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Die Fake-News-Falle: Wenn reale Bedrohung zur Hysterie wird

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Spätestens seit dem US-Wahlsieg von Donald Trump im November 2016, der mit wüsten Social-Media-Attacken, und unwahren Behauptungen seine inner- und außerparteilichen Kontrahenten und das etablierte Mediengefüge düpierte, gelten Fake News als übler Auswuchs in den sozialen Netzwerken. Laut Heise online überflügelte in den drei Monaten vor der US-Wahl die Zahl der Falschmeldungen auf Facebook sogar die Verbreitung der erfolgreichsten Artikel von etablierten, anerkannten und seriösen Nachrichtenportalen.

Das Verbreiten von Gerüchten und Falschmeldungen gehört zu den ältesten Mitteln der Macht. Früher waren nur wenige Teilnehmer involviert. Über die sozialen Netzwerke ist heute jeder Nutzer, sei es als Einzelperson, sei es als Unternehmen, als Partei oder Vereinigung welcher Couleur auch immer, sein eigener Newsproduzent und damit ein potenzieller Verbreiter von nicht verifizierten Inhalten.

Während sich ausgebildete Journalisten und etablierte Medienhäuser einem Kanon von Rechten und Pflichten verpflichtet fühlen mit festen Spielregeln und Sanktionsmöglichkeiten, werden in den sozialen Netzwerke teils aus Unwissenheit, teils aus Berechnung zunehmend die Grenzen von Meinungsäußerung und Informationsverbreitung strapaziert. Die Auswahl von „Nachrichten" reduziert sich dabei zu einem Spiegel der persönlichen Einstellung gegenüber Themen und Personen.

Die Zigstelsekunden-Entscheidung für einen Mausklick bewegt sich jenseits jeder Quellenbewertung. Der Schneeballeffekt der Netzwerkverbreitung potenziert die Verbreitungsgeschwindigkeit gegenüber klassischen Medien.

Parallel zu dieser Entwicklung nimmt das Vertrauen in die etablierten Medien ab. Die Diskussion um „Lügenpresse" zeigte das Mitte 2016 deutlich. In einer Umfrage durch Infratest dimap von Januar 2017 im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks hielten 42 Prozent der Befragten die Medien für nicht glaubwürdig, 37 Prozent gaben an, dass ihr Vertrauen in die Medien gesunken sei (6 Prozent: „ist gewachsen", 57 Prozent „hat sich nicht so viel verändert").

Medienkenner befürchten für den anstehenden Bundestagswahlkampf eine bisher in Deutschland nicht gekannte „Schlacht" um die Meinungshoheit im Netz. Da geht es nicht mehr nur darum, wer seine Parteimitglieder und Sympathisanten am besten mobilisieren kann. Es geht auch um eine technische Aufrüstung mittels Robotern, die sich hinter Nutzerprofilen verbergen.

Und es geht um bewusste Diffamierung und Schädigung von Konkurrenten - nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Pressesprecher und Kommunikationsberater müssen sicherstellen, dass ihre Auftraggeber auf diese Art von Angriffen vorbereitet sind und im Ernstfall angemessen reagieren können. Ist dies nicht gegeben, besteht Gefahr für die Reputation und letzten Endes für die Profitabilität des Unternehmens.

Mit all diesen Aspekten befasst sich das Whitepaper Fake News mit Beiträgen von Mit Beiträgen von Thomas Demmer, Eva Gredel, Lars-Broder Keil, Niels Lutzhöft, Marcus Nothhelfer, Susanne Theisen-Canibol/Claudia Mauelshagen, Everhard von Groote/Mark Wilhelm, Christoph Walther, Thomas Weber. Die Autoren tauchen ein in die Geschichte von Meinungsmanipulation und Desinformation, beschäftigen sich mit dem aktuellen Nutzerverhalten in sozialen Medien, beleuchten die Grundlagen für eine zeitgemäße Medienkompetenz, stellen die Frage nach potenziellem Schaden und Geschädigten und zeigen rechtliche, technische und kommunikative Wege, sich zu wehren.

Fake News (Whitepaper)
Herausgegeben von Hans-Peter Canibol und Matthias Dezes
Groß-Gerau, Fakten + Köpfe Verlagsgesellschaft