BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Heike Pander Headshot

Baobab Ökologie: Starthilfe für Giganten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2016-02-24-1456309989-4026612-DSC_0462.jpg
Fotografie: Heike Pander

Selbst der größte Riese fängt einmal klein an: Baobabs entstehen aus rötlich-braunen, etwa einen Zentimeter großen Samen mit harter Schale. 1000 Jahre und mehr kann es dauern, bis ein Sprössling zu seinen ausladend-gigantischen Formen in Afrikas Savannen herangewachsen ist. Doch schon der Start ins Leben scheint für die Riesen gar nicht so leicht. Deshalb hat Dr. Sarah Venter, Baobab-Ökologin und Produzentin von Baobab Pulver und Öl aus Südafrika, eine Stiftung ins Leben gerufen, die den Riesen Starthilfe gibt.

2016-02-24-1456310265-597395-Baobab_Samen_3973.jpg
Baobab Samen

Was erschwert den Weg ans Licht?

Auf die erste Hürde trifft der Keimling, wenn es gilt, die harte Samenschale erfolgreich zu durchbrechen. Die Natur greift dabei auf einige Tricks zurück: Die Samenschale liegt während der Regenzeit lange genug im Wasser und weicht dabei auf.

Manchmal hilft auch ein Buschfeuer, die Schale zu knacken. Die Früchte des Baobabs sind schmackhaft, werden gerne von Elefanten oder Affen verspeist und wandern im Verdauungstrakt mitsamt der Samen durch die Verdauungssäfte. Dabei werden letztere durchlässig.

Hat der Keimling den Durchbruch geschafft, gibt es keine Garantie fürs Überleben. Die kleinen Bäumchen benötigen optimale Wachstumsbedingungen in den ersten Lebensmonaten bis sich eine starke Pfahlwurzel gebildet hat: ausreichend und regelmäßig Wasser, Licht, Wärme und Nährstoffe.

2016-02-24-1456310315-5901435-Baobab_ZweiMonate_7100.jpg
Baobab, zwei Monate alt

Die Bedingungen müssen passen

Genau erforscht ist noch nicht, wie viele Jahre ins Land gehen, bis ein Baobab Same auf die idealen Keim- und Wachstumsbedingungen trifft und erfolgreich überleben kann. Die Wissenschaft spricht in diesem Fall von episodischer Fortpflanzung. Es könnte durchaus sein, dass sich Baobabs in bestimmten Regionen nur alle 100 bis 150 Jahre oder mehr erfolgreich fortpflanzen.

Zarte Triebe locken Vieh

Doch selbst ideale Wachstumsbedingungen sind keine Garantie. Die zarten Triebe der Baobabs locken Ziegen, Schafe, Rinder und Antilopen an. Ist der Verbiss an den Sprösslingen zu groß, sterben sie ab. Kleine Baobabs verfügen noch nicht wie ihre großen Artgenossen über die entsprechenden Ressourcen, um immer wieder neue Triebe zu produzieren. Erst ab einer Höhe von drei Metern sind sie aus dem Gröbsten heraus. Nur selten überlebt ein Sprössling die ersten drei Jahre in der Wildnis.

Hunger nach Anbauflächen

Nicht nur durch die Viehzucht bedroht der Mensch Baobab-Bestände und deren Nachkommen. Auch im Hinblick auf Lebensraum steht er in Konkurrenz mit den Riesen. Der Hunger nach Anbauflächen kennt keine Grenzen - uralte Baobabs müssen Baumwollfeldern und Getreideäckern weichen.

Aber auch die Nutzung der Früchte könnte sich perspektivisch zum Problem entwickeln. Traditionell wurde der Baum zwar zur Ernährung und auch zu medizinischen Zwecken genutzt. Da er vielerorts als heilig galt, stand er aber unter Schutz. Früchte und Samen blieben in ausreichender Zahl für die Fortpflanzung in der Natur.

2016-02-24-1456310387-9442150-Fruechte_BWA_02541.jpg
Baobab Früchte

Neuerdings gewinnen Pulver aus den Früchten und Öl aus den gepressten Samen auf dem internationalen Markt an Bedeutung. Ihre wachsende Beliebtheit als „Superfrucht" verdanken sie einer reichhaltigen Zusammensetzung aus gesunden Inhaltsstoffen. Venter hat in ihren Studien für die Venda-Region in Südafrika nachgewiesen, dass die derzeitige Nutzung der Früchte keine Gefahr für den Fortbestand der Bäume bedeutet.

Ob dies auch für andere Regionen mit Baobab-Vorkommen gilt, ist nicht geklärt. Baobab-Früchte wachsen nicht auf Plantagen sondern sind Wildsammlungen. Für diese sind die Nutzungsrechte nicht immer eindeutig geregelt. Das kann den Schutz der Bäume komplizieren, wenn jeder „freien Zugang" zur Ressource Baobab beanspruchen kann.

Nachhaltigkeit im Hintertreffen?

Umweltschädigung und Klimawandel setzen den Giganten heute schon erwiesenermaßen zu. Was geschieht, wenn Fruchtpulver und Samen international so an Beliebtheit gewinnen, dass nachhaltiges Sammeln untergraben wird? Die Auswirkungen wären nicht unmittelbar zu spüren, denn noch gibt es ausreichend Baobab Populationen. Das Problem zeigt sich erst in einigen hundert Jahren, wenn wir längst nicht mehr sind und junge Baobabs mangels Möglichkeit nicht zu voller Größe nachwachsen konnten.

Baobab Stiftung:

https://www.youtube.com/watch?v=5_M63iZwxaQ

Aus dieser Gemengelage heraus und verbunden mit dem Wunsch, aktiv etwas für den Arterhalt der Baobabs und die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen, die mit den Baobabs leben, zu tun, hat Venter 2013 die Baobab „Foundation" ins Leben gerufen.

2016-02-24-1456310449-6368144-DSC_0138.jpg
Ein Baobab wird ausgepflanzt

Baobab Guardians Programm

Die Stiftung gründet auf zwei Pfeilern - zum einen kümmert sie sich über das „Baobab Guardians Program" um Hege und Pflege von Baobab Bäumen, zum anderen investiert sie in ein Vorschulprogramm, das Kindern in der Venda Gegend im Norden von Limpopo zugutekommt.

Neben der Aufzucht und Pflanzung von Baobabs kümmert sich das Guardians Programm auch um Umweltbildung und Training. Venter verfolgt dabei einen integrierten Ansatz, der die Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigt. Mit deren Hilfe kann das Überleben der kleinen Baobabs gesichert werden.

Hüterinnen der Baobabs

Die Ökologin arbeitet mit Baobab Fruchtsammlerinnen zusammen, die sie aus der Zusammenarbeit mit ihrer Firma „EcoProducts" kennt. In Workshops lernen die Frauen, wie sie aus Baobab Samen selbst Setzlinge generieren können. Außerdem vermittelt Venter Grundkenntnisse in Baobab-Ökologie und -Schutz.

2016-02-24-1456310523-6228575-DSC_0134.jpg
Baobab-Setzlinge, etwa ein Jahr alt

Die Frauen kümmern sich um die Setzlinge in ihren Hausgärten, bis sie einen Meter groß gewachsen sind. Das dauert etwa ein Jahr. Dann entscheiden sie selbst, wohin sie die Bäume innerhalb ihrer Grundstücke pflanzen. Das ist schon deshalb wichtig, da die Höfe meist nicht über fließendes Wasser verfügen. Die Baobabs müssen in den ersten Jahren regelmäßig gegossen werden. Das Wasser wird in Gefäßen vom Brunnen zu den Gärten getragen.

Der neue Standort für den kleinen Baum sollte nicht zu nah am Haus sein, aber doch so nah, dass das Pflänzchen ausreichend vor Verbiss durch Ziegen und Rinder geschützt werden kann. Dabei soll der Arbeitsaufwand für die Frauen so gering wie möglich sein. Für Venter ist es wichtig, dass die Frauen Verantwortung für die kleinen Baobabs übernehmen, damit sie sie als „ihre" Bäume betrachten. Die Frauen werden damit zu Hüterinnen der Baobabs.

2016-02-24-1456310555-6136655-DSC_0100.jpg
Hüterin eines Baobab

Die frisch gepflanzten Bäumchen werden per GPS Koordinaten registriert. Einmal im Jahr fährt Venter zu den Grundstücken der beteiligten Frauen und misst das Wachstum der Bäume.

Stiftung finanziert Erfolgsprämien

Um die erfolgreiche Aufzucht der Setzlinge zu garantieren und einen zusätzlichen Anreiz für die Hüterinnen zur Pflege der Baobabs zu schaffen, zahlt die Stiftung pro gewachsenen Zentimeter kleine Erfolgsprämien aus.

2016-02-24-1456310611-7691038-DSC_0127.jpg
Prämieauszahlung für Baobabpflanzung

Für jeden Zögling budgetiert die Wissenschaftlerin eine bestimmte Summe, damit sie die Frauen auszahlen kann. Nach drei Jahren, wenn die Bäume etwa drei Meter hoch gewachsen sind, haben sie genug Widerstandskraft und sind aufgrund ihrer Größe sicher vor Verbiss. Dann brauchen sie weder Schutz noch besondere Pflege und sind dem „Hüte-Programm" entwachsen. Die Zahlungen werden eingestellt, die Bäume schaffen das weitere Überleben alleine.

Ein Buch für mehr Publicity

Bis 2017 möchte Venter 50 starke, gesunde Baobabs mit den Frauen ausgepflanzt haben. So will sie dafür sorgen, dass in Zukunft zusätzliche Früchte geerntet werden können, die genetische Diversität zunimmt und eine neue Generation von jungen Baobabs die derzeit älteren Generationen der Bäume in der Gegend ergänzt. Für die Finanzierung ihrer Projekte gibt es inzwischen Sponsoren, sodass die erfolgreiche Umsetzung der Projektidee für die ersten Jahre gesichert ist.

2016-02-24-1456310703-7913761-DSC_0098.jpg
Auspflanzung von Baobabs

Damit nicht nur die Stiftung bekannter wird, sondern die Menschen mehr über die Bedeutung der Baobabs für die Umwelt und die lokale Wirtschaft erfahren, arbeitet die Baobab-Ökologin derzeit an einem Lehrbuch. Es wird Schulen, Büchereien, Touristen Hot-Spots und entsprechenden Regierungsstellen zur Verfügung gestellt.

Venter wünscht sich, dass die Menschen ein Bewusstsein für Baobabs entwickeln und diese schätzen lernen. Ganz nach dem Motto: was man schätzt - das schützt man. Das Besondere: Das Buch wird auch in „TshiVenda", die lokale Sprache in der Venda-Region, übersetzt. Denn im ehemaligen Homeland sprechen nicht alle Menschen Englisch oder Afrikaans.

2016-02-24-1456311351-1862998-Venter_BaobabGuardian_0213.jpg
Dr. Sarah Venter (re) mit Baobab Hüterin

Auch auf HuffPost:

Mythos Kalorienbombe: Darum ist die Avocado tatsächlich die gesündeste Frucht

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.