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Warum Baobab den Ärmsten hilft

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BAOBAB
Baobab Stories
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Baobab Früchte

Der Baobab - im deutschsprachigen Raum auch als Affenbrotbaum bekannt - wächst in trockenen und kargen Gebieten südlich der Sahara in Afrika. Bis auf einige Ausnahmen kommt er dort in den meisten Ländern vor, so auch in Simbabwe. Das Land erlebt politisch und wirtschaftlich schwierige Zeiten und leidet seit Monaten unter einer Dürre.

Betroffen ist die ganze Bevölkerung - aber besonders hart trifft es die Ärmsten. Häufig leben sie in landwirtschaftlich weniger ergiebigen Gebieten mit schlechteren Böden. Sie haben neben der Landwirtschaft nicht viel, was ihnen Einkommen einbringen kann - und in Zeiten ohne Regen ist der Anbau ohnehin kaum möglich.

Genügsamer Zeitgenosse mit Nutzungspotenzial

Da kommt der Baobab gerade recht. Er ist ein genügsamer Zeitgenosse und braucht - trotz seiner Größe - wenig Wasser und Nährstoffe. Er wächst auf kargen Böden - gerade auch in den ärmeren Regionen Simbabwes.

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Baobab im Sammelgebiet

Früher nutzte die Bevölkerung fast alle Bestandteile des Baobab. Der Baum war wichtig für die traditionelle Medizin, lieferte Lebensmittel oder Rohmaterialien zur Herstellung von Haushaltsgegenständen, Pottasche und Seife. Die Blätter verzehrte man wie Spinat. Dank ihrer anti-viralen Eigenschaften wirken sie fiebersenkend.

Baobab ist die Superfrucht

Das Fruchtpulver ist reich an Nähr- und Ballaststoffen, Antioxidantien, Vitaminen und essentiellen Fettsäuren. Es fand Verwendung beim Kochen, in Getränken, als Süßigkeit für Kinder, als Treibmittel zum Backen oder zur Behandlung von Durchfällen. Über viele Jahre nahmen Verbrauch und Nutzung von Baobabs ab. Der Verzehr von Fruchtpulver wurde in Verbindung gebracht mit dem Leben auf dem Land, Rückständigkeit und Armut.

Neuerdings machen vor allem Fruchtpulver und Öl aus den gepressten Samen auf den internationalen Märkten von sich reden. Baobab ist auf Messen wie der „Biofach" in Nürnberg, der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, inzwischen gut vertreten und wird dort als „Superfrucht" gehandelt.

Ersehnte Einkommensmöglichkeit

Für die Kleinbauern und Sammlerinnen der Baobab-Früchte in den ländlichen Gebieten Simbabwes bietet der Aufschwung im Handel mit den Früchten eine ersehnte Möglichkeit, zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Die Bäume tragen auch in sehr regenarmen Jahren Früchte. Sie reifen am Baum und fallen von selbst ab, wenn der Reifungsprozess abgeschlossen ist.

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Baobab Sammlerin

Anders als bei Baumwolle oder anderen kapital- und ressourcenintensiven Produkten benötigt das Sammeln von Baobab Früchten keine weiteren Arbeitsmittel, Kapital oder teure Gerätschaften. Lediglich die Arbeitskraft der Sammler und der zeitliche Aufwand, um die reifen Früchte
einzusammeln, sind vonnöten.

Frauen profitieren am meisten

In den ärmeren Regionen Simbabwes sind es vor allem Frauen, die vom extra Einkommen durch Baobab Früchte profitieren. Oft sind sie alleine für die Versorgung ihrer Kinder verantwortlich, da sie alleinerziehend sind oder die Männer aufgrund ihrer Arbeit nicht mit den Familien leben können. Mit dem Zusatzverdienst aus dem Verkauf von Baobab-Früchten ist es ihnen beispielsweise möglich, das Schulgeld für ihre Kinder zu bezahlen und Lebensmittel oder Haushaltsgegenstände zu kaufen.

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Baobab Sammelstelle

Die Bevölkerung auf dem Land nutzt etwa 20% der Früchte immer noch für ihren eigenen Bedarf. Aus rein wirtschaftlichen Überlegungen bietet der übrige Anteil gutes wirtschaftliches Potenzial für die Vermarktung auf dem Binnenmarkt und für den internationalen Export.

Berücksichtigt ist dabei jedoch nicht, wie viele der Früchte mit ihren Samen in der Natur verbleiben müssen, um die Reproduktion der Baobabs zu gewährleisten. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte und steigenden Zahlen bei Rindern und Ziegen und dem damit zusammenhängenden Kampf um Lebensraum wird es für die Bäume schwieriger, sich erfolgreich zu vermehren.

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Baobab Sammlerin

Transport ist limitierender Faktor

Nicht jeder kann in Simbabwe Baobab Früchte einfach so einsammeln. Für gewöhnlich sind die Nutzungsrechte der Bäume genauestens geregelt. Üblicherweise nutzt eine Familie die Bäume auf ihrem Land. Selbst bei Bäumen, die auf Gemeindeland stehen, gibt es Regeln für die Nutzung.

Eine Sache ist das Sammeln der Früchte, eine ganze andere die Vermarktung. Direkter Zugang zu Märkten ist für die Sammler in den entlegenen ländlichen Gebieten ein limitierender Faktor. Die Wege sind weit und Transportmöglichkeiten für die Landbevölkerung eine ständige Herausforderung.

Vermarktung von Baobab Früchten

Da kommt in Simbabwe Gus le Breton ins Spiel. Er hat die meiste Zeit seines Lebens in Afrika verbracht. Seit den frühen 1990ern ist Simbabwe seine Wahlheimat. Er ist Ökologe und Ökonom und befasst sich seit vielen Jahren mit der Nutzung und wirtschaftlichen Verwertung indigener Früchte und Pflanzen für Binnen- und internationale Märkte.

Um exotische Pflanzen und Früchte wie beispielsweise den Baobab international „salonfähig" zu machen, hat der findige Unternehmer einige Initiativen erfolgreich auf die Beine gestellt. Er ist einer der Mitbegründer von Phytotrade, einer afrikanischen Organisation, die sich die Vermarktung afrikanischer Produkte auf dem internationalen Markt zum Ziel gesetzt hat.

Dem langjährigen Einsatz und finanziellen Engagement von Phytotrade ist es zu danken, dass Baobab 2008 für die Europäische Union letztendlich unter der Novel Food-Verordnung die Zulassung für den Handel erhalten hat. Seitdem darf das Baobab Fruchtpulver als Lebensmittel nach Europa eingeführt werden.

Außerdem hat Le Breton eine Firma gegründet, die den Sammlern auf dem Land in verschiedenen Regionen Simbabwes Baobab-Früchte abkauft, sie vor Ort abholt, Pulver und Öl extrahiert und die Produkte über Harare international vermarktet.

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Baobab Sammelstelle

Bio- & Fairtrade Zertifizierung

Le Breton engagiert sich aber nicht nur auf der Seite des Handels - er setzt sich auch für die Verbesserung der Situation der Menschen in den ärmeren Regionen Simbabwes ein. Zunächst sorgte er dafür, dass einige der Sammelgebiete, die ihn mit Baobab Früchten beliefern, eine Biozertifizierung erhalten haben.

Das ist nicht nur gut für die Vermarktung der Baobab-Produkte, sondern zahlt sich für die Kleinbauern auch in anderer Hinsicht aus. Zertifiziert wird nicht der Baobab, sondern das Land, auf dem er steht. Ist es einmal bio-zertifiziert, können andere Produkte wie beispielsweise Gemüse oder andere Wildfrüchte ebenfalls in Bioqualität produziert und geerntet werden.

Strenge Auflagen für Zertifizierung

Allerdings müssen die Produzenten sich an strenge Kriterien halten, da sie sonst das Bio-Siegel wieder verlieren. Damit sie die Auflagen einhalten und den größten Nutzen aus der Zertifizierung ziehen können, organisierte und finanzierte Le Breton über seine Firma Trainings und Workshops für die Kleinbauern und Sammler.

In einem weiteren Schritt erfolgte für seine Firma und einige seiner Baobab-Liefergebiete die Zertifizierung über Fairtrade. Le Bretons Firma und die zuliefernden Baobab-Sammler sind derzeit weltweit die einzigen mit dieser Zertifizierung.

Für die Sammlerinnen hatte die Fairtrade Zertifizierung mehrere Vorteile. Sie sind genossenschaftlich organisiert und haben dadurch eine bessere Verhandlungsposition für die Preise ihres Produkts. Die Zertifizierung garantiert den Bäuerinnen einen festgelegten Mindestpreis für ihre Ware - unabhängig vom Preis, der auf dem Weltmarkt gehandelt wird. Sie erhalten durch den Verkauf ihrer Ware zusätzlich Prämien, die sie als Gemeinschaft für Kindergärten, Gemeinderäume, Krankenhäuser oder Ähnliches einsetzen können.

Schutz der Baobabs trotz Fruchtsammlungen

Auch zur Nachhaltigkeit des Sammelns von Baobab Früchten und der Reproduktion von Baobabs hat Le Breton sich Gedanken gemacht. Über die Jahre hat er verschiedene Vorgehensweisen für die Aufforstung ausprobiert.

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Baobab Keimling

Aus seiner Sicht bringt es am meisten, wenn man bereits ausgekeimte Baobab-Samen dort schützt, wo sie auf natürliche Weise ausgekeimt haben. Dazu sind Trainings und bewusstseinsbildende Maßnahmen für die lokale Bevölkerung notwendig, denn von alleine überleben die kleinen Pflanzen in den ersten Jahren kaum. In dicht besiedelten Gebieten sind sie dem ständigen Verbiss von Ziegen und Rindern ausgesetzt und sterben meist frühzeitig ab.

Der kreative Geist hat sich eine weitere Methode ausgedacht, die die Reproduktion der Bäume unterstützen soll. Er verkauft kleine Baobabs auf Märkten in den Städten. Für jeden verkauften Setzling hat der Käufer einen weiteren Setzling bezahlt, der auf dem Land ausgepflanzt wird.

Für das Auspflanzen und die Pflege erhält der Besitzer auf dem Land einen kleinen Obolus als Aufwandsentschädigung und Anreiz, sich um den kleinen Baum zu kümmern. Normalerweise sind Baobabs nach drei bis fünf Jahren aus dem Gröbsten heraus und benötigen keine Pflege mehr.

Belebung der Binnenmärkte

Mit dem Handel von Baobab zielt Le Breton nicht nur auf die internationalen Märkte ab. Er möchte auch den Binnenmarkt in Simbabwe für Baobab beleben. In der Bevölkerung ist die Nutzung der Früchte - je nach Abstammung der Menschen - entweder unbekannt oder deren Verzehr verpönt und gilt als „rückständig".

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Transport von Früchten

Sobald es sich die Menschen leisten können, greifen sie zu „Convenience Food" - Fertiggerichten, „Fast Food" und „Soft Drinks". Das geht inzwischen messbar zu Lasten der Gesundheit. Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes sind auf dem Vormarsch.

Das Baobab-Pulver mit seinen gesunden Inhaltsstoffen wäre eine geeignete Gegenmaßnahme. Eine Trendwende für die Beliebtheit des Baobab im Binnenmarkt wäre nicht nur gesundheitsfördernd sondern könnte auch den ärmsten Teilen der Bevölkerung zu mehr Einkommen verhelfen.

More: www.baobabstories.com

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