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Das solltet ihr für eine stabile Partnerschaft beachten

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Betsie Van der Meer via Getty Images
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»Balance of Power« oder das Gleichgewicht der Kräfte gilt nicht nur für friedensstiftende Militärbündnisse, sondern auch für eheliche Partnerschaften. Wenn das Gleichgewicht kippt, herrscht »Kriegsgefahr«. - Doch woher kommt Macht in der Ehe? Und gelten Machtverhältnisse auch für das Ehepaar Wulff?

George Bernard Shaw glaubte schon vor etwa 100 Jahren daran, eheliches Zusammensein erkannt zu haben. Ihm werden diese Worte zugeschrieben.

Im ersten Ehejahr strebt ein Mann die Vorherrschaft an. Im zweiten kämpft er um die Gleichberechtigung. Ab dem dritten ringt er um die nackte Existenz.

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Sicher geprägt von schlechten Erfahrungen − aber mit einem einsichtigen Kern. Oft beginnen die ersten Auseinandersetzungen gleich nach der Flitterzeit, in der noch körperliche Anziehungskräfte dominieren. Denn Zuneigung, Verständnis sowie auch gemeinsame Aufgaben gedeihen erst, wenn der Kampf um die Vorherrschaft ein gewisses Gleichgewicht erreicht hat und von wachsender Anerkennung abgelöst wird.

Triebfedern für Auseinandersetzungen liefern gefühlte eigene Stärken sowie erkannt geglaubte Schwächen des Partners. Und dies verbunden mit wiederum gefühltem Rückstand der eigenen sozialen Freiheiten etwa nach dem Motto: „Weshalb soll ich meine Sachen selbst wegräumen? Schließlich trage ich die ganze finanzielle Last!"

Die Stärken lassen sich in fünf tragende Machtfraktionen einteilen.

  1. Persönliche Ausstrahlung, also gegebene körperliche Attraktivität sowie öffentliche Anerkennung.
  2. Rückzugsmöglichkeiten zur früheren Familie oder zum eigenen Freundeskreis.
  3. Einkommensbeitrag durch Arbeit oder mitgebrachtes Vermögen.
  4. Karriereaussichten zur Steigerung des Einkommensbeitrages und des Ansehens.
  5. Einfühlsamkeit und Fügsamkeit als möglicher Ausgleich auf der schwächeren Seite.

Wenn die Fraktionen insgesamt ausgewogen oder gar gleich verteilt sind, bestehen beste Aussichten auf eine lange währende glückliche Partnerschaft. Beide Partner fühlen sich wohl und spüren kaum Bedürfnis nach »Nachbars Kirschen«.

Fehlendes Gleichgewicht führt jedoch schnell zu jenen Symptomen, wie sie zahlreich in Büchern und im Internet beschrieben sind. Darunter Gleichgültigkeit, Vorwürfe, Eifersucht, Mobbing, Seitensprünge und viele mehr. Werden nur diese Symptome behandelt, so bahnen sich die Sprengkräfte des fehlenden Gleichgewichtes neue Schneisen ins Eheglück. So wie sich auch Vulkane nicht verschließen lassen.

„Viel zu einfach", werden Psychologen sagen, „Es fehlen die Einflüsse persönlicher Wahrnehmungen sowie familiär anerzogener Konventionen. Sie können unter sozialen Einflüssen verzerrte Bewertungen erzeugen."

Liebe allein überdeckt Macht nur kurzzeitig

Richtig, dennoch führten viele Fallbeispiele zu fast geradlinigen Übereinstimmungen zwischen Wert und Wirklichkeit. Wenn nicht, gilt es, die Differenzen auszuloten. − Natürlich sollten Missverständnisse und unterschiedliches Beischlafbedürfnis ausgeschlossen werden.

Unter den Fraktionen ist die Attraktivität (1) heute der bei weitem stärkste Machtfaktor. Unterschiede lassen sich recht schwer ausgleichen. Doch Paare finden sich meist ohnehin über ähnliche äußere Attraktivitäten.

Bei Paaren mit größeren Differenzen besteht oft ein Ausgleich durch andere Machtfraktionen. Wenn nicht, lauert hier bereits ein bisher unterdrückter Sprengsatz. Ehewillige sind also gut beraten wenn sie, jeder für sich, diese Machtfraktionen prüfen. Denn Liebe allein überdeckt Macht nur kurzzeitig.

Oft flüchtet sich der schwächere Partner in übersteigerte Einfühlsamkeit und Fügsamkeit (5). Dies ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, denn der stärkere fühlt sich zwar anfangs geschmeichelt, später aber eingeengt, drangsaliert und fürchtet Kontrollverlust.

Zwischenmenschliche Dramatik ist jedoch vorprogrammiert, wenn sich die Gewichte der einzelnen Machtfraktionen ändern. Manche allmählich, wie oft die körperliche Attraktivität. Andere durch Drogenkonsum. Weitere nach Unfällen, Krankheiten oder beruflichen Einschnitten.

Die Wulffs als Beispiel

Ein aufsehenerregendes Beispiel dafür lieferten die Eheleute Bettina- und Christian Wulff. Anhand der tragenden Machtfraktionen lässt sich aus den Medienberichten heraus folgendes Bild zeichnen. (stichwortartig)

  1. Persönliche Ausstrahlung - bis zur Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten 2010 etwa gleich, danach Bettina Wulff deutlich geringer. Nach dem Rücktritt 2012 erhebliche Vorteile bei Bettina.
  2. Rückzugsmöglichkeiten - spielen bei starken Partnern, wie hier, keine Rolle mehr.
  3. Einkommensbeitrag - bis 2010 ausgewogen, danach Bettina ohne eigenes Einkommen. Nach dem Rücktritt wieder ausgeglichen.
  4. Karriereaussichten - bis 2010 etwa gleich, nach dem Rücktritt von Christian Wulff deutliche Vorteile für Bettina.
  5. Einfühlsamkeit und Fügsamkeit. - Bei starken Persönlichkeiten ohne nennenswerten Einfluss.

Zwei so tiefgreifende Einschnitte innerhalb von zwei Jahren verkraftet kaum eine Ehe, auch wenn die gemeinsame Sorge für den 2008 geborenen Sohn die Sprengkräfte linderte. Mit der Wahl zum Bundespräsidenten 2010 kippten die zunächst ausgeglichenen Machtverhältnisse zugunsten von Christian Wulff. Nach dem Rücktritt 2012 war Bettina die stärkere. Das Zerwürfnis war vorprogrammiert.

Doch 2015 zogen die Eheleute Wulff das Scheidungsgesuch zurück. Heute leben sie wieder gemeinsam. Offenbar haben sich Karriereaussichten sowie die öffentliche Attraktivität wieder angeglichen. Bleibt nur noch, ihrer Ehe viel Glück zu wünschen.

Motive für Streitigkeiten

Natürlich können diese fünf Machtfraktionen das Eheleben nicht annähernd ausführlich beschreiben, doch liefern sie fundamentale Motive für Streitigkeiten sowie einen Kompass dafür, ob eine Gemeinschaft im sozialen Umfeld bestehen kann oder bereits den Sprengsatz als »Kainszeichen« des Untergangs trägt.

Im Internet und in Büchern werden Machtverhältnisse in Partnerschaften meist nur beiläufig im Reigen der sonstigen Symptome behandelt. Die Erkenntnis, dass hier fundamentale Kräfte vorliegen, die erst jene Symptome hervorrufen, entstand aus Einsichten zu ganzheitlichen Gehirnfunktionen. Ergänzt durch gezielte Beobachtungen im sozialen Umfeld.

Doch selbst ausgeglichene Kräfteverhältnisse schützen nur bedingt vor Streitigkeiten mit tiefen Zerwürfnissen. Auch hier existiert ein zentraler Streitmotor, der sich besonders aus Lügen speist. Aber nicht aus den Lügen der Partner untereinander. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Video: Untersuchung beweist: Das ist die beste Uhrzeit, um sich zu streiten

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