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„Genesis" von Sebastiao Salgado - eine Hommage an unsere Erde

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Eisberg, Antarctic Peninsula, 2005, Sebastiao Salgado, Amazonas Images, Fotografie in der Ausstellung "Genesis", C/O Galerie Berlin

Arktische Eismassen, dichter Dschungel, endlose Dünen, mäandernde Flüsse, atemberaubende Gebirgszüge - mit Genesis, seinem aussergewöhnlichen Fotoprojekt - erschafft Salgado eine Hommage an unsere Erde. Er zeigt unberührte Natur und das Leben - indigene Völker, isoliert lebende Tierwelt, fast mystisch anmutende Pflanzen und sagenhafte Landschaften. Salgado hat für Genesis Gebiete dieser Erde bereist, die vor ihm nur wenige privilegierte Menschen je zu Gesicht bekommen haben. Auf seinen langjährigen Expeditionen dokumentierte er die letzten unberührten Winkel dieser Erde.

Entstanden ist ein monumentales und ästhetisch beeindruckendes Bilderwerk. Großformatig und überwältigend bezeugen seine Schwarz-Weiß-Fotografien die unbeschreibliche Schönheit und Artenvielfalt dieser Erde. Sie sind ein Appell an uns alle, das was an Ursprünglichkeit und Vielfalt noch existiert, zu bewahren.

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Pinguine, South Sandwich Islands, 2009, Sebastiao Salgado, Amazonas Images, Fotografie in der Ausstellung "Genesis", C/O Galerie Berlin

Gebannt vor monumentalen Fotografien

Schon die ersten Fotografien am Eingang zur Ausstellung in der Galerie C/O in Berlin ziehen in ihren Bann. Es fällt schwer, den Blick von den monumentalen Landschaftsaufnahmen zu lösen. Im Verlauf der Ausstellung scheint es fast, als schauten Möwen, Robben, Wale & Co aus den Bildern mit kritischem Blick auf den Betrachter zurück. In Genesis richtet Salgado seinen Fokus auf die Natur - nicht wie in den vielen Jahren davor auf den Menschen.

Sein Markenzeichen, die Schwarz-Weiß-Fotografie, jedoch behält er bei. Seine Fotografien bestechen durch feine Schattierungen, Hell-Dunkel-Kontraste und Grauabstufungen. Ruhige Komposition und klare Strukturen, Linien und Formen führen den Betrachter in seine Bildsprache ein.

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Elefant, Kafue Nationalpark, Sambia, 2010, Sebastiao Salgado, Amazonas Images, Fotografie in der Ausstellung "Genesis", C/O Galerie Berlin

Der lange Weg zu „Genesis"

Acht Jahre hat Salgado an seinem Genesis Projekt gearbeitet. Er unternahm 32 abenteuerliche Reisen bis ans Ende der Welt. Unterwegs war er mit Propellerflugzeugen, zu Fuß, per Schiff, im Kanu und im Fesselballon. Dabei bewegte er sich in klimatischen Extremen, unwegsamen Gebieten und fast immer fernab jeglicher Zivilisation.

Er bereiste die Galapagosinseln, die Antarktis, den Südatlantik und kam in isolierte und daher artenreiche Zonen wie Madagaskar, Sumatra und West-Papua, zum Polarkreis, nach Kamtschatka und zu den Ehrfurcht gebietenden Bergmassiven Alaskas. Er dokumentierte das Leben in Wüsten, Rentierherden im ewigen Schnee, Großwild in Afrika und Menschen wie die Dinka oder Korowai, die ihren traditionellen Lebensstil weiter verfolgen.

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Sebastiao Salgado, Fotografie von UNICEF/HQ 01-0123/Nicole Toutounji, C/O Galerie Berlin

Die Anfänge Seines Schaffens

Sebastiao Salgado kam 1944 in Brasilien zur Welt. Er wuchs zusammen mit sieben Schwestern auf der Farm seines Vaters auf. Damals spross üppiges Grün auf den Hügeln, die Rinder hatten ausreichend Weideland, Wald gab es genug. Die Kinder spielten am liebsten in der Nähe des Wasserfalls, der damals noch aus natürlicher Quelle gespeist wurde. Der Vater arbeitete hart, um dem Sohn das Studium an der Universität von São Paulo zu ermöglichen.

Salgado nutzte seine Chance und studierte bis 1967 Wirtschaftswissenschaften. Im gleichen Jahr heiratete er die Pianistin Lélia Wanick Salgado. Beide engagieren sich in Brasilien in der linken Bewegung gegen die Militärdiktatur. 1969 emigrierte das Paar nach Paris. Salgado schrieb dort seine wirtschaftswissenschaftliche Promotion und entdeckte nebenbei die Fotografie.

In London arbeitete er als Verwaltungsangestellter für die Internationale Kaffeeorganisation. Auf seinen Arbeitsreisen nach Afrika entdeckte er seine wahre Berufung - die Fotografie. 1973 machte er sich in Paris als Fotojournalist selbstständig. Um über die Runden zu kommen, nahm er unterschiedlichste Aufträge an.

Der soziale Aspekt der Fotografie

Doch wirklich reizvoll fand er den sozialen Aspekt der Fotografie. Er dokumentierte in selbst gewählten, weltweiten Langzeitprojekten Menschen am unteren Rand der Gesellschaft. Eindringliche Fotos in schwarz-weiß entstanden, die tief unter die Haut gehen. 1994 gründete Salgado zusammen mit seiner Frau die Agentur „Amazonas Images" in Paris. 1986 bis 1999 dokumentierte er das Ende des Industriezeitalters und globale Migrationsbewegungen.

Er begleitete Flüchtlinge und Vertriebene, hielt das Elend von Zuwanderern in den Megastädten der „Dritten Welt" fest. Umwelt- und humane Katastrophengebiete waren sein Metier. Er fotografierte Menschen während der Hungerkatastrophe in Äthiopien, den Genozid in Ruanda oder die katastrophalen Folgen der abbrennenden Ölfelder im Irak.

Unermüdlich reiste er von einem sozial-ökologischen Brennpunkt zum nächsten. Das hinterließ Spuren. Irgendwann hielt er den Irrsinn der menschlich erschaffenen Tragödien nicht mehr aus und brach zusammen. Sein Fazit aus diesen Jahren: „Wir verdienen es nicht zu leben, weil wir keinen Respekt vor der Natur haben, von der wir Teil sind. Wir haben keinen Respekt vor uns selbst".

Bäume - seine Rettung

Um zu heilen und das was er erlebt und gesehen hat, verarbeiten zu können, kehrte er auf die Farm seines Vaters in Brasilien zurück. Was ihn dort erwartete war eine neue Katastrophe. Das einst grüne und fruchtbare Land glich einer Wüste. Alles war trocken, der Wald längst verschwunden, ein paar magere Rinder zogen über die Farm, tiefe Erosionsrillen prägten das Landschaftsbild.

Wieder brachte seine Frau Lélia Inspiration und letztlich auch die Rettung in sein Leben: sie schlug vor, das Farmgelände aufzuforsten. Salgado griff die Idee auf und gemeinsam pflanzten sie über 2 Millionen Bäume.

Dann - aus der Krise heraus - startete er seine visuelle Ode an die Erde - mit Genesis zeigt er vollkommene Schönheit und unberührte Landschaft - das was nicht nur seiner Seele gut tut und was es zu erhalten gilt.

Das Salz der Erde

Gemeinsam mit seiner Frau engagiert sich der Fotograf in einem Umweltprojekt für die Aufforstung an der brasilianischen Atlantikküste. Salgado wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Eugene Smith-, Hasselblad- und dem Oskar Barnack-Preis. 2014 begleitete ihn und seinen Sohn Juliano Ribeiro Salgado der deutsche Filmregisseur und Fotograf Wim Wenders.

Aus diesem Projekt entstand der Dokumentarfilm „Das Salz der Erde". Der Film wurde 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes in der Sektion Un Certain Regard mit dem Spezialpreis ausgezeichnet. Außerdem erhielt er beim Filmfest in München 2014 den One Future Filmpreis der Interfilm Akademie und den Gilde-Filmpreis, ebenfalls 2014, für den besten Dokumentarfilm. Salgado lebt und arbeitet mit seiner Frau in Paris.

Die Ausstellung „Genesis" ist noch bis zum 16.08.2015 in der Galerie C/O, Hardenbergstr. 22-24, Berlin zu sehen.


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