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"Eine Spirale aus Nutzlosigkeit und Depression": So sieht das Leben f├╝r Langzeitarbeitslose in Deutschland aus

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ARBEITSLOSE
ullstein bild via Getty Images
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Menschen wie ich sind Spielverderber f├╝r all diejenigen Politiker, die in sch├Âner Regelm├Ą├čigkeit die wieder einmal gesunkenen Arbeitslosenzahlen bejubeln.

Im Juli waren 2,518 Millionen Menschen ohne Job - der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Es k├Ânnte also alles so sch├Ân sein.

G├Ąbe es da nur nicht uns, die Langzeitarbeitslosen. Jene knapp eine Million Erwerbslose, die einfach keinen Job finden.

Dabei lief bei mir lange Zeit alles nach Plan. Ich begann als technischer Zeichner, wurde dann Konstrukteur im Anlagenbau.

Bald leitete ich Projekte bei einem Rohrleitungsbauer und stieg sogar bis zum stellvertretenden Gesch├Ąftsf├╝hrer auf. 1994 schlie├člich meldete der Betrieb Konkurs an - und ich wurde arbeitslos, zum ersten Mal in meinem Leben.

Zwei bis drei Einladungen - im Jahr

Zun├Ąchst bedr├╝ckte mich der Umstand weniger, war ich doch gut vernetzt, hatte beste Referenzen. Ich schrieb reihenweise Bewerbungen - mehr als 200 waren es allein in den Jahren 2003 und 2004.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Merkel verspricht, sich besonders um Langzeitarbeitslose zu k├╝mmern - doch Sch├Ąuble schie├čt dagegen

Eingeladen wurde ich zu vielleicht zwei oder drei Gespr├Ąchen. Im Jahr. Absagen kamen daf├╝r reihenweise ins Haus. "├ťberqualifiziert" sei ich, es habe schlichtweg "bessere Bewerber" gegeben. Mit anderen Worten: Ich war zu teuer, zu alt, zu erfahren.

Ich versuchte einen Neustart, lie├č mich zum technischen Betriebswirt weiterbilden. Nahm schlie├člich an Arbeitsbeschaffungsma├čnahmen teil - und versetzte mir damit den Todessto├č.

Denn ABMs ├╝bersetzen Personaler in Betrieben gern mit "dem muss geholfen werden". Sprich: So einen wollen wir nicht. Bis 2005 konnte ich mich mit der Arbeitslosenhilfe und befristeten T├Ątigkeiten gut ├╝ber Wasser halten. 2005 kam dann das Hartz-IV-System, und es wurde richtig bitter.

Viele Langzeitarbeitslose f├╝hlen sich schuldig

Das Amt konnte mir in all der Zeit keinen einzigen Job vermitteln. Dennoch versank ich nicht in der Spirale aus Depression und dem Gef├╝hl von Nutzlosigkeit, die 95 Prozent der Langzeitarbeitslosen zerm├╝rbt.

Ich bin schon immer selbstbewusst gewesen und sagte mir: Nicht ich bin das Problem, sondern das System. ├ťber die Jahre eignete ich mir immer mehr Wissen an ├╝ber die M├╝hlen des Arbeitslosenamtes.

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Heute berate ich als Gewerkschafter andere Betroffene und engagiere mich politisch. Denn ich bin ├╝berzeugt: Wenn sich nichts ├Ąndert, werden nicht nur die Zahlen der Kurzzeitarbeitslosen wieder ansteigen.

In Deutschland wird Arbeitslosigkeit als individueller Fehler gesehen, damit f├Ąngt es an. Die Machtsymmetrie am Arbeitsmarkt ist vollkommen aus den Fugen geraten. ├ältere Bewerber werden abgelehnt, j├╝ngere ausgebrannt. Und die Hartz-Gesetze haben das Scheunentor f├╝r die Arbeitgeber ganz weit ge├Âffnet.

Arbeitsmarktinstrumente wie kostenlose Praktika, Leiharbeit und Werkvertr├Ąge m├╝ssen wieder einer gesetzlichen Kontrolle, die die Arbeitnehmer sch├╝tzt, unterworfen werden.

Seit 2014 hat mein Status als Unvermittelbarer ├╝brigens ein Ende. Ich bin seitdem Fr├╝hrentner. Eine Sorge weniger f├╝r die Politik.

Das ist die Situation der Langzeitarbeitslosen in Deutschland:

Ôľ║Die Agentur f├╝r Arbeit gibt an, dass 2016 im Jahresdurchschnitt 2,69 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet waren.

Ôľ║Rund 37 Prozent der Arbeitslosen waren ein Jahr oder l├Ąnger auf der Suche nach Arbeit.

Ôľ║Momentan ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen wieder zur├╝ckgegangen. Im Juni 2017 waren etwa 900 000 Menschen l├Ąnger als ein Jahr arbeitslos - etwa 100 000 weniger als vor einem Jahr.

Ôľ║Langzeitarbeitslose Menschen werden vielerorts nur unzureichend betreut. Nach der offiziellen Statistik der BA betreut zurzeit ein Mitarbeiter eines Jobcenters 129 Langzeitarbeitslose.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing Klartext.

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