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Wildtierfotografie - eine besondere Leidenschaft

30/09/2015 13:03 CEST | Aktualisiert 30/09/2016 11:12 CEST
Gabriela Staebler

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Gabriela Staebler ist mehrfach international ausgezeichnete Naturfotografin mit einem Faible für große Katzen. Sie ist viel auf der ganzen Welt gereist - hat ihr Herz aber an die wilden Tiere Afrikas verloren. Regelmäßig bricht sie zu Safaris nach Ostafrika oder in das südliche Afrika auf. Sie hat sich mit ihren ausdrucksstarken Fotografien und Publikationen international einen Namen in der Wildtierfotografie gemacht. Ihre beeindruckenden Arbeiten zeigt sie weltweit in Multivisionsshows. Engagiert spricht sie über Naturschutz und die Sinnlosigkeit des Tötens wilder Tiere, vor allem der Elefanten oder Nashörner zum Zweck der Bereicherung oder als wirkungslose Heilmittel.

Gabriela Staebler führt ein bewegtes Leben. Die Lust auf Abenteuer und ihre Neugier brachten sie zunächst in die Luft - viele Jahre arbeitete sie als Stewardess. Sie bereiste zahlreiche Länder und interessante Orte. „Überall auf der Welt habe ich mich umgesehen. Australien fand ich ganz toll. Griechenland - phantastisch."

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Keiner der Orte hielt sie dauerhaft. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem sie sich entschied, eine mehrtägige Reise in die Massai Mara in Kenia anzutreten. Dort traf sie Jonathan Scott, britischer Zoologe, Autor und Naturfotograf, der sich auf die afrikanische Tierwelt spezialisiert hatte. Er nahm sie mit auf seine Pirschfahrten. Konfrontiert mit der Wildnis, entdeckte sie inmitten überwältigenden Artenreichtums in atemberaubender Umgebung ihre wahre Leidenschaft: die Fotografie. Scott ermutigte sie, sich ganz ihrem Talent zu widmen und die „Fliegerei" an den Nagel zu hängen. "Letztlich bin ich in Afrika geblieben. Ich bin alleine herumgefahren und habe mir gedacht ‚genau das habe ich gesucht'."

Ein Traum wird Wirklichkeit

Nicht Hals über Kopf sondern wohl überlegt und geplant gab sie ihrem Leben eine neue Richtung. Nach und nach stellte sie sich eine professionelle Kameraausrüstung zusammen. Jede Gelegenheit nutzte sie, um wieder in die Massai Mara zu fahren. Die Fotografie hatte es ihr angetan „weil es mir einfach wahnsinnig Freude gemacht hat - viel mehr als in der Welt herumfliegen". Ihr Beruf als Stewardess half ihr dabei, mit einem sanften Übergang ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Seit über 28 Jahren ist sie als Fotografin weltweit unterwegs.

Getrieben von der Sehnsucht nach der Massai Mara und den Tieren zog sie eines Tages ganz alleine los. Das Handwerkszeug, wie man sich in der Wildnis verhält und Tiere in freier Natur fotografiert, hatte sie verinnerlicht. Über Angst dachte sie nicht weiter nach. Ausgestattet mit Zelt und Kameraausrüstung fuhr sie mit ihrem kleinen Geländefahrzeug durch die Massai Mara. Am liebsten zu Zeiten der „Great Migration" wenn Hunderttausende Gnus und Zebras aus der Serengeti in die Ebenen der Mara ziehen - und mit ihnen die Löwen und andere Jäger. Dann ist Gabriela Staebler auch heute noch gut vorbereitet zur Stelle. Seit 26 Jahren wird sie begleitet und unterstützt von Peter, ihrem Lebensgefährten.

Heute weltweit anerkannt

Nach zwei Jahren verdiente sie mit ihren Fotografien und Artikeln, die sie in Zeitschriften veröffentlichte, das erste Geld. Zunächst war sie nur tage- und wochenweise als Fotografin unterwegs. Doch Schritt für Schritt baute sie zugunsten der Fotografie die Phasen in ihrem sicheren Job ab. Nach etwa 10 Jahren war der Übergang geschafft.

Ihre Arbeit findet weltweite Anerkennung. Sie gewann zahlreiche Preise bei begehrten und weltweit anerkannten Fotowettbewerben, zum Beispiel mehrfach beim „BBC Wildlife Photographer of the Year" (Großbritannien), „Europäischer Naturfotograf des Jahres" (Deutschland), "Natures Best" (USA) und andere. Ihre Fotografien und Artikel erscheinen in renommierten Zeitschriften wie GEO, Nature's Best Photography, dem BBC Wildlife Magazine und weiteren. Sie stellt ihre Arbeit vor internationalem Publikum aus, hält Vorträge, gibt Workshops und zeigt Multivisionsshows.

Naturschutz und Artenvielfalt sind ihr wichtig

Vorträge und Multivisionsshows sind ihre Plattform, um über die Gefahr der Ausrottung ganzer Arten zu sprechen. Engagiert weist sie auf das Artensterben hin, wenn Gier und falscher Glauben an Heilmethoden so weiter wirken wie bisher. Tag für Tag werden Elefanten für ihr Elfenbein abgeschlachtet - über 5.000 Tiere pro Jahr. Aus den Stoßzähnen werden Dekorationselemente hergestellt. Nicht besser ergeht es den Nashörnern - deren Horn in Asien als Heilmittel gilt. Dabei besteht es aus dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel oder Haare.

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Auch ihre Beschreibungen über die Jagd auf Löwen stimmen nachdenklich. Im südlichen Afrika wird die Gatterjagd praktiziert. Löwen werden in menschlicher Obhut auf Farmen groß gezogen und sind an Menschen gewöhnt. Sie fristen ihr Dasein in Gattern und sind ein leichtes Ziel für zahlende Jagdtouristen, ohne eine Chance zur Flucht zu haben. Ganz klar drückt sie ihre Abscheu gegenüber dem sinnlosen Abschlachten wilder Tiere und der Trophäenjagd aus.

Die Seele der Savanne

Zahlreiche Bücher hat die Fotografin veröffentlicht, unter anderem kürzlich als Co-Autorin für National Geographic „On Location: Die Welt der Naturfotografie". Ihr Bildband „die Seele der Savanne" befasst sich mit den Gefühlen der Tiere. Ein Thema, das auch heute noch zu heftigen Diskussionen führt. Ein vergleichbares Buch gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht. Für Staebler Anlass genug, um anhand ihrer Fotografien das zu zeigen, was sie über viele Jahre auf ihren Safaris immer wieder beobachten und festhalten konnte: dass Tiere Empfindungen haben. „Das kann man beobachten, das kann man sogar bebildern". So entstand ein ausdrucksstarker Bildband, der seinem Namen alle Ehre macht.

Begegnungen mit großen Katzen

Eine besondere Affinität verbindet sie mit Großkatzen. Vor etwa 25 Jahren entstanden während einer Safari bezaubernde Fotos mit Geparden in der Massai Mara. Sie sind nicht nur die schnellsten Landsäugetiere, sondern auch sehr schlau und lernfähig. Damals näherte sich eine Gepardin mit ihren fast erwachsenen Jungen den Safari-Fahrzeugen. Sie waren die Autos und den Geruch von Menschen längst gewöhnt.

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Geparde nutzen Erhebungen in der Landschaft als Ausguck, um Beutetiere zu erspähen. Die Dächer der hohen Geländefahrzeuge waren willkommene Möglichkeiten für die Tiere, um sich einen guten Überblick zu verschaffen. Damit nicht genug - die Beutetiere identifizierten die Jäger auf dem Autodach nicht als potenzielle Gefahr. „Die Gazellen wussten ja gar nicht, dass in kurzer Entfernung (ein Gepard) auf dem Dach hockt." Die jungen Geparde ahmten ihre Mutter nach und plötzlich hatte Gabriela Staebler wilden Besuch auf dem Autodach - auf Augenhöhe. Gefürchtet hat sie sich nicht - im Gegenteil, sie fand es spannend, dass die Geparde an ihr und ihrer Ausrüstung schnüffelten und genoss ihre Gegenwart. „Ich fands toll - die haben sogar geschnurrt. Das fand ich super."

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Nicht jeder, der damals Geparden-Besuch bekam, behielt die Nerven. Lautes Schreien und schnelle Bewegungen verunsicherten die Jäger und es kam zu Wildunfällen. Heute sind derartige Begegnungen verboten - die Safaribesucher sind in der Massai Mara angehalten, sich mit dem Wagen zu entfernen, sobald die Tiere sich nähern.

Katzen sind die Favoriten

Eines ihrer schönsten Erlebnisse hatte sie eines frühen Morgens im Camp kurz vor dem Aufbruch - Löwen wollte sie fotografieren. „Katzen sind halt meine Favoriten. ... ich hätte eigentlich schon längst unterwegs sein sollen. Dann hab ich mir aber noch Kaffee gemacht am Feuer - und überleg so in welche Richtung fahre ich jetzt. Da kam eine Löwin mit zwei Jungen auf mich zu." Zwei Möglichkeiten gingen ihr durch den Kopf - entweder rennen, das wäre fatal gewesen oder stehen bleiben und ausharren. Zelt und Auto waren für einen Rückzug zu weit weg, das Zelt hätte ihr möglicherweise sowieso nicht geholfen.

Staebler blieb stehen und bewegte sich nicht. Auge in Auge mit der Löwin - die aufmerksam über das Treiben ihrer Jungen wachte. Sie zeigte keinerlei Angst oder Feindseligkeit. Für die Fotografin war es ein Moment, den sie sehr bewusst erlebte - nicht im sicheren Auto als Zuschauerin - sondern live „dabei", frei wie die Löwen und sehr verwundbar. Kräftemäßig war ihr Gegenüber klar im Vorteil. Sie haben sich eine Weile angeschaut, dann zog die Großkatze mit ihrem Nachwuchs friedlich weiter.

Gabriela Staebler ist sich bei all ihrem Mut und der starken Nerven, die sie bewiesen hat, bewusst, dass die Gefahr bei solchen Begegnungen immer da ist. Aus menschlicher Sicht verhalten sich wilde Tiere unberechenbar. Aus eigenem Antrieb hat sie sich nie in eine gefährliche Situation begeben. Ihre Begegnungen mit wilden Tieren geschahen zufällig. Die Nachahmung ihrer Erlebnisse empfiehlt sie nicht. „Mensch und Tier kann schon miteinander - nie würde ich es aber unterschätzen. Diese Sache mit den zahmen Tigern - Sigfried & Roy - habe ich nie unterstützt. Man blickt nie in den Kopf einer Raubkatze. Da passiert etwas, was sie verängstigt oder stört - da ist so viel Kraft. Also, ich unterschätze kein wildes Tier. Auch den Gepard nicht auf dem Dach."

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Safari kann auch anstrengend sein

Neben all den positiven und von Freiheitsgefühlen geprägten Effekten der professionell betriebenen Naturfotografie gibt es auch die weniger romantisch verklärte, anstrengende Seite. Stundenlanges Warten bei brütender Hitze, aufdringliche Fliegen und Staub, der auf der schweißnassen Haut klebt sind an der Tagesordnung - Durchhaltevermögen, Geduld und Ausdauer sind gefragt. Die Arbeitstage beginnen früh, wenn man das weiche Licht am Morgen für gute Fotos nutzen möchte und hören nach Sonnenuntergang nicht auf.

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Viel Zeit verbringt die Fotografin damit, Tiere zu beobachten und sich schöne Landschaften einzuprägen. Denn die Fotos, so sagt sie, entstehen meist schon im Kopf - lange bevor man den Finger am Auslöser hat. Wenn die Lichtverhältnisse stimmen, kehrt sie später zurück und „schießt" ihre Fotos. Abends müssen die Kameras gereinigt, die Fotos auf Speichermedien gesichert werden. Gekocht wird bei Staeblers, wenn alles andere erledigt ist. Da selten Strom zur Verfügung steht, gibt es wenig Ablenkung von der Natur. Dann sitzt die Fotografin mit ihrem Lebensgefährten am Lagerfeuer und lauscht den Stimmen der Nacht. So hört sie manchmal schon, wo sich am nächsten Morgen der Besuch zum Fotoshooting lohnen könnte.

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Wie kommt man von Großkatzen zu Stubentigern?

Nicht etwa aufgrund einer Phase der Reiseunlust oder weil das Interesse für Afrikas Tierwelt abgenommen hat. Kollege Zufall hatte vielmehr seine Hand im Spiel. Im Urlaub beim Segeln legte sie vor einigen Jahren mit ihrem Lebensgefährten im Hafen der griechischen Insel Hydra an. Dort fielen der Fotografin schnell die vielen Katzen auf. Sie befasste sich mit diesem Phänomen und fand heraus, dass es in den 80er Jahren ein großes Katzenproblem gab. Die Insel war in Verruf geraten, weil sie viele verwahrloste und halb verhungerte Katzen beherbergte, aber nicht ernähren konnte.

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Programme wurden aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Doch erst mit dem freiwilligen Engagement der Inselbewohner und der Gründung von „HydraArk", einer Nichtregierungsorganisation in 2007, begann sich das Blatt für die Katzen sichtbar zu wenden. HydraArks Ziel ist es, die Katzenpopulation auf der Insel zu kontrollieren und gesund zu erhalten. Die Tiere werden medizinisch versorgt und gefüttert. Besonders in den Wintermonaten ist dies sehr wichtig.

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Die sprunghafte Vermehrung und das Elend konnten weitestgehend eingedämmt werden. Hydras Katzen sind Dank der freiwilligen Helfer besser versorgt - aber Geld und Unterstützung werden immer benötigt. Mittlerweile sind die wilden Stubentiger auf Hydra zur Touristenattraktion geworden.

Auf ihren Wanderungen über die Insel entdeckte Gabriela Staebler, dass die Katzen aufgrund ihrer großen Zahl und ihrer Lebensumstände ihr Verhalten angepasst hatten. Staebler identifizierte bis zu sechs große Katzenrudel. Das ist ungewöhnlich, denn Hauskatzen sind Einzelgänger. Hydras Geschichte und die der Katzen berührten die Fotografin. Sie entschloss sich, die Arbeit von HydraArk zu unterstützen und veröffentlichte vor kurzem das Buch „Die Insel der Katzen - Hydra" (Edition Reuss).

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Über zwei Jahre hat sie an diesem Projekt gearbeitet. Neun Mal hat sie die Insel in dieser Zeit besucht. Auf etwa 250 Seiten sind 320 stimmungsvolle, schöne Fotografien von Hydra, den dort lebenden Katzen und anderen Bewohnern zu sehen. Gabriela Staeblers Honorar aus den Buchverkäufen kommt nach ihren Angaben zu 75% der Organisation HydraArk und damit den Katzen und anderen Tieren auf Hydra zugute.

Gabriela Staebler wurde im Allgäu geboren und lebt heute am Ammersee. Sie reist mit Zelt und Geländewagen durch Afrikas Wildnis, um Tiere und Landschaften zu fotografieren. Seit 1989 ist sie freiberuflich als Fotografin und Autorin für verschiedene Medien im In- und Ausland tätig.

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