BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Harald Frühwacht Headshot

Digitalisierung als Chance für das Konzern-Reporting

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MAN WITH SMARTPHONE
Klaus Vedfelt via Getty Images
Drucken

Ansatzpunkte für die digitale Agenda im Finance-Bereich

Die digitale Transformation bietet nicht nur gute Anknüpfungspunkte für die Gestaltung von Prozessen und Services innerhalb der Organisation, sondern bringt vor allem auch Chancen im Hinblick auf neue Geschäftsmodelle mit sich. Die Herausforderung und gleichzeitig Wachstumschance für Unternehmen besteht unter anderem darin, zu erkennen, wie sich die neuen Technologien intelligent mit bestehenden Geschäftsmodellen verknüpfen lassen. Zudem spielen die Faktoren Geschwindigkeit und Flexibilität dabei eine wesentliche Rolle, um sich im Wettbewerb in eine gute Ausgangsposition zu bringen.

Bei der Betrachtung der Potenziale der Digitalisierung stellt sich für uns als IDL und als Anbieter ganzheitlicher Lösungen für die Unternehmenssteuerung und das Corporate Performance Management, die Frage, welche Ansatzpunkte sich möglicherweise im Bereich „Finance" finden lassen. Wir bewegen uns damit mit unseren Überlegungen in Fragestellungen, die aus Unternehmenssicht zum Beispiel der CFOs sowie seitens der prüfenden und beratenden Zunft wie etwa Wirtschaftsprüfer und Steuerberater im Hinblick auf eine „digitale Agenda" beschäftigen mögen.

Digitalisierung als Chance für das Konzern-Reporting

Folgt man diesem Gedankengang, sind gute Kenntnisse über das inhaltliche Spektrum und des gesamten Prozesses in der Finance-Abteilung sowie des Zusammenspiels der einzelnen Stakeholder (CFO, WPs/StBs, Adressaten) der Ausgangspunkt für die zu treffenden Ableitungen. Eines der Themenfelder stellt dabei mit Sicherheit das Konzernreporting dar: Das Verständnis von Konzern-Reporting ist dabei in unserer Betrachtung eher weit gefasst und stellt nicht nur im engeren Sinne auf den Berichtsprozess ab, sondern bezieht auch vorgelagerte Aktivitäten mit ein. Unabhängig vom Berichtsanlass - zum Beispiel intern/extern, Ist, Plan, Forecast ... - besteht ein typischer Berichterstattungsprozess immer aus den nachfolgenden Meilensteinen:

  • Meldeprozess (Datenerhebung, -aufbereitung und -validierung)
  • Verarbeitungsprozess (Zusammenfassung, Konsolidierung)
  • Reporting-Prozess (Berichtswesen, Kommentierung, Berichtsverteilung)

Dabei stehen die Prozesse im Konzern-Reporting von jeher in einem Spannungsverhältnis von Zeit, Qualität und Kosten. Nur zeitnah zur Verfügung gestellte Informationen eignen sich für Entscheidungsunterstützung und Steuerung. Von daher ist Geschwindigkeit in der Abschlusserstellung ein wesentlicher Faktor. Zudem steigen die inhaltlichen Anforderungen aufgrund externer Vorgaben (zum Beispiel Rechnungslegungsnormen) und durch die Berichtsadressaten (zum Beispiel Geschäftsführung, Investoren) immer weiter an. Ergänzend gewinnen Aspekte, die sich rund um die Stichworte Compliance, Sicherheit und jederzeitige Nachvollziehbarkeit einreihen, zunehmend an Bedeutung.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Die Herausforderung für den CFO besteht darin, gleichzeitig die Kosten des Finanzbereiches im Blick zu haben und Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung und Optimierung auf den Weg zu bringen. Das gilt auch in Bezug auf die Prüfung der zu testierenden Abschlüsse.

Im Spannungsfeld von Ganzheitlichkeit und Einzelfunktion

Es ist sicherlich so, dass der Konzern-Reporting-Prozess durch Standardisierung und Automatisierung in den letzten Jahren einen gewissen Reifegrad erreicht hat. Doch häufig wird IT-Unterstützung nur für einzelne Prozessschritte eingesetzt und nicht integriert und durchgängig entlang des gesamten Prozesses. Deshalb erscheint eine Betrachtung der Chancen, die durch die Digitalisierung insgesamt erwachsen können, durchaus lohnenswert. Das sehen in strategischer Hinsicht deutsche CFOs ähnlich, denn Digitalisierung steht bei ihnen, einer Studie von Deloitte zufolge, ganz oben auf der Agenda. Auch wenn von der Priorität her betrachtet die Digitalisierungsstrategie des Gesamtunternehmens als vorrangig erachtet wird, beschäftigen sich die CFOs durchaus auch mit der Digitalisierung der eigenen Finanzfunktion. Als Beispiele in diesem Zusammenhang werden mobile Anwendungen und Cloud Computing genannt.

Mit Cloud Computing ergeben sich Möglichkeiten, nicht nur Infrastrukturen, sondern auch komplette Lösungen als Services zu beziehen. Gezahlt werden nur die Leistungen und Ressourcen, die tatsächlich genutzt werden. Die Anwendungen in einem solchen Umfeld sind i.d.R. hoch skalierbar, das heißt wenn beispielsweise in der Planungs- und/oder Konsolidierungshochphase zusätzliche Ressourcen benötigt werden, können diese im Bedarfsfall flexibel und schnell hinzugebucht werden. Aufgrund der Flexibilität in Sizing und Skalierbarkeit lassen sich initial hohe Investitionen vermeiden und insgesamt Kostensenkungsbeiträge realisieren. Unseres Erachtens müssen solche Szenarien nicht zwingend zu 100 Prozent in einer Public-Cloud-Umgebung laufen, sondern es sind jederzeit auch Private Cloud- oder hybride Ansätze denkbar.

Plattformen vereinen Akteure und Prozesse

Cloud Computing kann jedoch nicht nur unter Aspekten der Skalierbarkeit interessant sein, sondern ist durchaus auch dazu geeignet, Innovation im Finanzbereich zu fördern. Technisch gesehen steht hinter Cloud-Szenarien immer auch der Plattform- und Netzwerkgedanke. Überträgt man diesen konsequent auf den gesamten Prozess im Konzern-Reporting, stellt sich die Frage nach Lösungen, die sämtliche Prozessschritte und alle Akteure auf einer Plattform vereinen. Denken wir beispielsweise an das Thema Notes-Erfassung, das besondere Anforderungen sowohl für die erstellerische als auch die prüferische Seite stellt. Dies bezieht sich nicht nur im Hinblick auf die vollständige Abdeckung der erforderlichen Pflichtangaben gemäß jeweiligem Rechtsstand, sondern vor allem auch in zeitlicher Hinsicht für die fristgerechte Adaption von Änderungen in der Rechnungslegung, die oft erst unmittelbar vor Jahresschluss offiziell werden. Der zeitliche Vorlauf ist damit sehr kurz, um die Struktur der Notes-Angaben zu fixieren und die Anwender über die Neuerungen zu informieren und zu schulen. Auch hierbei kann der Plattformansatz zielführend sein.

Messbarkeit aus „Big Data" im Reporting-Prozess

Mit allen digitalen Entwicklungsschritten im Finance-Bereich geht die Erwartungshaltung eines entsprechenden Produktivitätsfortschritts einher, was gleichzeitig die Frage mit sich bringt, wie der Digitalisierungserfolg messbar gemacht werden kann. Verkürzen sich durch Digitalisierungsmaßnahmen die „Durchlaufzeiten" im Reporting-Prozess und damit insgesamt die Abschlusserstellungszeiten bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz, könnte das ein Maß für die Verbesserungen sein. Auch eine Qualitätssteigerung durch eine nachgewiesene geringere Fehlerquote ist geeignet. In Bezug auf Messbarkeit ist ein möglicherweise weiterer interessanter Aspekt der Versuch, aus „Big Data" im Reporting-Prozess weitere Erkenntnisgewinne zu ziehen. In einem vernetzten Ökosystem (Plattformansatz) fallen, nicht nur aus Gründen der Nachvollziehbarkeit, durch zum Beispiel Prozess-Monitoring, Checkpoints und Eventlogging im Hintergrund eine Vielzahl von Daten an. Durch die Auswertung dieser Daten lassen sich im Zeitverlauf gegebenenfalls interessante Schlüsse bezüglich des Abschlussprozesses ziehen.

Neue Geschäftsfelder für Wirtschaftsprüfer

Steht für den CFO die Gestaltung des Finanzbereiches mit den Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, im Vordergrund, schaut der Wirtschaftsprüfer speziell unter dem Blickwinkel Ordnungsmäßigkeit, Transparenz, Vollständigkeit und jederzeitige Nachvollziehbarkeit auf Inhalte und Prozesse im Konzern-Reporting, insbesondere bei rechnungslegungsrelevanten Themen. Wenn sich in Bezug auf die Digitalisierung Veränderungen im Finanzwesen ergeben, ist der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer als einer der externen Stakeholder im Konzern-Reporting-Prozess zum einen über die Prüfungstätigkeit betroffen, andererseits ergeben sich aber auch Chancen für neue Beratungsthemen. Viele Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben deshalb das Thema Digitalisierung explizit auf dem Radar und adressieren das Thema über ihre Webseiten.

Mehr zum Thema: Arbeitslosigkeit gibt es nicht

Sie bieten neue spezielle Serviceangebote, um Unternehmen auf ihre Webseiten zu bewegen, Mandanten in Netzwerke einzubinden und Cross-Selling-Potenziale zu schaffen sowie gleichzeitig über diesen Weg noch mehr Daten zu erheben, die sich in weitere Serviceangebote überleiten lassen. Gelingt es den Prüfungsgesellschaften, kontinuierlich und verantwortungsvoll aus den Daten entsprechende Schlüsse zu ziehen, eröffnen sich, über die Lieferung maßgeschneiderter Inhalte hinaus, somit möglicherweise ungeahnte Perspektiven für den Ausbau des im Vergleich zum Prüfungsgeschäft eher margenstarken Beratungsbereiches.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.