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Affenbrotbaum: Darum ist fairer Handel der Superfrucht so wichtig

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Baobab

Der Baobab, in Deutschland auch als Affenbrotbaum bekannt, ist im Afrika südlich der Sahara weit verbreitet. Traditionell werden seine Blätter, Früchte, Samen und Rinde für unterschiedlichste Zwecke genutzt. Weil er für die traditionelle Medizin und für die Ernährung wichtige Bestandteile liefert, wird er auch Baum des Lebens oder Apothekerbaum genannt.

Weltweit kommt vermehrt Baobab Pulver auf den Markt. Es wird dank seiner wertvollen Inhaltsstoffe als „Superfrucht" gehandelt. Damit das Pulver in Europa verkauft werden kann, mussten zunächst die Einfuhrbestimmungen der Europäischen Union erfüllt werden. Seit 2009 ist Baobab Pulver offiziell zugelassen.

Der Import des Pulvers erfordert gute geschäftliche Beziehungen zu den Produktionsländern, gute Kenntnisse des lokalen Geschäftsgebarens, der Traditionen und der Möglichkeiten, die die Herkunftsländer bieten.

Fairer Handel und nachhaltige Geschäftsbeziehungen

Meinolf Kuper, Ökonom, und Dr. Heinrich Heinrichs, Pflanzenphysiologe, sind zwei Unternehmer in Berlin, die sich seit einigen Jahren dieser Herausforderung stellen. Sie blicken beide auf lange Berufserfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zurück, die früher Entwicklungshilfe genannt wurde.

Bewusst entschieden sie sich, ihre Arbeit aus einer neuen Perspektive, der des Handels, fortzusetzen. Mit dem, was von den Projekten in der EZ blieb, waren sie nicht zufrieden.

Sie analysierten Schwachstellen der Projektabläufe und kamen zu dem Schluss, dass Nachhaltigkeit am besten entsteht, wenn das Engagement nach Beendigung einer Projektphase nicht einfach aufhört.

Sie suchten nach einem Weg, wie das beiderseitige Interesse zur Zusammenarbeit bei allen Beteiligten weitergeführt werden könnte und erhalten bleibt. Der Handel schien beiden ein gutes Vehikel, um ihre Ideen voran zu treiben.

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Baobabfrucht, geöffnet

„Was hat Afrika, das die Welt braucht?"

In der Findungsphase gingen sie nicht der Frage nach „was braucht Afrika" sondern vielmehr „was hat Afrika, das die Welt braucht?" Diese Gedanken bilden für sie die Grundlage für Handel auf Augenhöhe - aber „nicht nur" Handel, sondern fairer Handel. So entsteht aus ihrer Sicht - und inzwischen auch Erfahrung - eine Zusammenarbeit, an der alle beteiligten Parteien ein Interesse haben.

Bereits während eines früheren Arbeitsaufenthalts in Tansania stieß Kuper durch eine glückliche Fügung auf Moringa (Moringa oleifera). Die Pflanze hat in Tansania optimale Wachstumsbedingungen und ist - wie der Baobab - bekannt für ihre gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Verwendet werden Blätter, Wurzeln, Samen und Blüten. Im Handel ist Moringa überwiegend als Pulver erhältlich.

Heinrichs war anfangs etwas skeptischer, ließ sich aber von den positiven Eigenschaften von Moringa überzeugen. Schnell fanden sich lokale Partner für die Zusammenarbeit. Vor etwa einem Jahr kam Baobab Fruchtpulver dazu.

Biozertifizierung und Premiumprodukte

Bevor es zu einer Zusammenarbeit mit neuen Lieferanten kommt, werden Proben von Baobab angefordert und akribisch ausgewertet. Die Biozertifizierung spielt dabei eine große Rolle. Die Produkte aus Afrika sollen sich aufgrund ihrer Qualität und nicht aus Mitleid verkaufen.

Für Kuper und Heinrichs ist als Qualitätskriterium wichtig: „das kommt aus Afrika und das braucht der Markt ... Wir würden nicht mit Kaffee oder Kakao beginnen. ... Das hat jeder." Baobab soll aber nicht nur dem Weltmarkt sondern vor allem auch der lokalen Bevölkerung Gutes tun.

Das Erreichen von Qualität braucht Zeit. Nachhaltige Geschäftsbeziehungen müssen langfristig angelegt sein, wachsen können und erfordern Geduld. „Echte" Partnerschaften baut man langsam auf. Es gibt immer Glücksritter, die den „schnellen Euro" machen wollen - aber das funktioniert bei diesen Produkten nicht, erklärt Heinrichs.

Zauberwort „Capacity Building"

Ein wichtiges Anliegen der beiden Unternehmer ist es, ihr Wissen vor Ort weiterzuvermitteln. Ein erwarteter Effekt der intensiven Zusammenarbeit ist „Capacity Building". Dabei handelt es sich um eine Form der Ausbildung, die Firmen vor Ort hilft, auf dem Markt konkurrenzfähig zu sein.

Gleichzeitig soll ihr Tun dazu führen, dass auch die Menschen in den Herkunftsländern die Vorzüge des Baobab wieder besser zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. In vielen Regionen gerät das alte Wissen um die heilsamen Wirkungen der Bäume nach und nach in Vergessenheit.

Mit ihren Aktivitäten leisten sie einen Beitrag, dass die Menschen das, was Gutes vor ihrer Haustür wächst, wieder schätzen und nutzen und letztlich auch schützen.

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Baobabfrüchte am Baum

Umweltschutz durch Mehrwert

Kuper hat auf einer seiner letzten Reisen in Tansania festgestellt, dass gerade die uralten Baobab Bäume in einigen Regionen abgeholzt werden. Die ewige Gier nach noch mehr Nutzflächen ist der Grund.

Ein Baobab braucht viele Jahre, um die ersten Früchte zu tragen und noch mehr, um seine gigantischen Formen zu entwickeln. Fällt ein Baum, ist das ein großer Verlust für das Ökosystem.

Mit der monetären Aufwertung der Früchte des Baobabs besteht die Hoffnung, dass die Menschen vor Ort die Bäume wieder wertschätzen, weil sie auf relativ einfache Art und Weise Einkommen daraus generieren können.

An eigenen Anbauflächen ist die Firma nicht interessiert. Sie steht auf dem Standpunkt, lieber mit Partnern vor Ort zu arbeiten - sei es mit etablierten Farmen oder genossenschaftlich organisierten Kleinbauern.

„Die können (das) besser als wir - wir sind hier, machen das Marketing, den Verkauf, was wir besser können." Inzwischen kommen die Produzenten für Moringa und Baobab aus West-, Ost- und dem südlichen Afrika ganz von selbst auf Kuper und Heinrichs zu.

Bringt Baobab mehr Einkommen?

Derzeit lässt sich noch nicht genau sagen, wie und in welcher Höhe sich das zusätzliche Einkommen auf die wirtschaftliche Situation der Kleinbauern und Sammlerkooperativen auswirkt. Überzeugt sind Kuper und Heinrichs aber davon, dass es den Menschen jetzt schon mehr Einkommen ermöglicht, als der Handel mit vergleichbaren Mengen an Kakao oder Kaffee.

Vom Baobab alleine können die Menschen aber zumindest in Tansania trotzdem noch nicht überleben. Die Früchte sind ein saisonales Produkt und werden nur einmal im Jahr geerntet. Auf Sansibar oder dem tansanischen Festland produzieren die Bauern hauptsächlich Baumwolle oder Gewürze. Baobab ist für sie im Moment noch ein Zubrot, bessert aber nichts desto trotz ihre Kassen deutlich auf.

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Meinolf Kuper, Dr. Heinrich Heinrichs (v. l.)

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