsident Tsipras hat letztlich einen Vertrag akzeptiert, der noch ungünstiger für die griechische Bevölkerung war, als vor der Volksbefragung. Mehr noch, während er sich dem Diktat der EU unterwarf, erklärte er: „Ich glaube nicht an diesen Vertrag. Es ist für Griechenland und für Europa ein schlechter Vertrag, aber ich habe ihn unterzeichnen müssen, um eine Katastrophe zu verhindern"

Demokratie war gestern

Die Kraftprobe zwischen den Institutionen der EU und Griechenland hat eine Tragweite, die die planmäßige Verarmung dieses Landes übersteigt. Sie betrifft die Zukunft der Europäischen Union selbst. Erinnern wir uns daran, dass die Integration der EU in den künftigen großen transatlantischen Markt gleichbedeutend ist mit einer deutlichen Senkung der Kaufkraft und mit der Zerstörung der Freiheitsrechte der europäischen Bürger. Demokratie war gestern.

Tsipra's Ehre und sein Gewissen haben im Verhältnis zu seinen Verpflichtungen gegenüber den Finanziers wenig Gewicht - eine Folge des Memorandums, das von den „Institutionen" auferlegt und von der griechischen Regierung akzeptiert wurde.

"Die Gleichgültigkeit der Bevölkerung im Hinblick auf die inflationäre antiterroristische Gesetzgebung, durch die alle individuellen und öffentlichen Freiheiten unterdrückt werden, ist bis jetzt beruhigend für die europäischen und die nationalen Mächte. Zypern und Griechenland stellen zwei Laboratorien dar, die es den Lenkern der Europäischen Union gestatten, den Widerstand der Bevölkerung gegen massive Angriffe auf ihren Lebensstandard in der Praxis zu testen." (3)

Hier geht's zu Teil 2 und Teil 3 der Reihe "Die Angliederung Europas an die Dollarzone".

Anhang

(1) TAZ. Die Tageszeitung, 28.10.2015

(2) http://www.info-direkt.eu/duell-viktor-orban-george-soros/

(3) Jean-Claude Paye, geb. 1952, belgischer Soziologe und Autor. http://www.voltairenet.org/article189197.html

(4) (BBC News 21 June 2012 http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-18519395 und Balder Blog http://blog.balder.org/?p=1433).

http://derhonigmannsagt.wordpress.co...u-untergraben/

(5) http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/03/crash-gefahr-banken-in-europa-sitzen-auf-zu-vielen-faulen-krediten/

(6) www.querschuesse.de/europas-krisenpolitik-gunter-verheugen-warnt-vor-unregierbarkeit-und-verelendung/

(7) | t-online.de, AFP, rtr, dpa 31.08.2015

(8) EU Observer, 16.3.2009: http://euobserver.com/843/27778

(9) Buchauszug: „Was passiert, wenn der Crash kommt?" von Eberhard und Eike Hamer, Mittelstandsinstitut Hannover.

Kapitel „DER "WELTGELDBETRUG". 9. Auflage 2002, Olzog-Verlag, München

(10) http://julius-hensel.ch/, 1.7.2014 Teilstück eines Manuskripts - damit wir verstehen, was speziell hier in der BRD-GmbH

passiert Freitag, 21. Juni 2013

(11) http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2012/05/bilderberg-teilnehmerliste-2012.html

(12) 09.06.2012 Von Ralph Bollmann und Christian Siedenbiede, FAZ

(13) Markus Gärtner http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/wirtschaft-und-finanzen/markus-gaertner/apple-chef-tim-cook-die-naechste-generation-wird-bargeld-nicht-mehr-kennen.html

V.i.S.d.P.: Helmut Meer, Virchowstr. 24, 38642 Goslar, Mail/Telefon: 0532145306@t-online.de

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