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Das Fidget-Spinner-Kartell

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Wie man mit einfachen Mitteln ein kompliziertes Thema erklärt

Sie wollten den Präsidenten des Bundeskartellamts unbedingt zu sich in die Schule locken, zeigen, dass sie würdig sind, ihn für einen Tag an der Spitze der Bundesbehörde zu „vertreten". Diese Option hatte im Juni die Aktion „Chef für 1 Tag" Schülern des Ernst-Mach-Gymnasiums in Hürth eröffnet. Und sie nutzten sie auf unerwartete Art und Weise. Die Vorgaben für die Bewerbungsarbeit legten sie sehr „kreativ" aus, erlaubten sich eine thematische Grenzüberschreitung.

Berufsfindung, Karriere, das Einschätzen der eigenen Fähigkeiten: Das beschäftigt Schülerinnen und Schüler vor dem Abitur. Seit 13 Jahren hilft die Aktion „Chef für 1 Tag" bei der Standortbestimmung, bringt Jugendlichen die Welt von Unternehmen und Top-Managern näher. Dabei geht es nicht nur um Unternehmen in privater Hand, sondern auch um öffentlich-rechtliche Unternehmen, Non-for-Profit-Organisationen und Bundesbehörden wie das Bundeskartellamt.
In dem Bewerbungsverfahren, das darüber entscheidet, welche Klassen und Kurse es aus der engeren Auswahl zur Teilnahme schaffen, geht es einerseits darum, dass sich die Schüler mit ihren Fähigkeiten, Ihrem Verantwortungsbewusstsein und ihrer Reife der Auswahljury vorstellen. Es wird aber auch bewertet, wie sie die Aufgabe generell anlegen, ob sie besonderes Engagement und Kreativität zeigen, ob sie mit aktuellen Themen und Tools arbeiten.

Lehrstück mit sieben Zutaten
Sieben Zutaten reichten den Schülern des Ernst-Mach-Gymnasiums Hürth, um die Jury zu überzeugen: ein angesagtes Trendspielzeug (Fidget Spinner), Schüler als Darsteller in den Haupt- und Nebenrollen, die Fragestellung: Was ist ein Kartell?, ein kurzes Drehbuch, eine Kamera, die eigene Schule als Drehort und eine Prise „illegale Atmosphäre". Nach der Rollenverteilung legten sie los, spielten in verschiedenen Stufen einer Kartellbildung am Beispiel des Handels mit Fidget Spinnern an ihrer Schule durch, die Manipulation durch Preisabsprachen, die dadurch entstehenden Preiserhöhungen und schließlich den Frust der Kunden, die das Spiel nicht länger mitmachen wollten und andreas Mundt, den Präsidenten des Bundeskartellamts, benachrichtigten. Und der kam dann auch nach Hürth in das Ernst-Mach-Gymnasium. Im Herbst wird ein Schüler aus dem Kurs Sozialwissenschaften des Abiturjahrgangs nach einem sogenannten Executive Assessment die Arbeit des Bundeskartellamts in der ganzen Breite kennenlernen.

Das Video überzeugt durch den innovativen Ansatz und die spielerische Leichtigkeit, mit der die Mechanismen von Kartellbildung gerade für Schüler verständlich dargestellt werden. Zugegeben, ein wenig überzeichnet, aber so wird die Brisanz schnell erkennbar herausgearbeitet. Und das sichtbar mit Freude und Leidenschaft. Grenzüberschreitungen können eine gute Zutat sein, um Dinge zu bewegen. Ob in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen.

Hier geht es zum Video des Kurses Sozialwissenschaften am Ernst-Mach-Gymnasium Hürth.