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Jane Goodall: Von Schimpansen und anderen Leidenschaften

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Jane Goodall betritt das große Gewächshaus und grüßt auf „schimpansisch". Das Publikum ist begeistert. Sie ist sympathisch, spricht kraftvoll und eindringlich. Mit ihren 81 Jahren ist sie präsent, voller Energie, charmant und witzig. Ihr Markenzeichen, der kleine Stoff-Affe „Mr. H.", ist wieder an ihrer Seite. Im Botanischen Garten in Berlin erzählt sie am 09.06. während einer Charity Veranstaltung Geschichten aus ihrem Leben, von ihrer Arbeit mit Schimpansen und ihrem Engagement als Umwelt-Aktivistin.

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Am 03. April 1934 wurde Jane Goodall in London geboren. Sie wuchs auf im Haus ihrer Großmutter in Bournemouth, an der Südküste Englands. „Tarzan" und „Dr. Doolittle" waren ihre ersten Lieblingsbücher.

FrĂĽh ĂĽbt sich: Von ihrem Hund hat Jane Goodall viel gelernt

Früh interessierte sie sich für die Natur und das Verhalten von Tieren. Durch ihren Hund „Rusty" bekam sie erste Einblicke in das Empfinden und Verhalten von Tieren. Von ihm habe sie mehr über Tiere und deren Persönlichkeit gelernt, als später an der Universität, erzählte die Wissenschaftlerin.

Ihre Mutter bestärkte sie darin, ihren Träumen zu folgen. „Meine Mutter hat nie über meinen Traum von Afrika gelacht - obwohl andere das taten." Nach dem Krieg war kein Geld für derartige Abenteuer da und Afrika in den Köpfen vieler Menschen immer noch der „schwarze Kontinent". Ein Vorhaben, wie Jane es sich vorgenommen hatte, war zu jener Zeit kaum vorstellbar.

Die List mit Gräsern und Ästen

Ihre einzigartige Karriere als Forscherin begann für die damalige Zeit außergewöhnlich. Sie strebte keine akademische Laufbahn an, sondern absolvierte im London der 50er Jahre eine Ausbildung zur Sekretärin.

Jane Goodall wollte mehr. Mit 23 Jahren erfĂĽllte sie sich ihren Traum und reiste nach Afrika. Sie folgte der Einladung einer Freundin und brach mit einem Schiff nach Kenia auf. In Nairobi nahmen die Dinge ihren Lauf. Dort lernte sie Louis Leakey kennen, der das Verhalten von Menschenaffen erforschte.

Von der Sekretärin zur Affen-Forscherin

Aus seinen Forschungsergebnissen schloss er auf die frühgeschichtliche Entwicklung von Menschen. Zunächst arbeitete sie für ihn als Sekretärin, später studierte, analysierte und dokumentierte sie in seinem Auftrag das Verhalten von Schimpansen im Gombe Nationalpark in Tansania.

Schimpansen benutzen bei der Futtersuche Werkzeuge. Mit Gräsern und Ästen angeln sie beispielsweise nach Termiten - bahnbrechende Erkenntnisse für die damalige Zeit. Bis zu diesem Zeitpunkt herrschte die Überzeugung, nur der Mensch könnte Werkzeuge einsetzen.

Jane Goodall gab ihren Forschungsobjekten Namen. Auch das war unüblich in Wissenschaftskreisen und wurde anfangs als nicht objektiv bemängelt. Immer wieder war sie aufgrund ihrer Vorgehensweise und der nicht vorhandenen akademischen Ausbildung den Angriffen von Kollegen ausgesetzt.

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1995 schuf sie für ihre Forschungen die notwendigen akademischen Fundamente. Sie promovierte mit einer Ausnahmegenehmigung an der Universität von Cambridge. Seit vielen Jahren gilt sie als Koryphäe der Schimpansenforschung. 1977 gründete sie das „Jane Goodall Institute for Wildlife, Research, Education and Conservation", dessen Ziel der Schutz bedrohter Schimpansen ist.

Private Tiefschläge

Im Privaten nimmt Jane Goodall immer wieder Rückschläge hin. Von ihrem ersten Mann, dem niederländischen Fotografen und Tierfilmer Hugo van Lawick ließ sie sich zehn Jahre nach der Hochzeit scheiden.

Ihr Sohn aus dieser Ehe schlug beruflich Wege ein, die eher wirtschaftlichen Interessen folgten: er gründete eine Firma für den Fang und Export von Hummern. Erst nach Jahren versöhnten sich Mutter und Sohn. Ihre große Liebe, Derek Bryceson, verlor sie nach fünf Jahren Ehe durch Krebs. In einem Interview vor einigen Jahren antwortete sie auf die Frage, was sie am liebsten in ihrem Leben vergessen würde: die Scheidung von ihrem ersten Mann, den Tod des zweiten Mannes und den Holocaust.

Von der Forscherin zur Aktivistin

1986 wechselte sie nach einer Konferenz in Chicago über den ethischen Umgang mit Tieren den Fokus ihrer Arbeit - von der Forscherin zur Aktivistin. Seitdem engagiert sie sich für den Tier- und Umweltschutz. Sie will Bewusstsein schaffen und erreicht mit ihren Aktivitäten Millionen von Menschen.

Weltweit hält sie Vorträge, initiiert und unterstützt zahlreiche Projekte. Unter anderem setzt sie sich für das „Great Ape Project" ein, das Rechte für Menschenaffen einfordert. 2002 ernannte Kofi Annan sie zur UN-Friedensbotschafterin. Sie hat Bücher über ihre Arbeit veröffentlicht und zahlreiche Auszeichnungen für ihr Engagement erhalten.

Das Geheimnis ihrer Energie und die Quelle fĂĽr ihre Hoffnung

Moderator Terry Martin erzählt, dass Jane Goodall in ihrem Alter nach wie vor 300 Tage im Jahr zu Vorträgen, Seminaren, Kongressen und zahlreichen anderen Veranstaltungen auf der ganzen Welt unterwegs ist.

Auf die Frage, woraus sie Energie und Hoffnung schöpft, gibt sie eine lange Antwort. Zum einen liebt sie Musik, die sie inspiriert und nährt. So oft es ihr möglich ist, hält sie sich an besonderen Orten in der Natur auf und genießt das harmonische Zusammenspiel von Eindrücken, Rhythmen und Klängen.

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Auch Jane Goodall kennt Tage, an denen Nettsein und Lächeln anstrengen und die Worte mühsam kommen. Doch mit leuchtenden Augen erzählt sie von Erfolgsmomenten, für die sich das Weitermachen lohnt.

Sie berichtet von einem ihrer Projekte in Tansania, das um den Gombe Nationalpark inzwischen 51 Gemeinden umfasst. Es hat bewirkt, dass sich die Waldfläche zum Wohl aller Lebewesen um das dreifache vergrößert hat.

Große Firmen konnten als Sponsoren für weitere Projekte gewonnen werden. Inzwischen werden in Tansania Solarlampen verkauft. Sie ersetzen umweltschädliche Brennstoffe, verbessern die Lichtsituation und liefern gleichzeitig etwas Strom.

Neue Schutzgebiete fĂĽr die Schimpansen

Große Freude bereiten ihr die neuen Schutzgebiete für Schimpansen. Drei Inseln hat die Regierung der Demokratischen Republik Kongo als neuen Lebensraum für verwaiste und in Gefangenschaft groß gewordene Schimpansen zur Verfügung gestellt. Erlöse, die sie durch Veranstaltungen rund um ihren 80. Geburtstag erzielen konnte, kamen dem Inselprojekt zugute.

Mut zur Hoffnung gibt ihr unter anderem das menschliche Gehirn mit seinen unglaublichen Fähigkeiten. Wir können sprechen und Pläne schmieden, vor allem innovative und intelligente Technologien entwickeln wie die Solarlampen, damit ein Leben in Harmonie mit unserer Umwelt möglich wird.

Auch die Fähigkeit der Natur, sich selbst zu heilen trägt zu ihrem Optimismus bei - in ihrem Leben hat sie viele positive Beispiele erlebt. Eines davon ist das Waldprojekt um den Gombe Nationalpark.

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Roots and Shoots - Wurzeln und Sprösslinge

Ganz besonders stolz ist Jane Goodall auf ihre 1991 in Tansania mit Kindern gestartete Aktion „Roots & Shoots" (Wurzeln und Sprösslinge). Inzwischen engagieren sich Millionen von Menschen jeden Alters in 136 Ländern in eigenen Natur- und Umweltschutzprojekten.

„Junge Menschen, die informiert werden und die Chance bekommen, etwas zu bewegen, und die merken, dass das, was sie tun, wirklich etwas in Gang setzt, können wahrlich die Welt verändern. Sie sind bereits dabei."

Begeistert erzählt sie über das Berliner Bienenhotel-Projekt, das am Nachmittag von zwei Roots and Shoots Gruppen in ihrem Beisein eröffnet wurde. Heutzutage denke man zwar global - viel wichtiger sei es jedoch lokal zu handeln.

Sie betont, dass jeder Mensch seinen Beitrag leisten könne - und sei er noch so klein. Die kritische Masse an Menschen, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen, müsse erreicht werden. Denn die Summe aller Beiträge mache den entscheidenden Unterschied zur Erhaltung der Vielfalt auf unserer Erde.

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Veranstalter des Charity Events waren das Jane Goodall Institut Deutschland und der Botanische Garten Berlin. Mitgewirkt haben Terry Martin (Moderation, Deutsche Welle), Lorenz Knauer (Filmemacher, Film „Jane's Journey"), Dr. Thomas Borsch (Direktor Botanischer Garten), Monica Lieschke (Geschäftsführerin, Jane Goodall Institut Deutschland) und Team, Wolfgang Netzer (Musiker, Musik zu "Jane's Journey") und Gabriele Mirabassi (Musiker, Musik zu "Jane's Journey").

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