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Lost Places: Der Beelitzer Baumkronenpfad

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Blick auf den Aussichtsturm, Baumkronenpfad

Zur Spargelzeit ist Beelitz in der Region „in aller Munde", denn das EdelgemĂŒse belebt die Bekanntheit zumindest saisonal. Das könnte sich nun Ă€ndern, denn „Beelitz HeilstĂ€tten", ein Gemeindeteil der Stadt Beelitz, hat seit September eine neue Attraktion: der Baumkronenpfad „Baum & Zeit" verbindet ein faszinierendes Naturerlebnis mit Geschichte. Über 20 Meter hoch thront er ĂŒber einem Teil der Ruinen der ehemaligen Lungenheilanstalt.

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Erster Baumkronenpfad Brandenburgs

2007 erwarb ein privater Investor einen Teil des Waldes und der GebĂ€ude der HeilstĂ€tten. „Baum & Zeit" ist der erste Baumkronenpfad des Landes Brandenburg. Über 320 Meter erstreckt er sich nicht nur ĂŒber hunderte von Baumkronen sondern auch ĂŒber die von BĂ€umen bewachsenen Ruinen. Sieben Millionen Euro flossen in seinen Bau. Besonders beeindruckend ist der Blick auf den im zweiten Weltkrieg ausgebrannten Frauenpavillon.

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Beeindruckender Dach-Wald

Auf dem Dach der Ruine hat sich eine dicke Humusschicht gebildet. Dort lebt jetzt ein Wald. Die BĂ€ume sind nicht so hoch und krĂ€ftig wie ihre Artgenossen auf normalem Waldboden. DafĂŒr haben sie auch nur die ihnen auf dem Dach und im GemĂ€uer zur VerfĂŒgung stehenden NĂ€hrstoffe fĂŒr ihr Wachstum zur VerfĂŒgung. Üppig ist der Bewuchs trotzdem. Fast sieben Jahrzehnte hatte die Fauna auf dem Dach Zeit, sich zu ihrer heutigen Form zu entwickeln.

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Renaturierung der besonderen Art

Die Besucher können so nicht nur einen ungewöhnlichen Blick in die Baumkronen erhaschen, sondern einen „Renaturierungsprozeß" der ganz besonderen Art verfolgen. In schwindelerregender Höhe ist der Besucher Zeuge, wie die Natur sich den sich selbst ĂŒberlassenen GebĂ€udekomplex zurĂŒck erobert.

Selbst das Schwingen der Baumkronen im Wind kann man nachempfinden, denn die Stahlkonstruktion federt unter den Bewegungen der FußgĂ€nger mit. Schwindelfrei sein hilft - die Einblicke entschĂ€digen aber in jedem Fall fĂŒr das flaue GefĂŒhl in der Magengegend.

Wie leere Augen starren die unter den BĂ€umen verbliebenen Fensteröffnungen auf verschiedenen Etagen die Besucher an. Sie geben den Blick frei auf zerstörte InnenrĂ€ume und tonnenweise Bauschutt. Man kann nur erahnen, wie es frĂŒher in den KlinikrĂ€umen der prĂ€chtigen Jugendstil-Anlagen ausgesehen haben mag.

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Abenteuerspielplatz und Film-Location

Es verwundert kaum, dass das ĂŒber 60 denkmalgeschĂŒtzte GebĂ€ude umfassende GelĂ€nde viele Jahre als Abenteuerspielplatz und Szenerie fĂŒr alles Mögliche diente. Der verlassene Ort zog vor allem abenteuerlustige Jugendliche, Gruselfans und Partyvolk an. Mangelnde finanzielle Mittel zur Restaurierung und Absicherung sowie Vandalismus trugen ihren Teil zum weiteren Verfall der denkmalgeschĂŒtzten Anlage bei.

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Die interessante Architektur und der morbide Charme des Ortes sind auch heute noch beliebt bei Filmemachern und Fotografen auf der Suche nach „Lost Places". Unter anderem drehte Polanski Ausschnitte von „der Pianist". Szenen in „Operation WalkĂŒre" mit Tom Cruise sollen ebenfalls hier entstanden sein. Zu eher trauriger BerĂŒhmtheit gelangten die WĂ€lder um die Beelitzer HeilstĂ€tten zumindest temporĂ€r durch grausame Morde an zwei Frauen und einem SĂ€ugling.

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Tuberkulose-HeilstÀtten

Seinen Anfang nahm der GebÀudekomplex um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Die Bevölkerung Berlins litt unter einer Tuberkulose-Epidemie. Wirkungsvolle Medikamente wie Antibiotika gab es noch nicht. Die Behandlungsmöglichkeiten beschrÀnkten sich auf alternative Methoden. Zur einzigen damals bekannten und weitflÀchig eingesetzten Therapie zÀhlten Kuraufenthalte an der frischen Luft und gesundes Essen. Man setzte auf die generelle StÀrkung der Patienten.

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Innerhalb der Stadt boten sich kaum Möglichkeiten, die Bevölkerung vor der hoch infektiösen Krankheit zu schĂŒtzen und die Erkrankten angemessen gesund zu pflegen. Die Landesversichertenanstalt Berlin kaufte daher von der Stadt Beelitz zunĂ€chst etwa 140 Hektar WaldgelĂ€nde, die sie spĂ€ter aufgrund der hohen Nachfrage nach TherapieplĂ€tzen aufstockte.

Beelitz schien der ideale Standort. Es liegt etwa 50 Kilometer von Berlin entfernt und war gut an das Umland und die Hauptstadt angebunden. Mit seiner ruhigen Lage und der sauberen Waldluft bot es die besten klimatischen Voraussetzungen fĂŒr die Pflege der Patienten.

Wechselvolle Geschichte

Gebaut wurde im ersten Bauabschnitt in den Jahren 1898 bis 1902. ZunÀchst konnten 600 Patienten aufgenommen werden, streng nach Frauen und MÀnnern getrennt. In spÀteren Jahren erweiterte man die GebÀude - bis zu 1200 Patienten wurden behandelt. Die HeilstÀtten nahmen nur Erkrankte aus der Arbeiterklasse auf. Der TrÀger, die Landesversichertenanstalt, wollte die Arbeiter schnellstmöglich wieder in den Arbeitsprozess integrieren, um zu hohe Kosten durch ArbeitsausfÀlle und mögliche InvaliditÀt zu vermeiden.

WÀhrend des ersten Weltkriegs zog das Rote Kreuz in die Beelitzer HeilstÀtten ein und versorgte Verwundete. Unter ihnen befand sich 1916 auch Adolf Hitler. Ab 1920 fokussierte der Klinikbetrieb wieder auf die Behandlung von Tuberkulosepatienten. Auch wÀhrend des zweiten Weltkriegs dienten die HeilstÀtten als militÀrisches Lazarett.

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Nach 1945 gehörte das Gebiet zum militĂ€rischen Sperrgebiet der Sowjetunion. Es umfasste das grĂ¶ĂŸte MilitĂ€rhospital der sowjetischen Armee außerhalb des Landes. Das Kriegsgeschehen beschĂ€digte die GebĂ€ude zum Teil schwer. WĂ€hrend der Nutzung durch das sowjetische MilitĂ€r unterblieben VerĂ€nderungen an den GebĂ€uden weitestgehend. 1990 hielt sich der damals an Leberkrebs erkrankte Erich Honecker vorĂŒbergehend in den HeilstĂ€tten auf.

Nach der Wende wurde das Gebiet samt der Ruinen und intakten GebĂ€ude an die Stadt Beelitz zurĂŒck ĂŒbertragen. Nach Sanierungsarbeiten werden auf dem KlinikgelĂ€nde noch eine neurologische Rehabilitationsklinik, ein Parkinson-Fachkrankenhaus sowie eine Kinder-Rehaklinik betrieben.

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Schatten der Besucher auf der Ruine

Mehr Information zum Baumkronenpfad gibt es hier.

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