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Regeln für die Kinderstube der Wildtiere

09/04/2017 17:33 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 17:33 CEST
CreativeNature_nl via Getty Images

Endlich ist es soweit. Der Winter zieht sich zurück und der Frühling schickt seine ersten Vorboten. Überall sprießt und grünt es langsam und auch in der Tierwelt regt sich was. Die Menschen treibt es verständlicherweise vermehrt hinaus in die Natur. Die erwachende Flora und Fauna wecken Lebenskräfte und machen gute Laune.

Als Jäger weiß ich natürlich, wie verlockend es ist, abseits der Pfade zu streifen und die Einsamkeit zu suchen. Doch gerade die Einsamkeit ist es, die auch unsere Waldbewohner dringend benötigen. Gerade jetzt, da sich die Natur runderneuert.

Denn das gilt nicht nur für die Pflanzen, auch die Tiere vermehren sich. Es ist Brut- und Setzzeit und der Wald wird zu Kinderstube. Überall bereiten sich Vögel auf das Schlüpfen ihrer Jungen vor und dies nicht nur in hoch gelegenen Nestern. Es gibt zahlreiche Bodenbrüter wie Kiebitze, Wiesenweihen oder Nachtigallen.

Rehkitze und Junghasen liegen allein - von ihren Müttern und dank ihrer Tarnzeichnung und Regungslosigkeit gut vor Fressfeinden versteckt - in Feldern, Lichtungen und im Unterholz. Wäre das nicht der beste Zeitpunkt, um seinen Kindern das Wunder der Natur anschaulich zu erklären? Kann man hier und jetzt nicht am besten lernen, wie der Kreislauf der Natur funktioniert? Ja, sicherlich.

Doch viele Menschen machen trotz großer Tierliebe aus schlichter Unwissenheit verheerende Fehler: Sie verlassen die Pfade, um ein möglichst natürliches Erlebnis zu haben. Sie lassen ihre Hunde unkontrolliert herumlaufen und die Gegend erschnüffeln. Freilaufende Hunde können Elterntiere verscheuchen, so dass sie sich nicht zurück zu den Nestern trauen.

Somit werden das Gelege oder die Jungvögel leichte Beute für Fressfeinde. Oder die Hunde schnüffeln an den Nestern und hinterlassen ihren eigenen Geruch mit der Folge, dass die Nester aufgegeben werden. Die Eier kühlen aus, die Brut stirbt ab. Wer Wildtiere liebt, sollte Hunde in dieser Zeit an der Leine lassen.

Unwissenheit und falsch verstandene Tierliebe sind es auch, die viele Tiere erst zu Waisen machen. Sie alle kennen die Zeitungsberichte im Frühjahr, die davon handeln, dass Auffangstationen mutterlose Tiere aufnehmen und aufziehen. Die meist ehrenamtliche Arbeit der Betreiber ist hoch zu achten. Aber eines wird dabei vergessen: Meist ist es menschliches Versagen, das die Tiere erst zu Waisen macht. Sie werden damit abhängig von unserer Hilfe.

Viele Menschen glauben, wenn sie beim Waldspaziergang einsame Jungtiere vorfinden, diese seien mutterlos. Um sie zu retten, nehmen sie sie mit. Dabei ist eine wichtige Überlebensstrategie von vielen Tieren, ihren gut getarnten Nachwuchs alleine zu lassen. Andere Menschen wiederum sind zurecht entzückt vom Anblick der Tiere, können nicht widerstehen, sie anzufassen. Und das ist das Todesurteil, wenn danach keine menschliche Aufzucht erfolgt.

Denn wenn Tierbabys den Geruch von Menschen annehmen, werden sie von ihren Müttern verlassen. Sie würden qualvoll eingehen, wenn sie nicht mit der Flasche aufgezogen würden. Doch Letzteres ist ein massiver Eingriff in die Natur und sollte nur im äußersten Notfall passieren.

Liebe zur Natur ist etwas Wunderbares, und es ist sehr zu begrüßen, wenn Eltern ihren Kindern vermitteln, wie der Kreislauf des Lebens funktioniert. Doch gerade wenn Sie die Natur lieben, sollten Sie sie mit Respekt behandeln. Dazu gehört es, sich das nötige Wissen anzueignen. Viele Jäger bieten Lehrpfade an, um Kindern, aber auch Erwachsenen, Feld, Wald und Flur und deren Bewohner nahe zu bringen.

Sprechen Sie Jägerinnen und Jäger in Ihrer Nähe an, und machen Sie einen Termin aus. Sie werden unvergessliche Erlebnisse haben. Deshalb meine Empfehlung: besuchen Sie den Lernort Natur, achten Sie auf Ihre Hunde, bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen, und fassen Sie bitte nie Jungtiere an! Herzlichen Dank!

Weitere Informationen: www.lernort.natur.de und https://jaeben.jagderleben.de

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