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Brescia - Kleinod in der Lombardei

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Capitolium, römisches Forum

Brescia ist eine durch ihre Vielfalt geprägte, geschichtsträchtige Stadt und gleichzeitig Italiens drittgrößter Industriestandort. Ihre über drei Jahrtausende umspannende Geschichte kann an vielen Orten nachvollzogen werden.

Der historische Stadtkern zeigt auf engem Raum eine ungewöhnliche Mischung aus breiten Laubengängen, mittelalterlichen Gässchen, römischen Tempeln, typischer Faschismusarchitektur und architektonischen Elementen aus der Renaissance, des Barock, des Klassizismus und der venezianischen Herrschaftszeit.

Neben dem Erhalt der baulichen Denkmäler fördert die Stadt kulturelle Events wie die Festa dell Opera, die „Le X Giornate", sowie das Mille Miglia, eines der wichtigsten Oldtimerrennen weltweit. Unweit von Brescia liegt die Franciacorta, eine Region, die dank ihrer ausgezeichneten Schaumweine viele Besucher anlockt.

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StraĂźenansicht, Brescia

Brescia, ein im Vergleich zu berĂĽhmten Orten wie Venedig oder Mailand weniger bekanntes Juwel, liegt malerisch an sanft auslaufenden HĂĽgeln in der Lombardei Italiens - strategisch gĂĽnstig zwischen Mailand und Verona. Es bildet eine ideale Basis fĂĽr AusflĂĽge in die Region, denn der Gardasee ist etwa 20 Autominuten entfernt und Venedig erreicht man in nur 1,5 Autostunden.

Industrie und Kultur - eine stilvolle Mischung

Bekannt geworden ist Brescia durch seinen Erzabbau - vor allem Eisenerz - und die daraus resultierende Industrieansiedlung. Auch heute noch bilden der Maschinenbau und die Waffenproduktion die wirtschaftlichen Hauptpfeiler der Region und sind an der Peripherie der Stadt angesiedelt. Die größte und älteste Waffenschmiede Italiens mit dem klangvollen Namen Beretta stellt seit dem 16. Jahrhundert ihre Gewerke im nahegelegenen Val Trompia her.

Heute werden zwar keine Erze mehr abgebaut aber die Industrie ist Brescia geblieben. Das Einzugsgebiet des Standorts hat mehr als 350.000 Einwohner. Er gilt auch heute noch als der drittgrößte Italiens. In Brescia selbst leben etwa 200.000 Menschen. Dank der Industrie zieht die Stadt viele Arbeitskräfte an. Verglichen mit anderen Städten in Italien hat Brescia mit rund 19% einen der höchsten Anteile an Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung.

Historische Highlights einer alten Stadt

Brescia blickt nicht nur auf eine lange industrielle Entwicklung zurück, sondern hat auch aus archäologischer, kultureller und kunsthistorischer Sicht erstaunlich viel zu bieten. Die sehenswerten Kulturdenkmäler im historischen Stadtkern liefern ein nahezu lückenloses Zeugnis von über 3000 Jahren Geschichte. Nicht nur Kelten, Römer, Langobarden und Venezianer hinterließen ihre Spuren. Die Region erlebte verschiedene Kriege und stand zeitweise unter dem Einfluss von Franken, Spaniern und Österreichern.

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Innenhof Klosteranlage San Salvatore - Santa Giulia

Eine besondere Bedeutung für Brescia hat der klösterliche Gebäudekomplex von San Salvatore - Santa Giulia. Langobardenkönig Desiderius errichtete zusammen mit seiner Frau Ansa im 8. Jahrhundert das Benediktinerkloster San Salvatore. In diese Zeit fällt eine Phase der massiven Christianisierung. Das Kloster entwickelte sich zu einer bedeutsamen regionalen und politischen Instanz.

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Innenraum San Salvatore, Ansicht mit Nonnenchor

Später wurde der Name des Klosters zu Ehren von Giulia, einer Märtyrerin aus Karthago, erweitert zu San Salvatore - Santa Giulia. Seit 2011 wird die Klosteranlage zusammen mit Bereichen des römischen Forums auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes geführt.

Das ehemalige Kloster beherbergt heute im Museo Santa Giulia Teile des Kulturguts der Stadt aus über drei Jahrtausenden und gehört zu den wichtigsten Museumsanlagen Norditaliens. Unter dem ehemaligen Klostergarten legte man bei Ausgrabungen zwei gut erhaltene Fundamente römischer Häuser frei.

Sie sind zusammen mit besonders schönen Mosaikfragmenten aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. in die Architektur des Museums integriert und zu den Öffnungszeiten zu besichtigen.

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"Vittoria alata"

Auch das Wahrzeichen von Brescia, Vittoria, die römische Göttin des Sieges, steht im Museum. Die Bronzestatue entstand nach dem Sieg Vespasians über Judäa im Jahr 71 n. Chr. und wurde bei den Ausgrabungsarbeiten am römischen Tempel gefunden. Wichtige Funde aus der Langobardenzeit und dem frühen Mittelalter sind das reich mit Gemmen und Edelsteinen besetzte Kreuz des Desiderius (8./9. Jahrhundert) und eine aus Elfenbein gefertigte Reliquienkassette, die so genannte Lipsanothek, aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Beeindruckend in ihrer vielfältigen Ausstattung und ihrem Erhaltungszustand sind auch die drei zur Klosteranlage gehörenden Kirchen.

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Kreuz des Desiderius mit Edelsteinen und Gemmen

Obwohl Brescia massive Zerstörungen im zweiten Weltkrieg hinnehmen musste, blieb der Stadtkern sehr gut erhalten. Die alte Architektur ist geschmackvoll durchmischt mit Bauwerken jüngeren Datums. In angenehmer Atmosphäre gelangt man durch enge mittelalterliche Gassen und breite Laubengänge zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Sie sind hauptsächlich auf vier Plätzen verteilt: der mittelalterlichen Piazza Paulo VI, der sich westlich anschließenden Piazza della Loggia (Renaissance und venezianische Einflüsse), der Piazza del Foro (archäologische Spuren aus der Römerzeit) und der Piazza Vittoria (neuzeitlich, Mussolinis Einfluss). Ein weiterer wichtiger Anlaufpunkt für Sehenswürdigkeiten ist die weiter östlich gelegene Museumsstraße Via dei Musei.

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Piazza della Loggia mit gleichnamigem Palazzo

Neben archäologischen Schätzen, Museen und zahlreichen Kirchen beherbergt Brescia auch das Teatro Grande. Von außen wirkt das Theater eher unscheinbar. Dafür ist sein Innenraum einer der Schönsten in Oberitalien. Zu Ehren Napoleon Bonapartes sollte es zunächst Il Grande Teatro heißen und sich so auf "den Großen" beziehen.

Napoleon konnte es nicht einrichten, bei der Eröffnung anwesend zu sein. Die Stadt war enttäuscht und strich das „Il" aus dem Theaternamen. Innen ist es im Empirestil gestaltet, hat fünf Ränge und ein Foyer mit Fresken. Das Haus hat sich dank seiner hochkarätigen Operninszenierungen und Konzerte einen Namen gemacht.

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Teatro Grande, Innenraum

Wichtige Events in Brescia

Bislang finden vor allem Geschäftsleute ihren Weg nach Brescia. Sie nutzen die Stadt als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. Brescia bemüht sich darum, sein Image als Industriestadt um die feinen Künste und als archäologisches Zentrum in Oberitalien zu erweitern.

Viel wird in den Tourismus investiert, um die Gäste in der Stadt zu halten. Erstklassige Events wie beispielsweise das Festa dell Opera oder das Musikfest „Le X Giornate" wurden ins Leben gerufen. Letzteres bezieht sich auf die zehn Tage des erbitterten Kampfs gegen die österreichische Besatzung im 19. Jahrhundert. Ihr Freiheitskampf trug der Stadt den Beinamen Leonessa d'Italia (Löwin Italiens) ein.

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"Le X Giornate", Musikfestival

Brescia gilt zudem als die Wiege des italienischen Motorsports. Bereits 1899 war es Ausgangspunkt für Autorennen. Ab 1927 fand zum ersten Mal das Mille Miglia - ein Rennen auf 1000 Meilen oder umgerechnet 1600 Kilometern statt. Start- und Endpunkt ist auch heute noch Brescia, die Rennstrecke führte über Rom. Etwa dreißig Jahre hatte die Veranstaltung bestand, dann wurde sie aufgrund von schweren Unfällen eingestellt.

Erst 1977 erlebte das Rennen ein Revival - als Zuverlässigkeitsfahrt für Oldtimer. Heute ist es zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen für klassische Automobile geworden, die viel Prominenz an- und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Museo della Mille Miglia am östlichen Stadtrand von Brescia kann man als Besucher in das Flair des Oldtimerrennsports eintauchen.

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"Festa dell Opera", Plakatwand

Festa dell Opera

An normalen Tagen wirkt Brescia eher beschaulich - aber einmal im Jahr im September, wenn die Temperaturen wieder angenehmer und die Tage merklich kürzer sind, findet das Festa dell Opera statt. Die Stadt ist nicht wieder zu erkennen: die Plätze sind voll, reges Treiben herrscht auf den Straßen. Für die Veranstaltung wird eigens ein umfängliches Programm aufgelegt. Als Besucher kann man sich den ganzen Tag von Event zu Event bewegen und hört Ausschnitte aus der klassischen genauso wie der zeitgenössischen Oper.

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Festa dell Opera: Arien vom Balkon

Die Wahl der Orte ist vielfältig - plötzlich verwandeln sich Balkone, Piazzas und Innenhöfe zur Bühne - selbst im Weinberg kann man den Klängen des Gefangenenchors aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi lauschen. Bekannte Künstler genauso wie Newcomer geben sich an diesem Tag ein Stell-dich-ein, wenn Brescia die Oper zelebriert. Zu hören sind beispielsweise Ausschnitte aus La Traviata, Tosca, Don Giovanni und weitere.

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Festa dell Opera: Finale am Capitolium

Nicht nur das mittelalte, etablierte und wohlsituierte Bürgertum sondern Jung, Alt und sogar Haustiere - kurz, die ganze Stadt ist auf den Beinen. So macht das Festa dell Opera seinem Namen alle Ehre. Das krönende Finale des Tages findet gegen Mitternacht am antiken Forum Romanum statt. Wer Glück hat, kann auf der Brücke vor der Bühne einen der begehrten Plätze ergattern, um das Schauspiel aus der ersten Reihe zu verfolgen.

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Reben im Land des Franciacorta

Franciacorta - eleganter Perlwein im Aufwind

Im Westen der Stadt Brescia beginnen die sanften HĂĽgel mit den Weinbergen der Region Franciacorta. Sie ist bekannt fĂĽr ihren Schaumwein, der aus den Reben der Gegend gewonnen wird. Im Norden wird die Franciacorta begrenzt vom Iseo-See, im Westen durch den Fluss Oglio und im SĂĽden durch die Autobahn von Brescia nach Mailand. FrĂĽher war das Weinbaugebiet eher fĂĽr rustikalen Rotwein bekannt.

Inzwischen bedeutet Franciacorta viel mehr. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts begannen einzelne Winzer, nach der Methode Champenoise die Trauben der Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir zu Schaumwein zu verarbeiten.

Da der Begriff „Champagner" ein geschützter Markenbegriff ist, wurden die Herstellungsmethode sowie das Schaumweinprodukt nach der Region „Franciacorta" benannt. Der elegante Perlwein ist in Italien sehr beliebt und hat der Region den Ruf einer kleinen „Champagne" eingebracht. Inzwischen gewinnt der Franciacorta auch international an Anerkennung und Beliebtheit.

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Weinauslage aus der Franciacorta

Die Pressereise der Autorin fand auf Einladung des FremdenverkehrsbĂĽro Brescia statt.

www.bresciatourism.it

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