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Seit ich Kinder habe, bin ich eine schlechte Freundin

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MOTHER BABY PLAYING
Seit ich Kinder habe, bin ich eine schlechte Freundin. | Kristina Hernandez via Getty Images
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Ich habe mich verändert. Und ich stehe dazu.

Es ist noch früh am Morgen. Mein Mann ist bereits zur Arbeit gegangen und die Kinder schlafen noch. Ich sitze mit einer Tasse Kaffee vor meinem Computer in der Küche. Es ist mucksmäuschenstill und ich versuche, diesen Moment für mich ganz allein zu genießen.

Ich überfliege meinen Posteingang. Spam-Emails lösche ich sofort und bei Rechnungen mache ich mir im Kopf eine Notiz, dass ich sie später überweisen muss.

Früher waren wir unzertrennlich

Dann sehe ich es. Eine alte Freundin hat mir ein lustiges Bild geschickt, auf dem wir noch sehr viel jünger waren.

"Wie geht's dir?? Erinnerst du dich noch an diesen Tag? Wir hatten so viel Spaß!", schreibt sie.

Ich starre auf die Gesichter, die mir auf dem Foto entgegengrinsen. Auf dem Bild lachen wir gerade über irgendetwas - wir wirken entspannt und glücklich. Damals waren wir noch eng miteinander verbunden.

Wir waren unzertrennliche Freundinnen. Mittlerweile hören wir nur noch alle paar Monate voneinander.

Das liegt vor allem daran, dass solche Emails bei mir oft in Vergessenheit geraten. Als ich mir das Datum der Email ansehe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Vor zwei Wochen verschickt.

Meist lese ich meine Emails, wenn ich eigentlich schon wieder auf dem Sprung bin. Dann denke ich mir immer: "Ich antworte darauf, sobald ich wieder zu Hause bin." Und schon bin ich wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

Ich bin immer mit meinen Kindern beschäftigt

Für uns Eltern von kleinen Kindern fühlt es sich oft so an, als müssten wir wie am Fließband immer wieder neue Aufgaben bewältigen. Wenn wir nicht gerade unsere Kinder wickeln, anziehen oder füttern, müssen wir uns für die Arbeit fertig machen, irgendwelche Dinge erledigen oder die Kinder zu Terminen, Freizeitaktivitäten oder Geburtstagspartys fahren.

Im Sommer versuchen wir zwar immer so wenig wie möglich zu planen, doch selbst dann gibt es immer irgendetwas, das wir erledigen müssen (und wollen). Zeit mit der Familie verbringen, das Abendessen machen, die Kinder baden, ihnen Geschichten vorlesen und sie fragen, wie ihr Tag war.

Außerdem sind wir abends immer unglaublich müde. Wenn das Baby gerade Zähne bekommt, schlafen wir nicht. Oder es hat mal wieder jemand eine Ohrenentzündung. Wir müssen permanent schauen, wie wir zeitlich alles unter einen Hut bekommen.

Wir wollen Zeit mit den Kindern verbringen. Mit unserem Partner. Mit dem Rest der Verwandtschaft. Und nebenbei tragen wir noch die Verantwortung dafür, unsere Kinder zu erziehen.

Wir sorgen dafür, dass aus kleinen Mädchen erwachsene Frauen werden und dass Jungs zu Männern werden - das allein ist eigentlich schon ein Vollzeitjob.

Ich versage als Freundin

Und um ehrlich zu sein versage ich momentan nicht nur im Beantworten von E-mails als Freundin. Wenn ich es irgendwie schaffe, mir Zeit für meine Freunde zu nehmen, muss diese Verabredung in meinen Zeitplan passen. "Kannst du zu mir kommen, wenn die Kinder schlafen?" "Können wir irgendwo bei mir in der Nähe hingehen, damit ich die Kinder noch ins Bett bringen kann?"

Und wenn wir uns dann endlich treffen, fange ich oft um 10 Uhr abends schon an zu gähnen. Ich will nur noch ins Bett, obwohl wir vor einiger Zeit noch bis in die frühen Morgenstunden zusammensitzen und bei einem Glas Wein miteinander lachen und reden konnten.

Ich habe mich verändert. Und ich stehe dazu.

Ich weiß, dass ich im Moment keine besonders gute Freundin bin. Doch ich verspreche dir, dass das nicht für immer so sein wird. Ich bin momentan komplett überfordert. Ich stecke bis zum Hals in meiner Rolle als Mutter von kleinen Kindern fest, die mich im Augenblick so gut wie ständig brauchen. Doch das ist nur eine Phase - und sie wird nicht ewig andauern.

Sie werden schnell größer und dann brauchen sie uns wieder weniger. Irgendwann können sie sich ihre Schnürsenkel selbst binden. Sich ihr Frühstück selbst machen. Und sich endlich selbst ihren Hintern abwischen.

Ich will die Zeit mit meinen Kindern genießen

Und auch wenn das vielleicht nicht gerade besonders aufregend klingt: Ich will daran festhalten. Denn die guten Dinge werden ebenfalls schnell vergehen. Ich will mich an ihre Kinderstimmen erinnern. An die Form ihrer süßen Kleinkinderbäuche. Ich will die Zeit voll und ganz genießen, in der sie mich noch für den besten, liebsten und lustigsten Menschen halten, der jemals auf dieser Erde weilte.

Wenn sie größer werden, habe ich wieder mehr Zeit. Und irgendwann werde ich lernen, mir meine Zeit besser einzuteilen. Ich werde endlich wieder mal richtig lange schlafen können. Und ich verspreche dir, dass ich dann wieder die gute Freundin sein werde, die ich eigentlich sein will. Die gute Freundin, die ich noch immer bin.

Denn ich bin noch da. Ich bin noch immer die Alte. Unsere Freundschaft liegt mir nach wie vor am Herzen - und deshalb werde ich dir auch auf deine Email antworten.

Wenn du noch ein bisschen warten kannst, verspreche ich dir, dass wir uns ganz bald wiedersehen.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und bei heatherdixon.ca und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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