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Die 10 häufigsten Irrtümer über Schönheits-Operationen

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PLASTIC SURGERY
Floresco Productions via Getty Images
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Fettabsaugen statt Diäten?


Fettabsaugungen ersparen leidige Diäten. Face-Lifts lassen mich lebenslang jung aussehen. Auch transplantierte Haare fallen wieder aus. Drei von vielen Irrtümern, die immer wieder über Beauty-OPs zu hören sind.

Beim „Schönheits-Chirurgen" bin ich in den besten Händen. Keineswegs, warnen Experten immer wieder. Das Problem: Der Begriff „Schönheitschirurg" ist nicht geschützt. Praktisch jeder Mediziner kann sich so nennen und dementsprechend versuchen sich neben speziell ausgebildeten Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie auch immer mehr Gynäkologen, Hautärzte und selbst Orthopäden auf diesem Gebiet - mit oft nicht gerade optimalen Ergebnissen.

Eine Fettabsaugung ersetzt die Diät. Mitnichten - kein seriöser Facharzt wird einem übergewichtigen Menschen eine Fettabsaugung empfehlen, um auf die Schnelle einige Pfunde loszuwerden. Hier sind Sport und gesunde Ernährung gefragt. Eine Liposuktion, so der Fachbegriff, eignet sich eventuell zur Korrektur derjenigen Problemzonen, denen mit einer Diät nicht beizukommen ist. Bei Frauen ist das häufig der Fall bei erkennbaren Konturstörungen wie etwa einer Reiterhose. Denn selbst strenge Diäten oder gezielte Gymnastik bringen hier meist nicht viel. Bei den männlichen Patienten sind es vor allem alterstypische „Rettungsringe" an der Taille oder störende Brustzunahmen, die sich jeder Diät widersetzen.

Forever young dank Facelift. Irrtum: Ein gutes Face-Lift kann zwar eine jugendlichere, frischere Ausstrahlung bewirken. Doch der natürliche Alterungsprozess setzt sich natürlich fort - wenn auch mit entsprechender Verzögerung: Sieht eine 70-jährige nach dem Face-Lift wie 60 aus, so wirkt sie mit 80 immerhin noch wie eine 70-jährige.

Brustvergrößerungen: Je mehr desto besser. Um mehr Weiblichkeit und Selbstsicherheit auszustrahlen, entscheiden sich in Deutschland pro Jahr laut Facharztgesellschaften ca. 45.000 Frauen für eine Brustvergrößerung per Implantat. Berichte über unverhältnismäßige Ergebnisse bei manchen TV-Sternchen erzeugen jedoch ein falsches Bild der realistischen und gesundheitlich zu vertretenden Möglichkeiten: Seriöse Fachärzte raten bei einer Augmentation, so der Fachbegriff, zu Ergebnissen mit Maß und Ziel. Die Größe muss von der Hautelastizität her realisierbar sein und auch mit der Figur harmonieren. Gravierender als ästhetische Bedenken sind mögliche gesundheitliche Beschwerden wie etwa Verhärtungen, die schon bei Körbchengröße D nach einigen Jahren auftreten können.

„Schönheits-Operationen" dienen nur der menschlichen Eitelkeit. Irrtum. Nicht nur Aussehen und Figur profitieren von der oft lang ersehnten Korrektur. Wer sich unter das Messer eines Plastischen Chirurgen begibt, der kann sich in der Regel auch über mehr Glücksgefühle und ein größeres Selbstbewusstsein erfreuen. Dies ist das klare Ergebnis zahlreicher Umfragen und Studien. Einer der wesentlichen Gründe ist sicherlich der oft erhebliche Leidensdruck, der nun endlich wegfällt.

Plastische Chirurgen können ästhetische Wunder vollbringen. Das ist natürlich Unsinn. Auch dem besten Facharzt sind klare ästhetische und medizinische Grenzen gesetzt. So sprechen beispielsweise nicht nur optische Bedenken gegen eine übermäßige Brustvergrößerung (siehe oben). Auch das Alter macht häufig einen Strich durch die Rechnung. Bestes Beispiel dafür sind Nasenkorrekturen, in der Fachsprache als Rhinoplastik bezeichnet. Bis zum Renteneintritt sollte man damit nicht warten. Denn im Regelfall hat die Haut dann schon deutlich an Elastizität verloren und kann sich nicht mehr optimal anpassen.

Ästhetische Korrekturen sind nur etwas für Frauen

Falsch. Die überwiegende Mehrheit der OP-Patienten sind zwar nach wie vor Frauen, doch laut Facharztverbänden liegt der Männeranteil immerhin schon bei 12 bis 15 Prozent. Eine typisch männliche Schwachstelle sind Speckröllchen an Taille und Bauch, die per Fettabsaugung eliminiert werden. Aber auch die Vergrößerung der männlichen Brust, in der Fachsprache als Gynäkomastie bezeichnet, empfinden viele Männer als unangenehm und störend. Ebenso gefragt sind Nasenkorrekturen, die Behandlung von Tränensäcken und Schlupflidern sowie - als klassisches männliches Problem - die Eigenhaartransplantation.

Bei Nasenkorrekturen im Alter droht der Bruch

Das ist ein Gerücht: Die Nasenscheidewand bleibt auch im Alter voll elastisch. Allerdings kann durch die schlaffere Haut eine Korrektur der Nasenlänge in reiferen Jahren eventuell komplizierter werden. Hier ist die Erfahrung des Facharztes entscheidend, denn dieser Eingriff gehört nach wie vor zur hohen Schule der ästhetischen Chirurgie.

Neben Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen und Face-Lifts rangieren Nasenkorrekturen (Rhinoplastiken) ganz oben auf der Liste der Beauty-OPs. Kein Wunder: Schließlich ist die Nase markantester Teil des Gesichts. Ob zu klein oder zu dick, ob zu spitz oder zu krumm, stets steht sie im Blickpunkt und kann weder versteckt noch kaschiert werden. Am häufigsten werden Höcker am Nasenrücken beseitigt, oft zudem eine Verringerung der Nasenlänge und eine Verfeinerung der Nasenspitze angestrebt.

Auch transplantierte Haare fallen wieder aus

Das stimmt nur vorübergehend. Ein paar Wochen nach der Transplantation fallen die übertragenen Haare zwar fast immer noch einmal aus. Aber nach insgesamt 10 - 12 Wochen beginnt dann das dauerhafte Wachstum. Nach acht bis neun Monaten ist das endgültige Ergebnis sichtbar. Da die „Haarspender" aus dem „Kranzbereich" des Hinterkopfs entnommen werden, ist der neue Haarwuchs praktisch dauerhaft gesichert. Denn hier sind die Haare genetisch auf lebenslanges Wachstum programmiert. Eine Transplantation von Fremdhaar hingegen ist nicht möglich: die körpereigene Abwehr würde das verpflanzte Haar wieder abstoßen.

Beauty-Operationen sind eine Erfindung der Neuzeit

Irrtum. Bereits im siebten Jahrhundert vor Christus berichtet der indische Arzt Sushruta über zahlreiche ästhetische Korrekturen bei Menschen mit amputierten Nasen. Und auch im alten Griechenland, in Rom und Ägypten war die plastische Chirurgie bereits vor Jahrhunderten bekannt. Archäologen konnten zudem nachweisen, dass schon vor mehr als 3000 Jahren Ohrenkorrekturen vorgenommen wurden.

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