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Ethische und ökologische Mode - Unsere Kaufentscheidung macht den Unterschied

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In Berlin findet derzeit die „Fashion Week" Sommer 2015 statt. Im Postbahnhof präsentieren sich Vorreiter und Trendsetter, Newcomer und Top-Player aus dem grünen und ethischen Segment der Modebranche dem internationalen Publikum. Nachhaltig produzierte Sommerkollektionen für Street- und Casualwear treffen den Zeitgeist und begeistern. Nichts ist geblieben vom Image des etwas angestaubten „Ökodesigns" vergangener Jahre. Neben den Ausstellern in zwei Hallen gibt es Shows und ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Podiums-Diskussionen und Pressekonferenzen.

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Veranstalter des Messe-Duos „Ethical Fashion Show" und „Greenshowroom" ist die Messe Frankfurt. Sie ist mit 46 internationalen Textilmessen in Europa, Amerika und Asien weltweiter Marktführer für Fachmessen im Textilbereich.

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Was macht diesen Teil der Fashion Week so besonders?

Gezeigt werden ökologisch und nachhaltig produzierte Produkte - von der Unterwäsche über Bekleidung und Schuhe sind auch Accessoires wie Knöpfe, Hüte, Taschen und Goldschmuck dabei. Besucher können sich direkt bei anwesenden Designern, Produzenten und Anbietern über Herstellungsweise der angebotenen Waren, Rohstoffe und Arbeitsbedingungen informieren.

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Ökologisch nachhaltig produzierte Mode liegt im Trend. Ein entsprechender Vortrag informiert darüber. Für Kunden ist es heute wichtig zu wissen, für welche Werte eine bestimmte Marke steht - damit sie sich mit ihr identifizieren können.

Wichtig ist für sie der Umweltschutz und sorgfältiger Umgang mit den Ressourcen, möglichst die Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Der Kunde möchte wissen, unter welchen Bedingungen seine Kleidung produziert wurde, ob schädliche Chemikalien eingesetzt wurden und ob die Kleidung gut für die eigene Gesundheit und die Natur ist.

Neue Technologien erlauben, dass natürliche pflanzliche Farben ohne gesundheitsschädliche Inhalte zum Einfärben von Stoffen verwendet werden können. Sie machen möglich, dass unbedenkliche Fasern und Material aus Rohstoffen zur Stoffproduktion gewonnen werden kann. Sie helfen auch dabei, bereits getragene Kleidung als neuen Rohstoff wiederzuverwerten und damit den Druck auf Ressourcen zu verringern.

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Faire Arbeitsbedingungen sind gefragt

Zunehmend bekommt auch Bedeutung, unter welchen Bedingungen die Menschen leben und arbeiten, die die Kleidungsstücke herstellen. Ein Vortrag von Vera Köppen (Fair Wear Foundation Deutschland) verdeutlicht die Arbeitssituation von Arbeitern und Arbeiterinnen in der Textilindustrie, vor allem in armen Ländern.

Es geht nicht mehr nur um die Erreichung von „minimal Wages" (Mindesteinkommen) sondern darum, Löhne für die Arbeitenden zu erreichen, die auch zum Leben reichen. Die Kleidung, die produziert wird, soll für die Produzierenden faire Arbeitsbedingungen schaffen. Dazu zählen neben der fairen Entlohnung auch die Sicherheit am Arbeitsplatz und eine bessere „Work-Life-Balance".

Von Interesse sind der Schutz beim Einsatz von schädlichen Chemikalien - sofern diese bei ökologisch nachhaltig produzierten Textilien überhaupt eingesetzt werden dürfen, Vertragssicherheit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Schutz vor sexuellen Übergriffen an den Arbeitsplätzen und angemessene Arbeitszeiten. Moderne Zwangsarbeit oder Knebelverträge mit den Beschäftigten sollen ausgeschlossen und die Löhne regelmäßig und zuverlässig ausbezahlt werden.

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Mode ohne Tierische Produkte

Gerade im ethischen Segment interessieren sich Kunden zunehmend für vegan produzierte Kleidung. Auf der Messe ist gerade dazu viel Neues und Innovatives zu sehen. Eine Einkäuferin aus Regensburg berichtet, dass ihr die Kundinnen vegan hergestellte Schuhe geradezu aus den Händen reißen.

Die Designs auf der Messe sind vielversprechend und kommen deutlich modischer daher als noch vor einigen Jahren. Bei vegan hergestellten Schuhen wird nicht nur darauf geachtet, dass ohne Leder produziert wird, sondern auch keine weiteren tierischen Produkte, wie beispielsweise im konventionellen Kleber enthalten, verwendet werden.

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Kork: ein Fußboden oder meine neue Jacke?

Interessant sind die vielen sehr innovativen Materialien, die auf den Markt kommen. Ansprechende Taschendesigns aus dem nachwachsenden Rohstoff Kork sind seit einiger Zeit auf dem Markt. Nun sind auch schöne Schuhdesigns und sogar Jacken in Lederoptik aus Kork zu finden.

Wer Kork nur von Fußböden kennt, wundert sich. Das Material ist erstaunlich weich, glatt und fühlt sich warm an. Eingefärbt in Schwarz sieht man erst auf den zweiten Blick, dass es sich nicht um Leder sondern um Kork handelt.

Mode aus dem Holz der Buche

Über das Holz der Buche kann neu nachgedacht werden: auf der Messe findet sich ein Anbieter, der Unterwäsche und T-shirts aus Buchenholz zeigt. Auch hier überrascht wieder, wie weich sich das Material anfühlt - fast wie Seide. Dazu hat es weitere Eigenschaften, die überzeugen: bei der Herstellung der Shirts wird weniger Wasser verbraucht als bei Baumwollshirts.

Bekleidung aus Buchenholz wird beim Schwitzen nicht so nass wie Baumwolle, denn sie leitet das Wasser wie Funktionswäsche nach außen ab. Leider ist ein T-shirt aus dem Rohstoff Buche eher teuer und kostet derzeit noch etwa 40 Euro.

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Aus anderem „Holz geschnitzt" ist eine pfiffige Handtaschenkollektion aus den Niederlanden. Sie folgt dem Prinzip, dass das Produkt nach der Nutzung komplett abbaubar ist und außer zwei Schrauben nichts von ihm übrig bleibt. Das Grundmaterial ist Kokosfaser, die aus der Kokosnuss gewonnen wird.

Ökologisch abbaubarer Kleber hält die Fasern zusammen. Sogar der Verschluss ist natürlich: eine ineinander verschiebbare Leiste aus dem Holz der Walnuss. Insgesamt ein sehr leichtes und ansprechendes Produkt, in dem auch ein Laptop transportiert werden kann.

Müll: nicht nur recyceln sondern aufwerten

„Upcycling" ist auch in der Modebranche angekommen. Bekannt ist der Ansatz schon seit längerem in der Welt der Möbel und anderer Gegenstände. Beim Upcycling geht es darum, aus „alt" „neu" zu machen. Scheinbar nutzlose Stoffe oder Abfallprodukte werden zu neuwertigen Produkten umgewandelt - bei dieser Form des Recyclings kommt es zu einer Aufwertung des ursprünglichen Produkts.

Die so herbeigeführte Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material reduziert den Verbrauch von neuen Materialien. Beispielsweise nutzt eine finnische Designerin Hotelbettwäsche aus Deutschland. Bislang wurde die alte Bettwäsche „nur" zur Teerherstellung im Straßenbau oder als Lappen für Werkstätten recycelt.

Jetzt erfährt sie „Upcycling" indem sie zu Röcken, Jacken und Taschen aufgewertet wird. Auch alte Nylonstrümpfe finden ihre Verwendung. Zu dünnen Ringen zerschnitten zieren sie ein dekoratives Abendkleid. Für die Tragegriffe ihrer ansprechenden Handtaschen verwendet die Designerin ausgediente Sicherheitsgurte.

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Was ist uns die Mode wert?

Der Trendvortrag von Stefan Siegel (Not Just a Label) zeigt auf, dass heutzutage Mode konsumiert wird, sehr schnelllebig daher kommt und entsprechend günstig sein soll. Eine Umfrage in Großbritannien ergab, dass T-shirts im Durchschnitt vier Mal getragen werden, um dann im Müll zu landen.

Sie werden nicht weitergegeben oder dem Recycling zugeführt, so Siegel. Er führt weiter an, dass auf der Designerplattform, die er ins Leben gerufen hat, auch diesbezüglich ein neuer Trend festzustellen ist: Menschen möchten Kleidungsstücke besitzen, deren Herkunft sie genau kennen, die ihre Individualität betonen und die auf längere Nutzbarkeit ausgelegt sind. Sie möchten sich mit den Werten, für die eine Herstellerfirma steht, identifizieren können.

Im Prinzip heißt das weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu dem, was wir von der Kriegsgeneration noch kannten - auch wenn die Menschen damals aus anderen Gründen Kleidungsstücke so lange wie möglich nutzten. Menschen sind bereit, für den Mehrwert, den sie bekommen, auch mehr zu bezahlen, meint Siegel.

Auffällig und erfreulich ist, dass sich im Segment der ethischen Modewelt viele junge Modelabels von jungen Menschen wiederfinden. Sie sind überzeugt von ihren Produkten, haben viel Herz und Ressourcen investiert und es teils in sehr kurzer Zeit geschafft, mit ihrem Angebot auf dem wachsenden "ethischen" Modemarkt zu landen.

Es wäre schön, wenn die „Trends" und Innovationen, die auf der „Ethical Fashion Show" und dem „Greenshowroom" zu sehen und zu fühlen sind, bald in den Mainstream gelangen und mehr und mehr Menschen anfangen, sich Gedanken darüber zu machen, woher ihre Kleidung stammt, wie sie hergestellt wird und was das für die Herstellenden und die Umwelt bedeutet. Weg vom bloßen Konsum, hin zu besonderen und dabei erschwinglichen Kleidungsstücken, die man gerne trägt, pflegt und am besten „ewig" hat.


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