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Ohne Aktien keine ausreichende Altersvorsorge

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Lebensversicherung, Sparbuch, Termineinlage, Pensionsfonds, Riesterrente, Fondssparplan oder doch besser der Sparstrumpf oder das Kopfkissen? Die aktuellen Zinslage und die Aussichten auf die Zinspolitik geben Sparern keinen Anlass zur Freude.

Aber jetzt Aktien kaufen? Selbst wenn die Rendite von Daueranlegern durchschnittlich bei sechs bis sieben Prozent liegt, erleben sie zwischendurch doch immer wieder Durststrecken.

"Börse = Zocken" ist von Oma

Viele sehen zwar die Chancen einer Börseninvestition, die meisten Menschen scheuen sich jedoch vor dem Monstrum Börse zurück. Das ist auf der einen Seite auch verständlich: Denn das Mindset "Aktien = Lotterie = Zocken" wird oft von Generation zu Generation übermittelt.

Und Wissen und Weisheiten, die von Haus aus gelehrt werden, brennen sich tief ins Hirn. Auch eine Studie der Union Investment bestätigt: Tradiertes Wissen - also das von Oma - führt immer wieder zu finanziellen Fehlentscheidungen.

Aber Oma hatte auch nicht die Hilfsmittel, die im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehen, um eine fundierte Anlageentscheidung zu treffen. Sie konnte lediglich mit dem Bankberater sprechen, die Zeitung lesen, den börsenerfahrenen Nachbarn fragen oder sich von den ihr überlieferten Erfahrungen leiten lassen.

Quick-Check statt aufwendige Börsenanalyse


Klar, Sie haben heute deutlich mehr Möglichkeiten, die Märkte zu analysieren. Sogar mit relativ einfachen Mitteln und ohne aufwendige Rechenverfahren können Sie selbst eine Aktie bewerten und entscheiden, ob sich ein Kauf lohnt. Dafür müssen Sie nicht einmal ein BWL- oder VWL-Studium absolvieren.

Aber wo fangen Sie an und wo hören Sie auf? Die fünf folgenden Hinweise verschaffen Ihnen einen schnellen Überblick darüber, ob Sie überhaupt am Aktienmarkt investieren sollten und ein Titel fair bewertet und für den Kauf geeignet ist:

  • Schauen Sie sich die allgemeine Marktlage an: Sind z.B: die Zinsen und Rohstoffpreise im Vergleich zum Vorjahr niedrig oder sinken sie sogar? Das hilft Ihnen, die Frage zu beantworte, ob die aktuelle Marktlage einen Aktienkauf überhaupt zulässt.
  • Wenn ja, geht's weiter: Schauen Sie sich den Chart an. Steigt der Aktienkurs gemächlich nach oben, gibt es also keinen übertriebenen, sprunghaften Anstieg, dann liegt die Aktie schon mal gut im Markt. Weitere Anhaltspunkte dafür geben Ihnen auch die 52-Wochen-Hoch- und Tiefstkurse, die Sie in jedem guten Börsenmedium finden. Die Grundregel für Standardaktien lautet: Nahe dem bisherigen Tiefstkurs = Vorsicht, da stimmt irgendetwas nicht, nahe dem bisherigen Höchstkurs = das ist eher positiv.
  • Setzen Sie die Entwicklung Ihrer ausgesuchten Aktie ins Verhältnis zu den Mitbewerbern. Entwickelt sich sowohl der Aktienkurs als auch der Branchentrend positiv? Sie können davon ausgehen, dass alle Unternehmen einer Branche von denselben Vor- und Nachteilen betroffen sind und mittelfristig dem gleichen Trend folgen werden.
  • Dann empfiehlt sich ein Blick auf den Landestrend. Auch hier sollte der Aktienindex einem Aufwärtstrend folgen, denn Einzeltitel haben es prinzipiell schwer, entgegen einem fallenden Landestrend zu steigen.
  • Und zum Schluss noch ein kleiner fundamentaler Check. Fokussieren Sie sich auf ganz wichtige Kennzahlen, z.B. solche, die anhand des Umsatzes ermittelt werden. Denn der Umsatz kann im Gegensatz zum Gewinn nicht einfach geschönt werden. Betrachten Sie außerdem das Kurs-Umsatz-Verhältnis oder den Pro-Kopfumsatz und vergleichen Sie diese innerhalb der Branche. Dann sehen Sie schnell welches Unternehmen rentabel arbeitet und am fairsten bewertet ist.

Mit Aktien souverän und sicher vorsorgen


Vergleichen ist das A und O für den Erfolg: Denn Kennzahlen und Kurse sagen einzeln nur sehr wenig aus. Um sich ein eindeutiges Bild zu verschaffen, sollten Anleger mindestens auf den oben genannten Gesamtkontext schauen, wenn sie den Markt sondieren. Sich ausreichend zu informieren bedeutet aber auch, für sich klar haben, warum sie was und wie entscheiden.

Wer dann noch seinen Prinzipien treu bleibt, kann souverän und erfolgreich an der Börse anlegen. Beim Autokauf vergleichen Sie doch schließlich auch, was der Wagen unter der Haube hat, wo die versteckten Macken sind und ob der Preis marktgerecht ist. Zusammen mit Ihren Wünschen treffen Sie dann die Kaufentscheidung - so funktioniert es auch an der Börse.

Wenn Sie systematisch vorgehen und die wesentlichen Funktionsweisen der Finanzmärkte verstanden haben, kann sich Ihr eingesetztes Kapital am Aktienmarkt durchaus gut "verzinsen" und so auch einen Teil Ihrer Altersvorsorge abdecken.

Lust oder Zwang - Ihr Anlageerfolg spricht Bände

Nur eins sollten Sie auf keinen Fall: Sich aus Angst vor der Altersarmut in Aktien drängen lassen. Kein Bankberater und kein Börsenexperte aus der Zeitung kann entscheiden, ob Sie tatsächlich "Börse können". Etwas aus Zwang zu machen, hat noch nie gut funktioniert - weder lernen Kinder Klavier spielen, wenn ihre Eltern sie dazu drängen, noch lernen Mitarbeiter richtig kommunizieren, nur weil sie der Chef in ein Seminar steckt.

Ihrem Börsenerfolg ist letztlich anzusehen, ob Sie nur aus Frust mit Aktien handeln oder mit Freude investieren. Auch Picassos Bilder hätten nie diese Qualität erreicht, wenn er den Fokus aufs Geldverdienen anstatt auf seinen Ausdruck in den Bilder gelegt hätte.

Ganz klar ist: Wenn Sie sich wirklich für die Börse interessieren, sie verstehen und gerne dazu lernen, werden Sie in der Lage sein, selbstständige Anlageentscheidungen zu treffen. Und das ist letztlich der Schlüssel zum Erfolg.

Wenn Sie je ein bisschen Lust auf die Börse gehabt und sich bisher nur von dem vermeintlich geldfressenden Monster haben abschrecken lassen, dann lassen Sie sich von mir versichern: An der Börse zu investieren ist mit die beste Altersvorsorge, die Sie überhaupt bekommen können.

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