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Dresden ist wunderbar

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DRESDEN PEOPLE CITY
Dresden ist wunderbar | Matthew Micah Wright via Getty Images
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Seit geraumer Zeit jagt eine Kampagne gegen Sachsen die nächste. Es wird von den „Vorfällen vom Tag der Deutschen Einheit" gesprochen, als stünden die Meinungsäußerungen, seien sie noch so rüpelhaft, neben den „Vorfällen von der Silvesternacht" in ihrer Skandalträchtigkeit.

Aha, „Vorfälle" also, hier wie dort. Die Ausdrucksweise, neumodisch Wording genannt, ist nicht zufällig. Es dient der Relativierung der Kölner Silvesternacht und der Herabwürdigung der ostdeutschen Minderheit im Land.

Ausgerechnet der Stern mit seinen aktuellen und ehemaligen Journalisten verrennt sich zurzeit so, wie man sich vor gut 30 Jahren in die unseriöse Ecke begeben hatte, als man Hitler-Tagebücher veröffentlichte, die ganz offensichtliche Fälschungen waren.

Michael Jürgs echauffiert sich in einer Talkshow bei Frank Plasberg darüber, dass die Polizei nicht eingeschritten sei, als sogenannte Pöbler „Haut ab" und „Merkel muss weg" riefen. Das schöne Bild des multikulturellen Landes in Einigkeit und Recht und Freiheit war offenbar in Jürgs Augen gestört.

Ich sehe bei ihm ein Problem bei der Anerkennung abweichender Meinungen und juristisches Unwissen, das man durchaus als peinlich bezeichnen könnte. Er unterscheidet sich aber hierin durchaus nicht von vielen seiner (ehemaligen) Kollegen der Zeitschrift mit den nackten Frauen als Aufmacher. Aber auch das heute journal - hier besonders Marietta Slomka - machen beim Sachsenbashing mit.

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Es handelte sich bei den Unmutsäußerungen, die am 3. Oktober in Dresden zu hören waren, nicht ansatzweise um Straftaten. Oft sind es dieselben Publizisten, die sich vor einem halben Jahr in Elogen überschlugen, als Böhmermann Erdogan attackierte, die jetzt den Freistaat zum Störenfried oder wahlweise zum Irrenhaus stempeln wollen.

Warum sollte „Merkel muss weg" oder „Haut ab" strafbar sein? Wer wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten „Störenfriede" wegsperren will, zeigt, wes Geistes Kind er eigentlich ist.

Mit zweierlei MaĂź gemessen

Der Fall Böhmermann und seine Behandlung sei, so war es lautstark und vielfach zu hören, ein Ausweis unserer Freiheit. Nun äußerten ein paar Hundert Menschen, auch durch undemokratisch herablassende „Gesprächsversuche" von Claudia Roth erzürnt, ihren Unmut. Und schon macht der Stern im Titel Sachsen zum Schandfleck.

Walter Wüllenweber liegt vollends daneben, wenn er dem dauerhaften PISA-Spitzenland nach jahrzehntelangem Wegzug von Talenten zurückgebliebene Dummheit unterstellt. Vor 1961 seien die hellen Köpfe gegangen, von 1961 bis 1990 seien sie nach Berlin gezogen und seitdem, ab der Wende, nach dem Abitur samt und sonders gen Westen abgewandert.

➨ Mehr zum Thema: Nach Vorfällen in Dresden: Jan Böhmermann beschimpft Sachsen

Ist das die Realität? Dresden hat in Wirklichkeit eine mehrfach ausgezeichnete Elitehochschule in der Technischen Universität, die Arbeitslosigkeit in Sachsen und speziell Dresden ist wesentlich geringer als in Nordrhein-Westfalen, das Bundesland wird seit 26 Jahren erfolgreich von einer CDU geführt, und zwar von einem selbstbewussten Landesverband, der nicht jede Merkel-Mode mitmacht.

Neid auf Sachsen und Bayern

Genau das ist es. Bayern und Sachsen sind zu erfolgreich, es passt vielen linken Ideologen nicht in den Kram, dass Bundesländer, die so konservativ sind, dass sie aus Eigeninteresse nur die erfolgversprechenden Neuerungen mitmachen und nicht jedem Irrlicht nachlaufen, so erfolgreich sind, so dass sie permanent die Positiv-Statistiken anführen.

Geringste Verschuldung, geringste Arbeitslosigkeit, beste Schulen, beste Universitäten und dazu noch dieses nicht durch Zerknirschung gedrückte Selbstbewusstsein à la „Mir san mir", was diese beiden Freistaaten auszeichnet und einem in den restlichen 14 Bundesländern üblichen Bescheidenheitswahn widerspricht. Dafür gibt es jetzt Klassenkeile.

Ich persönlich sehe in Dresden eine der schönsten Städte der Welt, zweifelsohne die schönste deutsche Stadt, was nicht nur an Landschaft und Gebäuden liegt, sondern an den vielen kultivierten und gebildeten Menschen.

Die Entwicklung der Immobilienpreise bestätigt mich. Im Frühjahr 2014, also vor Pegida und Flüchtlingskrise, kaufte ich in Dresden eine Wohnung. Jetzt, gerade zweieinhalb Jahre später, wurde vom selben Makler eine ebenso große Wohnung, direkt neben meiner, für einen 47 % höheren Preis verkauft.

Die Mär vom Standortnachteil

Dass Wirtschaft und Wissenschaft vor den vorgeblich verrohten Dresdnern flöhen, ist eine Legende. Die Entwicklung der Immobilienpreise beweist das Gegenteil. Eine solche Wertentwicklung ist auch heutzutage in keiner anderen deutschen Stadt denkbar.

Der Indikator Entwicklung der Immobilienpreise ist einer der aussagekräftigsten über eine Stadt. Wer es nicht glaubt, möge sich den aktuellen "Focus" kaufen. Bei der Gelegenheit sei erwähnt, dass die Städte Wuppertal, Gelsenkirchen, Essen und besonders Duisburg in der Entwicklung der Immobilienpreise eindeutig nach unten zeigen - als einzige in Deutschland, und es ist kein Zufall, dass es gerade diese Kommunen sind.

Dies sind Dinge, die man offensichtlich nicht so ganz gern hört, egal ob Claus Kleber, Marietta Slomka, Michael Jürgs oder Walter Wüllenweber. Der Stern lässt diese Fakten wohl auch bewusst im Abgesang auf Sachsen hinten herüberfallen, ebenso das ZDF - nun ja, wir leben ja in post-faktischen Zeiten, also sei ihnen verziehen.

Je größer der Anteil an nicht arbeitenden Menschen, sowohl aus Deutschland als auch dem Rest der Welt ist, umso weniger Menschen wollen dort wohnen, wenn sie die Wahl haben. Diese Städte kippen sprichwörtlich um und verwahrlosen. Das gediegene Dresden hat in den letzten zwei Jahren nicht den geringsten Schaden genommen, auch wenn man Pegida als stumpfen Populismus ansieht.

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Den Anstieg der Preise im Immobiliensektor erkläre ich mir aber sogar teilweise, man mag es zynisch nennen, dadurch, dass viele Investoren durch die Grenzöffnung im Herbst 2015 massiv verunsichert wurden und nun nach einem Ort im Lande suchen, der als letztes einer Verwahrlosung wie in Duisburg-Marxloh oder Essen-Nord, Gelsenkirchen oder Wuppertal anheimfällt, wo die Preise sinken und kaum jemand freiwillig wohnen möchte.

Gerade BildungsbĂĽrger mit Geld wĂĽnschen sich eher ein gediegenes als ein verwahrlostes Umfeld. Um Dresden muss man sich also diesbezĂĽglich nicht die geringsten Sorgen machen.

Neulich im Zug

Im Frühjahr fuhr ich mit dem ICE nach Berlin. In Hannover stiegen zwei Damen ein, die beide im Bereich Schule und Inklusion tätig waren. Neben mir saß ein 12-jähriger Junge, der auf ein Dresdner Gymnasium ging. Der kleine Bub wurde alsdann von beiden Frauen in die Zange genommen.

Ob es überhaupt Inklusion und Gemeinschaftsschulen in Dresden gäbe. Sie merkten an, was man denn von Sachsen erwarten könne, zumal man dort 1990 von Bayern weite Teile des Schulsystems übernommen habe.

Mir wurde es zu bunt, zumal sich der Siebtklässler kaum erwehren konnte. Ich wies die beiden Damen darauf hin, dass Sachsen und Bayern in der PISA-Studie ungefähr zehn Plätze vor Niedersachsen stehen. Das wollten sie offensichtlich nicht hören. Aber zum Glück ließen sie von dem Jungen ab.

Dass jetzt durch den Stern und andere Medien massive Ressentiments gegen die Minderheit der Sachsen in Deutschland geschĂĽrt werden, ist einigen Journalisten nicht entgangen. Jan Fleischhauer thematisierte dies am 17. Oktober in seiner Kolumne. Man kann ihm nur danken. Ăśberhaupt werde ich misstrauisch, wenn es einen breiten Konsens gibt und abweichende Meinungen eher unerwĂĽnscht sind.

Der Stern sollte sich kritisch hinterfragen, ob er sich nach dem Skandal um die Hitler-TagebĂĽcher wirklich je erholt hat und ob brillante Journalisten nicht lieber zu anderen Zeitschriften gehen. Dresden hat kein Problem mit dem Abzug der Intelligenzija, aber vielleicht der Stern.

Der Beitrag erschien ursprĂĽnglich auf The European.

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