Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Hans-Peter Canibol Headshot

Mensch, rede wesentlich!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SPEECH
HAYKIRDI via Getty Images
Drucken

„Du bist der Herr deiner Worte, aber einmal ausgesprochen, beherrschen sie dich", sagt ein schottisches Sprichwort. Damit die Beherrschung im Sinne des Sprechenden ist, muss dieser beim Setzen von Worten genau wissen, was er tut.

Schreiben, reden, präsentieren und moderieren im beruflichen Kontext von der Pike auf zu lehren, ist das Anliegen von Werner Lauff. Nur wer weiß, was er warum in einem Text verbal tut und wie welche Stilmittel beim Empfänger ankommen, erreicht sein kommunikatives Ziel.

Der Moderator, Journalist und Trainer von Führungskräften in Sachen Reden und Moderation erinnert an die Rede des früheren Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger 1988 anlässlich des 50. Jahrestags der Novemberpogrome von 1938, die einen Proteststurm innerhalb und außerhalb Deutschlands auslöste und am darauffolgenden Tag zum Rücktritt Jenningers führte.

Was war geschehen? Vor allem hatte Jenninger als Stilmittel - die „erlebte Rede" - eingesetzt, das sich bei einem sensiblen polithistorischen Thema und gerade in mündlicher Rede bestens für Missverständnisse eignet und diese auch prompt hervorgerufen hatte. Auch nicht ungefährlich: der Einsatz von Scherz, Satire und Ironie. Auch hier ist ein sensibler und gekonnter Umgang angeraten, so Lauff.

Einladung zum Herumstreunen

Zuallererst ist Lauffs „Toolbox" ein anschauliches Lehr- und Übungsbuch für all jene, die in den genannten Techniken wenig geübt sind, aber auch Geübtere finden Gelegenheit, hinzuzulernen. Zwar appelliert der Autor, das Buch in der Kapitelreihenfolge zu studieren, dennoch eignet es sich auch gut für Leser, die in Büchern gerne herumstreunen und sich die Kapitel in willkürlicher Reihenfolge einverleiben.

Nun sind Übungen in Lehrbüchern häufig langweilig, zeitaufwändig und bringen wenig - bei Lauff ist das anders. Eine Aufgabe etwa lautet: „Skizzieren Sie einen Vortrag, egal, ob aus dem beruflichen oder privaten Bereich: Schreiben Sie drei bis fünf Fragen auf, die Sie in diesem Vortrag beantworten wollen.

Setzen Sie dann noch ‚Meine Damen und Herren' an den Anfang." Und auch wenn man es sich zunächst nicht vorstellen kann: Tatsächlich lässt sich schon mit drei fundierten Fragen ein ganzer Vortrag umreißen. Überhaupt erzieht der Autor zur Kürze und plädiert zur Befreiung von allem Überflüssigen, das in Artikeln, Briefen und Reden meist reichlich enthalten ist.

Wider das „betreute Lesen"

Apropos Reden: Eine richtige Rede bekommt man ja heute kaum noch zu hören, in der Regel handelt es sich um text- und bildreiche Präsentationen, die ein Vortragender mehr oder weniger verliest - „betreutes Lesen" nennt Lauff das.

Nun muss man Vorträge mit Powerpoint nicht ganz untersagen, so erfrischend das auch wäre, es reicht, die Vorschläge des Autors zu beherzigen: „Zeigen Sie nicht, was Sie sagen und sagen Sie nicht, was Sie zeigen." „Sagen Sie alles, zeigen Sie einiges." „Und setzen Sie nur dann Charts ein, wenn sie zum Verstehen, Lernen, Nachempfinden wirklich notwendig sind." Ach, wie wohltuend!

Werner Lauff
Perfekt schreiben, reden, moderieren, präsentieren
Die Toolbox mit 100 Anleitungen für alle beruflichen Herausforderungen
261 Seiten, Broschur.
19,95 EUR (D)
ISBN 978-3-7910-3637-3
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2016

Auch auf Huff Post:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.