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Ganzjährig untergärig: Bierfranken und seine Schätze

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Bamberger Altstadtpanorama

Sattgrüne Wiesen wechseln sich in hügeliger Landschaft mit leuchtendgelben Rapsfeldern ab - dazu heizt die Maisonne ordentlich ein. Am Nachbartisch unterm Sonnenschirm ertönt ein verheißungsvolles „Plopp". Verursacher ist ein fülliger Franke, der genüsslich eine Bügelflasche öffnet. Er gießt sich ein verlockend zischendes „Helles" ein. „Wir sind stolz auf unser Bier" tönt er im tiefsten Dialekt. Zufrieden hebt er das Glas zum Gruß und setzt die perfekte Schaumkrone an seine Lippen.

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"Märzen" auf Eis

Des Deutschen liebstes Getränk hat eine lange Tradition - vor allem in Oberfranken, das auch „Bierfranken" genannt wird. Von den bundesweit mehr als 1.300 Brauereien findet man über 620 allein in Bayern, davon wiederum 10 in Bamberg, der „Hauptstadt" des Biers und 90 im angrenzenden Umland.

Der Bamberger Bierkosmos

Neben den Brauereien, Braumanufakturen und Bierkellern gehören zum Bamberger Bierkosmos zwei Mälzereien und die weltweit älteste Brauereimaschinenfabrik. Die Brauereidichte ist enorm und besticht durch ihre Biervielfalt. Der Gerstensaft wird hier urkundlich dokumentiert seit über 900 Jahren gebraut.

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Altstadtspaziergang, Bamberg

Ausschließlich Malz, Hopfen, Hefe und Wasser ergeben in der richtigen Kombination und gut gebraut das flüssige Gold. So will es das Reinheitsgebot, das sich heuer zum 500. Mal jährt und auf den Erlass des bayerischen Fürsten Wilhelm IV zurückgeht. Selbstredend, dass sich in Bayern in diesem Festjahr alles ums Bier dreht. Kreative Köpfe aus Gastronomie und Marketing haben sich jede Menge zur Vermarktung des Jubiläums einfallen lassen.

Biervermarktung auf Hochtouren

Hotels und Gaststätten bieten Biergenuss-Arrangements und Bierverkostungen, das Stadtmarketing mit „Bierschmeckertouren" Entdeckungsreisen durch die Bamberger Brauereilandschaft, Vorträge und Bierstadtführungen. Über die Braukunst der Region erfährt man alles Wissenswerte im Fränkischen Brauereimuseum in Bamberg. Wem das nicht reicht, der kann an der Bierakademie ganz tief in die Materie „Bier" eintauchen.

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Gasthausschild "Schlenkerla"

Fast jeder Meter in Bambergs Altstadt überrascht mit einem Stück bierreicher Tradition. An alteingesessenen Schankhäusern lockt noch immer das „Fenster zum Glück" - dort holte man sich früher „Gassenbier". Für den Transport brachten Nachbarn und Gäste eigene Gefäße mit. Braumeister Brockard vom Brauereigasthof Greifenklau hat frisch Gezapftes schon in Eimer, Vasen und andere skurrile Gefäße zum Mitnehmen abgefüllt. Nur Nachttopf wäre noch keiner dabei gewesen.

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Glücksfenster, Braunes Bierhaus

Wer nach den kulinarischen Genüssen etwas für die Gesundheit tun möchte, radelt oder wandert sich die angetrunkenen extra Pfunde auf den eigens ausgetüftelten Bierwegen wieder ab. Dabei kommt man zum Nachfüllen des Flüssigkeitsverlusts automatisch an mindestens 50 kleinen Brauereien und idyllischen Bierkellern und -Gärten am Wegesrand vorbei.

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Zur Fahrradroute

Gärung - aus Versehen entdeckt?

Die Brautradition ist wesentlich älter als das Reinheitsgebot. Vor etwa 6000 Jahren beobachteten Sumerer, die auch die Keilschrift erfanden, den Gärungsprozess von Getreide möglicherweise zufällig an vergessenem Brotteig. Aus weiteren Experimenten mit anderen Getreiden entwickelten sich Vorformen des Brauens.

Mönche trugen im Mittelalter in Klöstern zur Perfektionierung der Braukunst bei. Das Bier kam ihnen dabei gerade recht. Besonders während der Fastenzeit umgingen sie dank seiner flüssigen Kalorien das strenge Fastengebot.

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Michalesberg mit Klosteranlage

Hauptnahrungsmittel Bier

Für weite Teile der Bevölkerung war es damals bereits Hauptnahrungsmittel. Nicht nur seines Geschmackes wegen, sondern weil sauberes Wasser nicht selbstverständlich war. Gebrautes Bier garantierte eine keimfreie und zudem auch für ärmere Schichten nahrhafte Flüssigkeitszufuhr.

Die Franken lieben auch heute noch ihr Bier. Sie schätzen es sehr, dass in fast jedem Dorf eine kleine Brauerei oder zumindest ein Wirtshaus lokales Bier ausschenkt. Es verwundert kaum, dass hier neben Feuer, Erde, Luft und Wasser das Bier fünftes Element ist.

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Brauerei Greifenklau

Das Reinheitsgebot und der „Craft Beer" Trend

Zum deutschen Reinheitsgebot kam es schließlich, weil man dem Bier verschiedenste und teils giftige Kräuter als Würze zusetzte. Sie lösten bei den Biertrinkern unter anderem Halluzinationen aus. Seit seiner Einführung verbietet es künstliche Aromen und Zusatzstoffe im edlen Gerstensaft.

Das „Craft Beer", ein Trend aus den USA, revolutioniert nicht nur in Deutschland den Biermarkt. Der Name besagt, dass das Bier von Hand hergestellt wird. Seiner ursprünglichen Idee zufolge steht es im Gegensatz zum industriell produzierten Bier für den Massenmarkt. In Städten wie Berlin sprießen Biermanufakturen wie Pilze aus der Erde und auch im eher Bier-konservativen Franken breiten sich innovative Bierkreationen seit Jahren aus.

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Hopfen

Interessant und außergewöhnlich kommen die neuen Bierhybride daher. In der Verkostung überzeugt ein Johanniter Pale Ale als Aperitif. Wein, in diesem Fall ein Riesling, wird dem Bier nicht nachträglich zugefügt, sondern ist Bestandteil des Brauprozesses. Das Pale Ale ist ein fruchtiges, kräftig-herbes Pils aus Groß Britannien und leicht bitter im Abgang. Zu diesem Hybrid inspiriert wurde Braumeister und Biersommelier David Hertl durch Einflüsse aus Afrika.

Wer sein Obst lieber flüssig konsumiert...

Für andere Geschmacksrichtungen braut man Craft Biere zusammen mit Obst, beispielsweise Heidelbeeren oder Grapefruit. Das sorgt für außergewöhnliche Geschmackserlebnisse und kann für die Geschmacksknospen auf der Zunge überraschend und zunächst gewöhnungsbedürftig sein.

Ganz verwegen kommt ein Bier mit dem Etikett „Motoröl" daher. Es ist mit selbigem nicht nur namentlich verwandt, sondern ist ihm auch von seiner Konsistenz erschreckend ähnlich. Es ist dunkel und rinnt zähflüssig ins Glas. Vergleichbar ist es mit englischem Stout oder Guinness, nur wesentlich stärker.

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Verschiedene Malzsorten

Das Malz wird dabei extrem geröstet, das Gebräu lagert drei Monate in Eichenholzfässern. Laut Biersommelier Hertl hat es holzige und Vanille-Noten und passt gut zu Kuchen. Für experimentierfreudige Bier-Liebhaber also ein „Muss".

Experimentiert wird derzeit an einem 10%igen „Domina-Stout" auf der Grundlage eines fränkischen Rotweins in Kombination mit einem Stout. Im Angebot sind auch „gestachelte" Biere und Eisbier.

Wer es beim geliebten Gerstensaft lieber „klassisch" mag, kommt in historischen Brauereigaststätten wie dem Ambräusianum, dem Schlenkerla, dem Greifenklau oder typischen fränkischen Bierkellern wie dem Spezial-Keller, dem Fässlakeller oder dem Wilde-Rose-Keller auf seine Kosten.

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Bügelflasche "Märzen"

Allein in Bamberg können Bierliebhaber über 50 ober- oder untergärige Biere verkosten, im Umland sogar mehr als 300. Zu den untergärigen Biersorten zählen das für die Gegend bekannte Rauchbier, Pils, Lager, Bock oder Märzen. Letztere werden allerdings nur zu bestimmten Jahreszeiten oder Anlässen eingebraut. Zu den obergärigen Bieren gehören Kölsch, Altbier, Berliner Weiße und Weizenbier.

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Biergarten "Greifenklau"

Bamberg auch ohne Bier eine Reise wert

Bamberg trug im zweiten Weltkrieg kaum Kriegsschäden davon. Damit trumpft die mitteleuropäische Stadt mit ihren etwa 72.000 Einwohnern auch heute noch. Der historische Stadtkern ist auf mittelalterlichen Strukturen aufgebaut.

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Blick auf Bamberg

Kaiser Heinrich II gründete das Bistum Bamberg im Jahr 1007 und erhob die Stadt damit zum Mittelpunkt seines Machtbereichs und gleichzeitig zum religiösen und politischen Zentrum. Die Stadtmitte erstreckt sich heute auf über 142 Hektar und bildet ein Trio aus den Stadtbezirken Berg-, Insel- und Gärtnerstadt.

Die Bergstadt repräsentiert vor allem Kirchen, Klöster und hochherrschaftliche Residenzen, die Inselstadt das bürgerliche Bamberg mit dem alten Rathaus inmitten der Regnitz und seinen Gewerbe- und Einkaufsstrukturen sowie die Gärtnerstadt, die Nahrungsmittel für die Bevölkerung produzierte.

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Altes Rathaus in der Regnitz, Bamberg

Fürstbischöfe im Barock

Seine zweite Blüte erlebte Bamberg zur Zeit des Barock. Bamberger Fürstbischöfe ließen die Stadt entsprechend des herrschenden Zeitgeistes im 17. und 18. Jahrhundert umgestalten. Dabei wurde das Fachwerk der älteren Bauten größtenteils übermalt. Die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes durch die UNESCO im Jahr 1993 bestätigte seine historische Bedeutung.

Bamberg und sein Umland nur auf die Vielfalt des Gerstensafts zu reduzieren wäre ein Fehler. Oberfranken bietet in schönster Natur allerhand kulturelle Schätze auf. Auch hier findet man repräsentative Bauten aus dem fränkischen Barock. Ein Abschnitt der Burgenstraße führt zu den Schlössern Greifenstein, Rentweinsdorf und Schloss Seehof.

Gerade während des Barock waren die Fürstbischöfe sehr darauf bedacht, architektonisch bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Neben ihren eigentlichen Wohnsitzen ließen sie prunkvolle Sommerresidenzen errichten.

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Schloss Weissenstein, Pommersfelden

Beeindruckende Bauten - aber ohne Tür

Schloss Weissenstein wurde von 1711 - 1718 maßgeblich von Johann Dientzenhofer gestaltet. Am Schloss gab es damals keine Außentüren - es war nur durch schmiedeeiserne Tore gesichert. Weil der eisige Wind in der kalten Jahreszeit durch die Gemäuer pfiff, konnte es nach der Fertigstellung nur etwa sechs Wochen im Jahr während der wärmsten Zeit im Sommer genutzt werden.

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Schloss Weissenstein, Speisezimmer

Da die Eigentümer das Schloss noch selbst nutzen, kann es nur während einer Führung besichtig werden. Besondere Highlights sind das aufwändig errichtete Treppenhaus nach Plänen von Johann Lukas von Hildebrandt sowie die Muschelgrotte. Sie soll den Besucher durch optische Tricks in Neptuns Unterwasserwelt entführen. Sehenswert ist auch die mehrere hundert Gemälde aus dem Barock umfassende Sammlung, für die der Bauherr Kurfürst und Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (1655 - 1729) verantwortlich zeichnet.

Der Schlossgeist darf nicht fehlen

Kleiner aber dennoch sehenswert ist Schloss Reichmannsdorf. Es wurde wie Schloss Weissenstein 1714 von Johann Dientzenhofer für Wolf Philipp von Schrottenberg, dem ersten Schlossherrn, als Sommerresidenz erbaut. Es ist kleiner und etwas weniger prunkvoll ausgestattet.

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Schloss Reichmannsdorf, Schlüsselfeld

Auch hier kann man während einer Führung allerhand über die Bauherren und das Leben in der damaligen Zeit erfahren. Die Innenausstattung von Schloss Reichmannsdorf ist noch so, wie sie von der Familie von Schrottenberg vor einigen Jahren verlassen wurde. Angeblich geht im Schloss die verstorbene Gemahlin des ersten Schlossherrn als Schlossgeist um. Bislang wurde sie aber noch nicht gesichtet.

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Schloss Reichmannsdorf, Innenansicht

Direkt ans Schloss grenzt ein Hotel, das in schönem Ambiente nicht nur Raum für Übernachtungen bietet sondern auch Tagungen, Hochzeiten und andere Events ausrichtet. Zu den Tagungsräumlichkeiten gehören Teile des Schlosses und in der alten Bibliothek kann geheiratet werden.

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Golfbälle, Schloss Reichmannsdorf

Wer beim Golfen Entspannung sucht, kommt auch auf seine Kosten. Direkt neben Schloss und Hotel lädt ein gut gepflegter 18-Loch-Golfplatz zum Spiel. Besonders im Frühling wird jeder Abschlag in Seenähe von einem Froschkonzert begleitet. Ein Storchenpaar komplettiert die Idylle. Es zieht in einem Nest auf dem Schlossdach in diesem Jahr wieder seine Jungen groß.

Auch auf Schloss Reichmannsdorf hat man sich mit dem Biergenuss-Arrangement ganz auf das Jubiläumsjahr des deutschen Reinheitsgebots eingestellt. Im alten Gewölbekeller lässt es sich vorzüglich speisen. Zu den Menüs werden passende Bierkreationen verkostet.

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Bierverkostung, Schloss Reichmannsdorf

Vielfältiges und bezauberndes Umland

Zum Bamberger Umland gehören das obere Maintal sowie Teile der Naturparks Steigerwald, der Haßberge und der Fränkischen Schweiz. Mehrere hundert Kilometer Rad- und Wanderwege durchziehen die Region, unter anderem der „Auenweg Obermain" oder der „7-Flüsse-Wanderweg".

Eine neue und von fern schon beeindruckende Attraktion hat seit März seine Pforten für Besucher geöffnet: der Baumwipfelpfad Steigerwald bei Ebrach. Mitten im alten Buchenbestand schraubt er sich über neun Etagen auf 41 Meter Höhe und bietet damit überwältigende Ein- und Ausblicke auf die grüne Lunge Wald.

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Baumwipfelpfad Steigerwald, Innenansicht

Passenderweise führt der „Methusalem-Wanderweg" direkt am Baumwipfelpfad vorbei, sodass man die alten Bäume nicht nur aus der Frosch- sondern auch aus der Vogelperspektive bestaunen kann. Der Pfad ist etwa einen Kilometer lang und mit Rollstühlen, Gehhilfen sowie Kinderwagen befahrbar.

Die Pressereise nach Bierfranken fand mit freundlicher Unterstützung der „Lindner Hotels und Resorts" und „Lindner Hotel Schloss Reichmannsdorf" statt.

Weitere Information:
www.bierstadt.de
www.stadt.bamberg.de
https://www.lindner.de/ Stichwort "Schlüsselfeld"
http://bierland-oberfranken.de/

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