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Seit meiner Kindheit werde ich wegen meines Aussehens gehänselt - jetzt bin ich weltberühmt

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HARNAAM KAUR
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Wenn ich es einmal wage, mächtig zu sein - meine Stärke für meine Vision einzusetzen, dann wird es immer weniger wichtig, ob ich Angst davor habe.
- Audre Lorde

Wir Frauen sind stark.

Wir sind einfühlsam, belastbar, voller Liebe und wir haben die Kraft, Leben zu schenken.

Beyonce hat uns schon einmal gesagt, wer eigentlich die Welt regiert ("Who runs the world - Girls!") und jedes Mal, wenn wir Frauen diesen Song hören, singen wir doch lautstark mit.

Heißt das nicht, dass unsere Errungenschaften genauso - wenn nicht noch mehr - gefeiert werden sollten, wie die der Männer?

Erst seit 100 Jahren dürfen Frauen überhaupt im vereinigten Königreich wählen gehen.

Wir müssen den Frauen danken, die den Weltfrauentag eingeführt haben. Einen Tag, an dem wir an die Errungenschaften von Frauen auf der ganzen Welt denken - und uns über sie freuen.

Ein Tag, an dem wir genau denen eine Stimme geben, die sonst keine haben.

Frauen, die auf irgendeine Weise missbraucht werden und allein damit sind.

Ein Tag, an dem wir alle zusammenkommen und uns gegenseitig ermutigen, das beste aus uns rauszuholen auf dieser Reise, die wir Leben nennen.

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Mein Weg und wie ich ihn meisterte

Als Frau mit Bart war mein Kampf in der Gesellschaft auf eine schöne Weise schwierig.

Viele Niederlagen musste ich nämlich einstecken, aber besiegt wurde ich nie.

Wir alle wissen, dass es heutzutage einem sozialen Selbstmord gleichkommt, anders auszusehen als alle anderen. Wenn man etwas an sich hat, das den Schönheitsidealen unserer heutigen Gesellschaft nicht entspricht, machen sich die Menschen leider darüber lustig.

Trotzdem ist es genau diese Grausamkeit, die einen als Mensch formt.

Mein Leben mit Bart war bisher großartig, was aber nicht heißt, dass ich nicht auch schlimme Zeiten durchstehen musste.

Mein ganzes Leben wurde ich wegen meines Aussehens gehänselt und ich habe festgestellt, dass das auch niemals aufhören wird, wenn ich nicht versuche, die starre Vorstellung der Menschen von Schönheit aufzubrechen.

Ich werde mit meinem Aussehen die Menschen immer dazu anhalten, ihre Wahrnehmung von Normalität zu hinterfragen.

Darüber hinaus musste ich Mobbing am eigenen Leib erfahren, weshalb ich auch Selbstmordgedanken hatte.

Ich war nicht im Stande, mir selbst einen Karriereweg aufzubauen, obwohl ich das als Teenager so dringend wollte.

Stattdessen habe ich genau das, was mir bisher nur Schwierigkeiten und Leid gebracht hatte, in meine Bestimmung verwandelt. Und genau so konnte ich andere inspirieren.

Meinen Weg würde ich für nichts auf der Welt eintauschen, obwohl ich Diskriminierung und Mobbing erfahren habe - auch bei meiner Arbeit.

Genau das veranlasste mich dazu, als Aktivistin für Männer und Frauen einzutreten und sie in ihrem Anders-sein zu bestärken.

Ich habe es geschafft, mir eine Einstellung anzueignen, mit der ich trotz der Anfeindungen gut leben kann.

Ich bin größer als meine Selbstzweifel.

Mehr zum Thema: Die Gleichberechtigung der Frauen ist eine Erfolgsgeschichte - wir schreiben sie weiter

Mein Leben, mein Weg, meine Arbeit und alles, was ich zu sagen habe, ist so viel stärker als meine inneren Dämonen.

Mit meinen Werten, meinem Wert, meiner Persönlichkeit und meiner Arbeit bin ich größer als sie.

Ich wurde schon in jungen Jahren mit so viel konfrontiert, dass die meisten an meiner Stelle wahrscheinlich unter dem Druck zerbrochen wären.

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Mein Körper - meine Regeln

Das ist das Motto, nach dem ich lebe. Und dieses kleine Sprichwort hat mein Leben verändert.

Nur wegen der negativen Meinung mancher Leute über mein Aussehen werde ich sicher nicht mein Erscheinungsbild verändern. Ich bin schon so oft durch das Feuer gegangen - die Steine, die mir das Leben in den Weg legt, beeindrucken mich schon gar nicht mehr.

Ich stelle das alles beiseite, weil ich für die Menschen ein Vorbild sein möchte. Ich habe mein Leben dazu verschrieben, mit ihnen und für sie zu arbeiten und dabei zu helfen, ihr Leben zu verbessern. Ich habe irgendwo in mir die Kraft gefunden, alles Negative von mir weg zu schieben, um das Leben von den Menschen zu retten, die Mobbing, body shaming und Selbstzweifel erfahren müssen.

Ich war ja schon dort. Am selben Punkt, wie sie. Deshalb ist es jetzt Zeit für mich, ihnen zu helfen.

Zeit, aufzuhören, mich selbst zu bemitleiden und anzupacken.

Das alles sage ich mir jeden Tag selbst. Mein Leben ist nun ganz und gar dem Ziel gewidmet, anderen zu helfen.

Gemeinsam sind wir stark!

Frauen überall auf der Welt haben schon Tapferkeit gezeigt, wenn es um Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau geht. Sie sind aufgestanden, als sie Diskriminierung erfuhren.

Außerdem soll ein Applaus an alle Frauen da draußen gehen, die mutig ihre Meinung gesagt haben, wenn sie unterdrückt wurden. In diesem Sinn ist der Weltfrauentag nicht nur für Frauen wichtig, sondern auch für Männer.

Wir Frauen müssen uns in Solidarität vereinen und all das feiern, was wir über die Jahre hinweg zusammen erreicht haben.

In einer Welt, in der wir darauf reduziert werden, zuhause zu sitzen und Hausfrau zu spielen, müssen wir uns gegenseitig daran erinnern, dass wir mehr schaffen können.

Glücklicherweise überwiegt diese Sichtweise in den meisten Ländern nicht mehr, jedoch wissen wir: Es gibt noch Orte auf dieser Welt, an denen Frauen keine Träume und Hoffnungen haben dürfen.

Mehr zum Thema: Die Medien zum Weltfrauentag: "Was ist unorigineller, erwartbarer, überflüssiger als der Frauentag?"

Lasst uns deshalb den Weltfrauentag denen widmen, die immer noch in der Unterdrückung der Gesellschaft gefangen sind.

Den Mädchen, die zu Genitalbeschneidung gezwungen werden.

Den Kämpferinnen, die eine Vergewaltigung überlebt haben.

Den Frauen, die häusliche Gewalt erfahren oder zu einer Heirat gezwungen werden.

Und den Transgender Frauen, die sich tagtäglich für das rechtfertigen müssen, was sie sind.

An diesem internationalen Frauentag 2017 lasst uns also zusammen feiern - unabhängig von sexueller Orientierung, Religion, Kultur, Hautfarbe oder Alter.

Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam bewegen wir die Welt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Huffington Post UK und wurde von Franziska Kiefl übersetzt.

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