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Nach den Angriffen in London: Der Kampf gegen den Terrorismus muss in der muslimischen Community beginnen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TERROR IN LONDON
Dpa
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Am Mittwochabend ist in London das Parlament geräumt worden, nachdem ein Attentäter auf der Westminster Bridge in eine Menschenmenge gefahren war und einen Polizisten erstochen hatte. Daraufhin ist er von dessen Kollegen erschossen worden.

Bezeichnet wurde das ganze als Terroranschlag. Wir wissen nicht, welchen Hintergrund der Attentäter hatte oder was seine Motivation hinter der Tat war, aber alles deutet auf einen islamistischen Anschlag hin, wie es auch in vergangener Zeit schon in anderen Ländern der Fall war.

Zu dem Vorfall in London sind zwar noch keine Details bekannt, sicher ist jedoch, dass diese Anschläge im Alleingang zu einer bevorzugten Taktik für westliche Ziele werden. Es ist einerseits die letzte Anstrengung einer verzweifelten ISIS, deren Größe und Einfluss im mittleren Osten rapide schrumpft, andererseits ein Symptom der Distanzierung und Entfremdung, die Muslime im Ausland zu spüren bekommen.

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Kulturelle Unterschiede sind das eine. Aber durch eine komplett verdrehte Wahrnehmung von Religion, gepaart mit einer wachsenden Angst vor dem Unbekannten, entsteht eine "wir gegen sie"-Mentalität. Und genau dadurch geraten junge Menschen der unteren Gesellschaftsschicht, die einen Flüchtlingshintergrund haben oder aus Krisenländer kommen, außer Kontrolle.

Die Folge: Sie flĂĽchten sich in die Arme des Extremismus.

Was können wir dagegen tun?

Neben Maßnahmen zur Anti-Terror Prävention in den Städten, muss es der Regierung viel wichtiger werden, Vorkehrungen in muslimischen Gemeinden zu treffen.

Arbeit in den Gemeinden ist zwingend erforderlich. Es ist eine Sache, auf einen islamischen Anführer zu hören, der in der Öffentlichkeit Terrorismus verurteilt. Eine andere Sache ist es, das ganz von innen zu beobachten. Aktive Teilnahme ist unerlässlich. Wir brauchen eine Art "Wenn du etwas siehst, dann sag was" - Konzept in muslimischen Gemeinden.

Extremistischer Terrorismus ist eine noch größere Bedrohung für den Islam, seitdem Muslime immer öfters selber Opfer der Gewalt werden. Außerdem wächst mit jedem Terroranschlag, der etwas mit dem Islam zu tun hat, die Kluft zwischen Muslimen und Andersgläubigen.

Was nicht hilft

Was ganz sicher nicht helfen wird: Den Islam als Plage zu bezeichnen, die ausgelöscht werden muss. Gruppierungen wie die ISIS oder Al Qaida auf den kompletten Islam zu beziehen oder einem ganzes Volk die Einreise in die USA zu verbieten - das hilft nicht.

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Das verstärkt nur den gefährlichen Gedanken eines Krieges zwischen dem Islam und dem Westen - der übrigens das gefährlichste Rekrutierungswerkzeug von Terroristen ist. Naja und natürlich, ihr ganzes Land zu zerbomben, ihre Wirtschaft verkommen zurück zu lassen und dann noch Einreiseverbote einzuführen - aus Hass, Angst und Intoleranz.

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Was auch nicht funktionieren wird, ist, auf gewisse opportunistische Persönlichkeiten wie Donald Trump zu hören, der jeden Gewaltakt mit selbstdarstellerischer Präzision freudig begrüßt und seine Intoleranz hinausposaunt und -twittert.

Natürlich mag die Verdrehung der islamischen Lehre einige Menschen motivieren, diesen extremistischen Gruppierungen beizutreten, die exakt wie kriminelle Organisationen operieren. Ganz einfach weil ihr Ziel oft verwundbare Jugendliche sind, denen sie in ihrer Gruppe ein familiäres Gefühl vermitteln können. Und dieses Gefühl des Zusammenhalts schafft eine Atmosphäre der Macht.

Aber das Fadenkreuz direkt auf die Islamische Lehre zu richten ist nicht nur falsch, sondern verstärkt nur das Problem. Vergesst nicht, dass eine Malala Yousafzai exakt den selben Koran gelesen hat, ihn im Gegensatz jedoch als einen Aufruf zu Bildung und Durchsetzung der Gleichberechtigung interpretiert.

Aber fĂĽr die Menschen, die hetzen und Panik verbreiten, ist ISIS das Gesicht des Islam.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost US und wurde von Franziska Kiefl aus dem Englischen übersetzt und zum besseren Verständnis angepasst.

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(fk)