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Klimaschutz: Wer nicht mitmacht, den bestraft das Leben

02/06/2017 10:50 CEST | Aktualisiert 18/09/2017 22:09 CEST

Dass das Klima sich stärker wandelt hin zu höheren Temperaturen, als man es im Rahmen der natürlichen Klimaschwankungen erwarten sollte, nennt man Detektion. Der Nachweis der Detektion ist schon vor Jahren gelungen.

Das Auffinden der plausibelsten Erklärung für diesen Wandel nennt man "Attribution" - auch hier hat die Klimawissenschaft geliefert: Ohne die Akkumulation von Treibhausgasen gibt es bis dato keine Erklärung für die detektierte Erwärmung.

Ein Wandel des Klimas stellt Gesellschaften und Ökosysteme vor ernsthafte Herausforderungen; je mehr es gelingt die Emissionen zu mindern, umso weniger gravierend die Herausforderungen.

Lange beschwor man, vor allem in Europa, die Notwendigkeit einer planmäßigen stringenten Minderung der Emissionen, um eben den langfristigen Klimawandel zu begrenzen. Dieser Plan scheiterte endgültig in Kopenhagen 2009.

Die Staaten dieser Welt konnten sich nicht einigen. So kam es sechs Jahre später zum Paris-Abkommen, wo man sich verständigte auf ein gemeinsames Ziel - eine Obergrenze von 2 oder besser noch 1,5 Grad Erwärmung - und es den verschiedenen Staaten überließ, nach ihren Möglichkeiten und Präferenzen beizutragen.

In gewisser Hinsicht war dies der früher noch belächelte Ansatz des früheren US-Präsidenten George .W. Bush, der eine Willigen-Koalition der Großemittenten schmieden wollte. Und jetzt will sein republikanischer Nachfolger Donald Trump ausscheiden.

So ein Ausscheiden wird das Ziel der Begrenzung des Klimawandels nicht befördern, zumindest nicht direkt, aber wird dies Ausscheiden eine signifikante Wirkung haben?

Ich glaube nicht.

Wer nicht mitmacht, bleibt zurück

Inzwischen ist die Perspektive der Energiewende und die Plausibilität, dass durch klimafreundliche Modernisierungsprozesse die Wirtschaften dieser Welt stimuliert werden, Allgemeingut geworden. Wer nicht mitmacht bei der Modernisierung von Energiebedarf,- nutzung und -bereitstellung, bleibt zurück - den "bestraft das Leben".

Der derzeitige US-Präsident hat vor allem die Interessen der Altindustrieren im Blick, die seit Jahren dahin dämmern. Das geht mit sozialen Verfall und gesellschaftlicher Spaltung einher. Ich glaube, durch protektionistische Maßnahmen, und dazu zähle ich auch ein Ausscheiden aus den verabredeten Klimaschutzmaßnahmen, werden vielleicht kurzfristige Entlastungen erreicht - aber kaum eine Überwindung der strukturellen Krise.

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Die Kohleindustrie wird sich nicht wieder zu alten Größe erheben. Viele Bundesstaaten und Industrieren in den USA haben das verstanden und werden am Trend der Modernisierung in Richtung auf Dekarbonisierung teilnehmen.

Ob das für die USA gut gehen wird, wird man sehen.

Warum die USA nur verlieren können

Selbst wenn die Warnungen vor dem menschgemachten Klimawandel übertrieben wären, auch dann würde sich die so induzierte Modernisierung lohnen - was mich an den Bau des Göta-Kanals in Schweden vor fast 200 Jahren erinnert. Als er fertig war, war der eigentliche Nutzen vernachlässigbar geworden - aber sein Bau war eine wesentliche Triebfeder für die erfolgreiche Industrialisierung Schwedens.

Ich würde es begrüßen, wenn die USA aktiver und positiver Teil der Bemühungen um die Begrenzung des Klimawandels blieben. Aber wenn nicht, dann eben nicht.

Dass aber ein Ausscheiden erhebliche Folgen für den internationalen Umgang der Staaten haben kann und wohl auch wird, ist die zweite Seite der Medaille.

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(jg)

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