BLOG

An die Mutter eines Regebogen Babys

02/11/2015 15:10 CET | Aktualisiert 02/11/2016 10:12 CET
Heather Spohr

Ich stehe mit vielen Menschen in der Kindesverlust-Community in Kontakt. In den letzten Monaten habe ich einen starken Anstieg von Regenbogen-Babys bemerkt. Für alle, die nicht wissen, was das bedeutet: Ein Regenbogen-Baby ist ein Kind, das nach einer Fehlgeburt, Todgeburt oder plötzlichem Kindstod geboren wird -- der Regenbogen nach dem Sturm. Zwei meiner Kinder sind Regenbogen-Babys -- meine Tochter Annabel kam nach dem Tod meiner 17 Monate alten Tochter Madeline, und mein Sohn James kam nach einer Fehlgeburt -- Ich habe das also zweimal durchgemacht.

Presenting...Annabel Violet

Mein erstes Regenbogen Baby

Liebe Regenbogen Mama,

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Baby! Ich weiß, wie schwer es war, dieses Baby anzukündigen. Ich kenne diese seltsame Mischung aus Freude und Schuldgefühlen. Du willst dich über dieses neue Leben freuen, aber du willst auch respektvoll sein, dem Leben gegenüber, das nicht mehr da ist. Das ist ein Drahtseilakt, den du für den Rest deines Lebens vollführen wirst. Aber es wird einfacher mit der Zeit.

Es ist in Ordnung, Angst zu haben. Es ist in Ordnung, es Tag für Tag anzugehen. Es ist sogar in Ordnung, wenn du dich nicht freust. Du hast auf die schlimmste erdenkliche Art gelernt, dass es im Leben keine Garantie gibt. Aber es ist auch in Ordnung, Hoffnungen zu hegen und Pläne zu schmieden. Ja, das Baby verdient das. Du aber auch .

Ein Baby nach einem Verlust zu bekommen, ist angsteinflößend. Nach einer Fehlgeburt gibt es so etwas wie "normale" Schwangerschaftsschmerzen nicht mehr, oder ein "normales" Niesen, nachdem dein Baby gestorben ist. Sei sanft zu dir selbst. Nimm Hilfe an, wenn sie dir angeboten wird und bitte darum, wenn du welche brauchst. Selbst wenn es sich befremdlich anfühlt. Für mich bedeutete das, darum zu bitten, dass immer jemand wach war und auf das Baby aufpasste, während ich schlief, weil ich einfach keine Ruhe fand, solange ich nicht wusste, dass jemand anderes wach(sam) war. Ich wusste, dass das lächerlich war, aber ich konnte mich beim besten Willen nicht körperlich entspannen, wenn niemand nach meinem Kind sah.

Selbst die praktischen Dinge sind kompliziert. Wirst du deinem Baby Sachen von deinem verstorbenen Kind geben können? Auch wenn das Kind nie die Gelegenheit gehabt hat, damit zu spielen? Du wirst es dir selbst übel nehmen, dass du diese Sachen nicht als normale Weitergabe unter Geschwistern sehen kannst, sondern als die wenigen kostbaren Dinge, die dein Kind zurückgelassen hat: Eine weitere Erinnerung daran, wie unfair das Leben ist.

Natürlich wird es auch Menschen geben, die annehmen, dass es dir durch das neue Baby "besser gehen" wird. Sie werden nicht verstehen, warum du "immer noch traurig" bist. Andere Menschen werden dich für einen schrecklichen Menschen halten, weil du es wagst, mit deinem Leben weiterzumachen. Als ob ein neues Kind zu bekommen heißen würde, das verstorbene zu ersetzen. Diese Menschen werden es nie verstehen. Haben sie es nicht gut? Ignorier' sie.

Der Tag, an dem Annabel geboren wurde, war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Der Tag, an dem wir sie nach Hause brachten, war einer der schwersten. Meine Emotionen, durch postpartale Hormone befeuert, waren das reinste Chaos und ich war völlig unvorbereitet. Ich schluchzte und weinte viel auf ihr winziges Köpfchen. Mein Herz ging auf und brach gleichzeitig und das überforderte mich. Ich rate dir dringend, dir gute Unterstützung zu holen. Ob einen Arzt, einen Therapeuten, eine Trauergruppe, Freunde oder eine andere Regenbogen-Mama: Sorg' dafür, dass du dir so ein Sicherheitsnetz zulegst, denn diese Menschen werden dich auffangen, noch bevor du merkst, dass du fällst.

In den letzten sechseinhalb Jahren habe ich gelernt, dass das Leben auch nach einem unvorstellbaren Verlust gut sein kann (oder sogar großartig). Es gab eine Zeit, in der ich entsetzt gewesen wäre, diesen Satz zu tippen, aber heute kann ich das sagen. Weil ich weiß, dass es wahr ist. Auch, wenn ich mich noch durch die damit verbundenen Schuldgefühle kämpfe.

Jeden Tag, wirst du ein bisschen ruhiger atmen können. Jeden Tag wirst du deine Babys -- jedes einzelne -- ein kleines bisschen mehr lieben. Bis diese Liebe eines Tages über den Schmerz siegt.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem wunderschönen Regenbogen.

baby James

Mein zweites Regenbogen Baby

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf The Spohrs Are Multiplying.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Winterkinder oder Sommerkinder?: Der Geburtsmonat entscheidet: Diese Babys sind später gesünder

Hier geht es zurück zur Startseite